Workshop
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27.02.2017

Stereoverbreiterung im Stereo-Bus? Pro und Contra

Die wichtigsten Argumente für und gegen die Mix-Bearbeitung der Stereosumme

Workshop: Master-Channel-Mix unter der Lupe – Teil 3

Stereo-Tools im Mix-Buss zu verwenden ist keine Schande, auch wenn konservative Mix-Engineers Anderes behaupten. Ganz im Gegenteil ist es seit jeher Aufgabe eines Mastering-Engineers, für ein Stereobild zu sorgen, das zur jeweiligen Veröffent­lichungs­form passt, wie CD, Radio, Vinyl oder Streaming. Und da heutzutage so mancher Producer seine Produktionen schon während des Arrangierens mischt, bietet es sich an, auch die Stereoverteilung schon im Mix-Buss in die gewünschte Richtung zu bugsieren.

Wir haben für euch hier ein paar der wichtigsten Argumente für und gegen die Stereobearbeitung im Summenkanal eures Mixes zusammengestellt. Denn ebenso wie beim Einsatz von Kompressor und Equalizer gibt es auch Fallstricke, wenn es um den Einsatz von Stereo-Tools im Mix-Buss geht. Wir geben euch daher ein paar Tipps mit auf den Weg und stellen auch die angesagtesten Plug-Ins vor, mit denen ihr in euren Mixes einfach und sicher zum perfekten Stereobild kommt.

Die Lage

Vielleicht habt ihr euch schon mal in der Situation wiedergefunden, dass euer Mix zu eindimensional klingt oder in Sachen Stereobreite schlichtweg nicht mit euren Lieblingsstücke mithalten kann, die ihr im Radio hört? Habt ihr dann beherzt zu einem Plug-In gegriffen, das eine Stereoverbreiterung verspricht, aber plötzlich fällt der Mix in sich zusammen, die Bassanteile erscheinen undefiniert und sicherheitshalber endet ihr mit genau dem Stereobild, mit dem ihr gestartet seid? Dann lohnt es sich für euch, hier weiterzulesen…

Das Problem

Die Schwierigkeiten beim Einschätzen der Stereobreite eures Mixes beginnen schon bei der Abhöre. Um es auf den Punkt zu bringen: Kopfhörer sind hier meist ungeeignet. Durch die Trennung der beiden Hörmuscheln geben sie euch keine verlässliche Auskunft über die Stereoverteilung der Instrumente in eurem Mix. Ein besseres Tool ist hier eine Monitorabhöre, bei der die Lautsprecher optimal aufgestellt sind. Sitzt ihr mit eurem Kopf und den beiden Lautsprechern in einem gleichseitigen Dreieck, habt ihr einen guten Starpunkt. Weitere Hilfe zur Einschätzung der Stereobreite bekommt ihr von speziellen Analyzern. Vor allem wenn euer Gehör in dieser Hinsicht noch nicht besonders geschult sein sollte, verschaffen sie euch zusätzliche Sicherheit. Denn sie helfen euch, Stereobreite und Monokompatibilität nicht nur klanglich, sondern auch visuell zu beurteilen.

Auch wenn ihr selbst vielleicht nicht Musik über ein Küchenradio hört, ist die Einschätzung der Monokompatibilität nach wie vor von Bedeutung. Schließlich sind Monoabspielgeräte heute noch immer weit verbreitet. Denn übertreibt ihr es mit der Stereoverbreiterung eures MIxes, kann es sein, dass er nicht mehr monokompatibel ist. Infolgedessen kann es zu Auslöschungen von Signalanteilen kommen. Dadurch ändern sich dann die Lautstärkeverhältnisse von Instrumenten und Instrumentengruppen im Mix und das hart erarbeitete Balancing der Signale im Mix wird zerstört. Aber keine Sorge. Es gibt Mittel und Wege diesen mixtechnischen Supergau zu verhindern…

Praxis-Tipp

Einer der wichtigsten Praxis-Tipps ist deshalb nach wie vor, dass ihr während des Einsatzes von Stereo-Verbreiterungstools die Monokompatibilität eures Mixes checken solltet. Dazu könnt ihr ein Goniometer einsetzen. Es gibt euch Auskunft über die Phasenlage von rechtem zu linkem Kanal. Verwendet ihr einen solchen Analyzer, dann achtet darauf, dass sich die Anzeige im positiven Bereich befindet. Bewegt sie sich stattdessen unterhalb des Wertes „0“ im negativen Bereich liegt. Dann könnt ihr euch sicher sein, dass Teile eures Mixes aufgrund von Phasenauslöschungen nicht zu hören sein werden, sofern der Track auf Monoanlagen abgespielt wird. Treibt ihr es allerdings soweit, dass die Anzeige des Goniometers den Wert „+1“ anzeigt, liegt ein Monosignal vor, bei dem beide Signale gleichphasig und damit identisch sind. Auch das solltet ihr natürlich vermeiden.

