Test
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09.08.2018

Steinberg UR-RT2 und UR-RT4 Test

USB2-Audiointerface

Hass oder Liebe für Übertrager ?!

Die Meldung sorgte für Begeisterung: Steinbergs neuste Audiointerfaces kommen mit Neve-Übertragern, sichtbar unter dem geschlitzten Gehäuse, und mit Autogramm von Rupert Neve höchstpersönlich. UR-RT2 und UR-RT4 sind damit in bester Gesellschaft, erleben wir gerade förmliche ein 1073-Revival, sei es mit AMS Neve 1073 SPX, Warm Audio WA-73 oder auch Heritage Audio. Kann man also eigentlich nicht viel verkehrt machen, oder? 

Details

Allgemeines

Steinberg UR-RT2 und UR-RT4 sind gut ausgestattete 24-Bit/192kHz-USB2-Audiointerfaces der Mittelklasse, kompatibel mit Macs ab macOS 10.11 sowie PCs ab Windows 7. Beide sind recht identisch und unterscheiden sich im Wesentlichen nur in der Anzahl verfügbarer I/Os, Preamps und Kopfhörerausgänge. 

Und wenn man sie noch etwas genauer begutachtet, erkennt man auch die extreme Nähe zu den deutlich günstigeren Modellen UR242 und UR44. Weil die „alten URs“ weiterhin angeboten werden, kann man aber nicht von Nachfolgern sprechen.

Rupert Neves Erben?

Und was ist neu? Nicht viel, soviel vorweg, es gibt aber nun zuschaltbare Übertrager im Signalweg, versehen mit Rupert Neves Autogramm. Das weckt selbstverständlich klangliche Assoziation wie warm, cremig, seidig und natürlich darf auch mein Lieblingsattribut nicht fehlen: teuer. Hinzukommt, dass die Aluoptik an die Portico-Serie von Neve erinnert und das schicke Lüftungsöffnungen auf der Oberseite den Blick auf die verlöteten Übertrager freigeben, welche ebenfalls mit einem dicken R signiert wurden.

Aus alt mach neu

Alles andere ist ansonsten recht gleich geblieben. Das UR-RT2 verfügt wie das UR242 über zwei Yamaha-Preamps namens D-Pre. Diese sind mit XLR/TRS-Combobuchsen von Neutrik inklusive analoger Gainregelung ausgestattet und bieten eine Peak-LED sowie zuschaltbare Phantomspeisung mit eigener Status-LED. 

Neu ist, dass sich der Schalter für die 48V-Phantomspannung nun bei beiden Units hinten befindet. Den Schieber für einen CC-Mode wie beim UR44 gibt es an dieser Stelle also auch nicht mehr. Low Cut und Phasendrehung sind zwar auch am Start, weiterhin aber nur in digitaler Form sowie über die mitgelieferte Software dspMixFx aktivierbar.

Ebenfalls dem Rotstift zum Opfer gefallen ist der PAD-Schalter. Böse Zungen könnten behaupten, bei den recht schwachen D-Pres ist er ohnehin nicht nötig – aber egal. Die RTs bringen es auf maximal +54 dB Gain (-60 dBu bis -6 dBu, nominal).

This one goes to eleven

All das gilt im Prinzip auch für das UR-RT4 welches jedoch vier Preamps besitzt. Wie beim UR-RT2 kann die Phantomspannung auch hier nur paarweise geschaltet werden. Ein kleiner, aber feiner Unterschied ist, dass die Combobuchsen beim UR-RT4 eine feste Impedanzanpassung haben. Die ersten beiden akzeptieren somit auf den Klinkenbuchsen nur unsymmetrische High-Z-Signale, die anderen beiden hingegen symmetrische Linesignale. Beim UR-RT2 ist der erste Input mit einem kleinen Drucktaster zwischen Line und High-Z umschaltbar. Die Impedanzanpassung ist für passive Instrumente wie E-Bass und E-Gitarre notwendig.

