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20.08.2020

Steht Native Instruments Traktor Produktlinie zum Verkauf?

Ist es wahr, dass Native Instruments Traktor Produktlinie unter den Hammer zu kommen scheint? Ihr habt richtig gelesen: Das komplette Programm inklusive der Software Traktor Pro 3 und der vielen Hardware-Controller vom Kontrol S2 MK3 über den S4 und S8 bis hin zum Mischpult und DVS-System und mehr könnte laut Internetberichten mitunter den Besitzer wechseln. Oder geht es nur um neue strategische Kooperationen? Wir spekulieren mit, möchten aber im Vorfeld festhalten, dass wir keinerlei Infos von NI oder sonstigen Firmen zu diesem Thema erhalten haben.

Laut einem Artikel auf DJTECHTOOLS sollen gleich „mehrere Quellen, die Kenntnis von der Vereinbarung hatten, bestätigten, dass Vertreter von Allen & Heath innerhalb des letzten Monats im Büro von Native Instruments in Berlin waren, um die Bedingungen der Vereinbarung zu besprechen. Eine Quelle bemerkte, dass auch andere Unternehmen der Branche Gespräche über Partnerschaften und Käufe der DJ-Software- und Hardware-Linie geführt haben.“

Erst letzte Woche gaben CEO Daniel Haver und Präsident Mate Galic, die sich seit über 20 Jahren für Produkte wie Traktor, Maschine und Co. verantwortlich zeichneten, bekannt, ab Oktober ihren Hut zu nehmen und nun diese Nachricht. Die DJ-Sparte soll verkauft werden. Das kann natürlich mehrere Gründe haben.

Zum einen muss man offen eingestehen, dass der Markt für DJ-Hardware im Vergleich zu anderen Sparten in den letzten Jahren an Wachstum eingebüßt hat und eventuell möchte sich die neue Geschäftsführung zukünftig primär auf den Komplete-Kosmos und Maschine fokussieren. Nichtsdestotrotz sind es gerade die NI-Controller, die vergleichsweise hoch in den Verkaufscharts ranken. Also wer könnte daran Interesse haben – platt gesagt so gut wie jede DJ-Gear-Company, oder?

Klare Sache?

Klare Sache: Allen&Heath und Native Instruments Traktor, das ging schon immer zusammen wie Senf und Bratwurst, viele Techno und House DJs alter (und neuer) Schule schwören auf die XONE-Serie und nicht selten ist Traktor die Software der Wahl. Ich möchte hier auch neben dem 92er mal den XONE:3D und 4D ins Gedächtnis rufen. Namen wie Richie Hawtin, der vor einiger Zeit mit dem ehemaligen Allen&Heath Chefdesigner Andy Jones einen eigenen Mixer (PLAYdifferently Model One) designte, sprechen Bände.

Inmusicbrands könnte man durchaus ebenfalls zu einem potenziellen Interessentenkreis zählen. Sie haben mit Denon, Rane und Numark einige DJ-Marken im Portfolio, denen eine vollwertige, hauseigene DJ-Software neben Engine, das eher für die Flaggschiff Prime-Serie wie rekordbox für Pioneers Top-Player fungiert, gut zu Gesicht stehen würde.

Das dies auch im preiswerteren Einsteigermarkt Sinn macht, zeigen NI mit dem S2 MK3 selbst, aber auch Konkurrenten, wie Hercules, die mit DJUCED und ihrer neuen Inpulse-Serie recht überzeugend im Budget-Sektor fischen. Hier setzt Inmusic aktuell auf Kooperationen mit Serato und Virtual DJ. Dabei war es zu Beginn des Controllerism gang und gäbe, dass man als „Dritthersteller“ mit „including Traktor LE“ ein Aushängeschild für seine Konsole hatte.

Oder kauft am Ende Behringer alles auf und belebt seine DJ-Sparte neu, die zugegebenermaßen seit etlichen Jahren keinen nennenswerten Neuheiten hervorbrachte? Ob Allen&Heath, Inmusicbrands oder eine andere Company – jeder der Hersteller könnte somit wie Pioneer ein eigenes Komplettpaket aus Mixer-, Controller- und Software schneidern, fraglich wäre, was in diesem Fall mit der Traktor-Produktlinie passieren würde…

Oder kommt alles ganz anders? – Strategische Kooperationen!

Das bringt uns zum Punkt Software-Entwicklung. So richtig viel Innovation ist in diesem Bereich in den letzten paar Jahren mal abgesehen vom Code- und Facelifts nicht geschehen (auch bei manchem Konkurrenten versteht sich), denn Traktor war und ist mit seiner Software schon weit vorangeschritten was Features betrifft und man kann das Rad nicht täglich neu erfinden. Warum also nicht jemanden mit ins Boot holen und weiter gehen? Traktor embedded Konsolen (also für Standalone-Produkte) hatten wir uns vor Jahren schon gewünscht, einzelne Player mit Jogwheels ebenso – mal sehen, wie es hier weiter geht.

Andererseits mussten wir auch schon bei Veräußerungen von Software-Abteilungen im DJ-Bereich erleben, wie sang und klanglos diese untergehen können. Ich erinnere mich noch gut an Zeiten, in denen man auch mit M-Audio TORQ um die Häuser ziehen konnte, nach dem Verkauf an Avid und einer weiteren Version, war die Luft raus. Oder nehmen wir Deckadance (von Imageline) – gab es mal zu fast jedem Behringer-Controller als LE dazu, dann ging´s an Stanton, dann an Gibson und das war´s quasi.

Mehr Dritthersteller-Support?

Eine Stärke für eine DJ-Software ist neben einem eigenen Hardware-Portfolio auch die Unterstützung für und seitens Dritthersteller-Gear. Paradebeispiel: Virtual DJ. Es gibt so viele Controller, die seitens VDJ unterstützt werden, ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, aber die Entwickler sind auch immer schnell am Start, wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt. Hier hat sich Native Instruments in den letzten Jahren eher zurückgehalten, wenn man mal einen Blick in den Controller-Manager bzw. native Unterstützung wirft. Kaum aktuelle TSIs sind hier integriert. Mappings kommen nicht selten von der User-Community.

Klar, NIs Range ist „autodetected“ , aber mancher Anwender hätten vielleicht gern andere Hardware und möchte sicher gehen, dass die auch Out-of-the Box mit Traktor funzt. Wie mir ein Vögelchen flüsterte, wird dies beispielsweise auf den neuen RANE Twelve MK2 (hier im Test) zutreffen.

Das würde in meinen Augen aber eher gegen eine Verkauf der Software und Hardware-Range sprechen. Was am Ende kommt, bleibt abzuwarten.

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