Ein weiterer guter Tipp ist, die Stereobreite verschiedener Frequenzbereiche unterschiedlich breit zu machen. Üblich ist es etwa, den Bassbereich in Mono zu mixen, damit Kickdrum- und Bass-Sounds in jeder Abspielsituation druckvoll bleiben. Wahlweise könnt ihr auch die Stereobreite von Mitten und Höhen unterschiedlich abmischen. Kommen etwa hohe Frequenzen vor allem im Chorus eures Tracks zum Einsatz, um für Excitement zu sorgen, könnt ihr diesen Effekt noch unterstützen indem ihr diese hohen Frequenzen besonders weit auffächert. Keine Sorge, ihr müsst dazu kein kompliziertes Setup mit parallelen Kanälen anlegen, deren Stereobreite ihr separat regelt. Denn bei etlichen Plug-Ins zur Stereobearbeitung (wie etwa dem Brainworx bx_control V2) könnt ihr die Bass-Grenzfrequenz des Monobereichs mühelos per Regler eingrenzen.

In vielen Fällen kann es sich für euch auch lohnen auf die Verteilung der Mitte/Seiten-Signale Einfluss zu nehmen. Per M/S-Mix könnt ihr wunderbar den Stereoeindruck eurer Abmischung regeln, indem ihr beispielsweise das Mittenignal leicht absenkt und die Seitensignale leicht anhebt und so für den Eindruck eines breiteren Stereofeldes sorgt. Oder ihr regelt das Mitte-Signal herauf und macht es damit deutlicher wahrnehmbar, wodurch wiederum der Eindruck der Stereobreite gemindert werden kann. Wie auch immer ihr vorgeht: In jedem Fall solltet ihr euren Stereomix mit hochwertigen Referenz-Tracks vergleichen, um nicht nur per Auge, sondern immer auch per Gehör zu entscheiden, wie es um euren Stereomix steht.

Falls ihr euch fragt, an welcher Stelle in der Kette der Insert-Effekte ihr die Stereoverbreiterung einsetzen sollt, dann würde ich persönlich dazu raten, sie hinter Kompressor und Equalizer, aber vor einem abschließenden Limiter einzusetzen. Auf diese Weise arbeitet ihr bei Dynamik- und Frequenzbearbeitung in jedem Fall mit einer intakten Phasenrelation von rechtem und linkem Kanal und habt auch den abschließenden Pegel eures Mixes noch voll unter Kontrolle.

Welche Stereo-Tools sind gerade angesagt?

Wenn es um die Stereobreite eurer Tracks geht, müsst ihr zum Glück weder für aktive Stereo-Tools noch für Analyzer tief in die Tasche greifen. Denn ein Goniometer ist mittlerweile in den Bordmitteln fast jeder DAW enthalten. Wer sich so richtig reinfuchsen möchte, kann auch auf ein Vectorscope zurückgreifen. Auch hier gibt es zahlreiche kostenlose Vertreter, wie das MStereoScope von MeldaProduction.

Genauso sieht es bei den Stereo-Imagern aus, die ihr als DAW-Standars-Plu-In oder in zahlreichen Versionen als Freeware findet. Mit dem kostenlosen bx_solo von Brainworx könnt ihr beispielswiese nicht nur die Stereobreite eures Mixes verändern: Es lässt euch auch Mitte- und Seite-Signal solo abhören, so dass ihr euch einen gezielten Eindruck von der M/S-Verteilung machen könnt. Möchtet ihr Bass und/oder Höhen von der Stereoverbreiterung ausnehmen, könnt ihr auf die Freeware MStereoExpander von MeldaProduction oder auch auf Voxengo Stereo Touch zurückgreifen. Bei diesen Plug-Ins lässt sich der Arbeitsbereich der Stereobearbeitung nämlich per Highpass- und Lowpass-Filter eingrenzen.

 

Und wie haltet ihr es bei euren eigene Mixes bisher? Setzt ihr Stereo-Tools im Master-Buss ein? Und falls ja, welche? Auf welche Stolperfallen, Probleme und Lösungen seid ihr dabei gestoßen?

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