Schauen wir kurz auf die Rückseite. Bei beiden Interfaces gibt es einen Main Out sowie einen zusätzlichen Line In, die beide sowohl symmetrische als auch unsymmetrische Verbindungen auf großer Klinke (TRS 6,35 mm) akzeptieren. Der Line In ist ferner zwischen +4 dBu und -10 dBV via Software umschaltbar.

Mehr I/Os als Wandler

Das UR-RT4 hat außerdem noch vier weitere Line Outs am Start, wobei jedoch nur ein Paar mit eigenem Wandler ausgestattet ist. Ansonsten gibt es wieder bei beiden einen MIDI-Ein- und einen MIDI-Ausgang zu vermelden sowie die Tatsache, dass die doppelte Beschriftung der Anschlüsse sowohl auf Rück- als auch Oberseite gelungen ist, da sie bei einer Platzierung auf dem Schreibtisch durchaus hilfreich ist. Versorgt werden beide Interfaces von identischen 12V-Universalnetzteilen, ein kleiner Druckschalter am Gerät trennt die Kisten vom Netz. 

Auf der rechten Vorderseite gibt es einen Hauptlautstärkeregler, sodass Monitorboxen direkt anschlossen werden können, sowie die Regler für den Kopfhörerausgang. Das UR-RT2 verfügt über einen Kopfhörerausgang, dass UR-RT4 über zwei Kopfhörerausgänge. Sie lassen sich zwar alle getrennt in der Lautstärke regeln, haben aber keine eigenen Wandler. Das heißt, der erste Kopfhörer erhält immer das gleiche Signal wie der Main Out, der zweite Kopfhörer des UR-RT4 hingegen kann noch zwischen Main Out 1/2 und Line-Out 3/4 wählen. 

Im Klartext: Das UR-RT2 verfügt über zwei D/A-Wandler, das UR-RT4 über vier D/A-Wandler. Der Line Out 1/2 des UR-RT erhält übrigens dasselbe Signal wie der Main Out, wird nur nicht vom Output-Regler gepegelt. Zusätzlich steht beiden Interfaces ein Rückweg von der DAW zur Verfügung, um den Reverb anzusprechen. Das erklärt auch, warum das UR-RT2 als 4-In/4-Out und das UR-RT4 als 6-In/6-Out erkannt werden.

Integrierte Effekte

Wie auch das UR242 und UR44 verfügen beiden neuen „Neve“-Interfaces über dieselben DSP-Effekte. DSP deshalb, weil diese nicht vom Computer berechnet werden, sondern auf dem Interface selbst, was einem Verzögerungen erspart und damit die Effekte auch zum Einspielen prädestiniert. Das kennt man sonst nur von deutlich teureren und höherwertigen Interfaces wie etwa von Universal Audio oder Antelope Audio. Allerdings ist das FX-Angebot von Steinberg nicht sonderlich groß. Für die meisten Monitoringbelange dürften der Reverb sowie der Channelstrip inklusive Kompressor und EQ aber ausreichen. Gitarristen dürfen sich außerdem über den Clean, Crunch, Drive und Lead Amp freuen. Pommesgabel olé!

Die restliche Monitoring-Features sind okay, aber wirklich nicht besonders ausgefuchst. Das ist bei den relativ wenigen Ausgangswegen (D/A-Wandler) und der avisierten Zielgruppe aber zu verschmerzen. Das UR-RT2 kennt entsprechend auch nur einen Monitoring-Mix, das UR-RT4 immerhin zwei. Die GUI ist ferner funktional und verständlich, allerdings ziemlich klein und mit der Farbgebung gewinnt man sicherlich auch keinen Schönheitspreis. Eine nette Zugabe ist allerdings Cubase AI als Downloadversion für Mac und PC (nur für 64-Bit-Umgebungen) sowie Cubasis LE als App für das iPad.

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