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Test
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08.10.2021

Praxis

Royal Rumble – King of Drive

Sättigung und Zerre ist eines meiner Lieblingsthemen beim Sounddesign und Mixing. Warum nicht einen kleinen Vergleich machen? Logo, der echte Fusion muss rein – hab ich hier und leistet sehr gute Dienste. Den Elysia Karacter 500 hab ich gerade vom Studio-Nachbarn geliehen, packen wir also auch dazu. Es ist zwar kein echter Drive, aber für seinen Drive berühmt: Neve 1073 – also auch mit rein. Alles teure Hardware bisher. 

Welches Plugin könnte man denn noch nehmen? Stimmt, SSL hat den X-Saturator am Start! Moment mal, ist das nicht irgendwie dasselbe? Gute Frage. Tatsächlich sind sich X-Saturator und SSL Fusion Vintage Drive ähnlicher als sie anders sind. Klanglich konnte ich sie erschreckend gut aneinander anpassen. Im Bundle ist der Mehrwert demnach gering, aber er ist da. 

X war gestern, hier kommt Fusion

Ich vermute, dass der SSL Fusion Vintage Drive, die – was die Bedienung angeht – vereinfachte und klanglich überholte Variante des X-Saturator sein soll. Stichwort: Oversampling. In letzter Zeit wurden sukzessive Plugins des alten Duende aka Native Bundles überholt – hier kam wohl zusätzlich noch die clevere Marketing-Abteilung daher und hat ein „Rebranding“ umgesetzt.

Ich möchte es so formulieren: der alte X-Saturator ist grundsätzlich flexibler und bietet mehr Optionen. Er hat aber nicht sonderlich viele Sweetspots zu bieten. Der Vintage Drive hingegen klang auf Anhieb gut und ist schneller eingestellt. Beim X-Saturator neigte man zum unnötigen Rumfummeln. Er klingt im Direktvergleich auch harscher, presst mehr und war untenrum nicht sonderlich „analog-rund“. Andererseits konnte man mit ihm Material richtig auf links drehen, da ist das Fusion Plugin – im Gegensatz zur Fusion Hardware – deutlich handzahmer. 

Im Vergleich zur echten Hardware, insbesondere SSL Fusion und SSL VHD Preamp, muss man sagen, das die Plugins gut klangen, aber lange nicht so geil wie der echte analoge SSL Fusion. Mir gefielen besonders die tighten Bässe und das weniger Anstrengende allgemein, sowie das insgesamt Rundere beim analogen Vertreter besser. Man darf aber nicht vergessen, dass meine Wandler, die Kabel und das Routing ebenfalls Einfluss auf den Klang haben. Nichtsdestotrotz: Der VHD wiederum neigte bei hohen Einstellungen zum Schmieren, hatte andererseits einen schönen „In Watte gepackt“-Effekt bzw. fehlte ihm etwas Brillianz. 

Who's the best?!

Meines Erachtens gibt es keinen wirklichen Gewinner oder Verlierer, wenn man den Preis in Relation zum Ergebnis sieht. Bei unterschiedlichen Intensitäten hat mir durchaus mal der eine, mal der andere besser gefallen. Der Elyisa und Neve klangen prinzipbedingt anders – dennoch war ich überrascht, wie gut ich angleichen konnte. Anders gesprochen: die SSL Plugins klingen tatsächlich „freakin analogue, mate“!

Mehr Stereo als Stereo: Image that

Kommen wir zum Letzten im Bunde: dem Stereo Imager. Er scheint unscheinbar, tut aber verdammt gut, was er soll und klingt sehr natürlich, was dem gut umgesetzten Stereo-Shuffler zu verdanken ist, den es so umfangreich leider nicht in der Hardware gab.

Das Filter im Seitenband sorgt dafür das Bässe im Stereofeld mehr oder weniger stark um die Ohren biegen, um bildlich zu sprechen. Denn, in der Natur haben höhere Frequenzen bekanntlich eine stärkere Richtwirkung als Bässe – und das wird simuliert. Die Einstellmöglichkeiten sind pragmatisch und Selbstzweifel, was das beste Settings ist, kommen nicht auf. Alles in allem ein flinkes Design. 

Hierzu ein simples Beispiel von Valentine, in dem ich das Klavier einmal mit einmal ohne SSL Stereo Image nach links gepannt habe. Ohne klingt es regelrecht sonderbar, mit Image bettet das Klavier den Gesang förmlich ein.

Ich möchte nicht verschweigen, dass mein Alltime-Favorite von Izotope, der Imager, davon nicht unberührt bleibt. Izotope neigt generell zu Overkill und ist nicht sonderlich sorgsam im Umgang mit der CPU, die Möglichkeiten, die Stereoweite abhängig vom Frequenzband zu definieren und ordentlich zu spreaden, sind aber schon ein Klasse für sich, wenn auch weit entfernt von Natürlichkeit.

Bein genauer Betrachtung fällt also auf, das Beide grundsätzlich anders arbeiten. Stereo-Shuffle, also das frequenz-selektive Verhalten beim Panning, scheint bei Izotope kein Thema von sich aus zu sein, sprich Höhen und Tiefen werden innerhalb eines Bandes gleichermaßen verteilt. Bei dem SSL Image wird das Prinzip besonders deutlich, wenn man einmal ein Mono-Signal in ihn schickt und vorab im Panorama verschiebt: Dann hört man eindeutig, dass Bässe weiterhin im Stereobild gleichmäßig bleiben, was wiederum die Frage aufwirft, warum man bei SSL nicht gleich noch einen L/R Regler bzw. Pan-Pot vor die M/S Matrix des Plugins geschraubt hat.

Kaufen oder mieten?

Spätestens jetzt sollten wir mal über den Preis von beiden reden: Die aufgerufenen Preise für die Einzellizenzen finde ich absurd. Klar, großer Name dahinter und so, aber das ist nicht mehr zeitgemäß. Das werden auch noch Softube und UAD merken. Da tröstet selbst das Einführungsangebot nicht drüber hinweg. Die beiden Plugins sind auch keine Essentials oder sonderlich umfangreich. Nur mal so, der mächtige Fabfilter Pro Q3 kostet genauso viel wie eines der Plugins. Man kann es nicht anders sagen: SSL will, dass du das Abo kaufst.

Der Preis für das Abo ist okay, alle enthaltenen Tools sind erstklassig. Aber es fehlen eben auch durchaus ein paar essentielle Gerätschaften für ein All-In-Bundle. Ganz wichtig zum Beispiel: Dynamic EQ sowie Multiband-Compression. Ein Limiter wären auch noch schön. Da muss für meinen Geschmack noch was passieren – und nein, ein Violett EQ als Plugin reicht mir da nicht. Der HF-Compressor des Fusions hingegen wäre ein guter Anfang …

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