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Test
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08.10.2021

SSL Fusion Vintage Drive & Stereo Image Test

Sättigungs-Plugin / Stereo-Image-Plugin

Cremige Sättigung und Stereo-Shuffle für die DAW von und mit Solid State Logic

Neue Plugins von SSL! Mit dem SSL Fusion Vintage Drive und Fusion Stereo Imager präsentiert der britische Traditionshersteller die ersten virtuellen Teile des sonst analogen SSL Fusion, einem flexiblen Mix-Bus-Prozessor mit unterschiedlichen Bearbeitungsstufen jeder Couleur.  

Der Fusion war seinerzeit eine kleine Revolution und Teil einer neuen bezahlbaren Range vom einst sündhaft teuren Mischpult-Giganten. Erstmals „Made in China“ waren SSL Six und SSL Fusion aller Kritik der Snobs zum Trotz echte Erfolge und für viele jüngere Musikschaffende das erste richtig amtlich analoge Tool überhaupt.  

Mit seinen verschiedenen Prozessoren bot der Fusion das, was sich viele wünschten: Eine Kiste zum analogen Feinschliff, die bei Bedarf auch kräftigere Pinselstriche erlaubt. Getreu dem Motto „Five Colors of SSL Fusion“ – obwohl, eigentlich müsste es bei den Briten doch „Colours“ heißen … Wie dem auch sei, Zeit für den Test!

Details

Subscription durch die Hintertür

Der SSL Fusion Vintage Drive und der SSL Fusion Stereo Image sind Effekt-Plugins für die Formate VST3, VST2, AAX und AU. Autorisiert wird mit iLok, sogar Dongle-freie Machine-Activations sind möglich. Pro Lizenz gibt es zwei Activations.

Die Plugins werden einzeln sowie im All-In-Bundle verkauft, das es aber nur noch im Abo-Modell gibt. Erwähnenswert ist das „3 für 2“-Bundle sowie regelmäßige Rabatt-Aktionen, bei denen der X-EQ 2 auch schon mal für 39,99 anstatt 299,– Dollar verhökert wird.

Beide Plugins basieren auf ausgewählten Bearbeitungsstufen des analogen Mix-Prozessors SSL Fusion, welchen wir vor rund zwei Jahren zum Test hatten und für gut befunden haben. Hierzu das entsprechende YouTube-Video, für all die, die gar nicht wissen, worum es geht.

Two Colours of Fusion

SSL Fusion Vintage Drive ahmt die Sättigungsstufe des Fusion nach, der SSL Fusion Stereo Image entsprechend die Stereobreiten-Manipulation. Es macht Sinn, die Plugins einzeln anzubieten, weil die Prozessoren so innerhalb der DAW besser miteinander kombiniert werden können. 

Einen soliden Channelstrip mit EQ, Gate und Compressor sowie den SSL Ur-Klassiker schlechthin, den SSL Bus-Compressor, gab es letztlich im Bundle mit dem fetten SSL UC-1 Hardware-Controller. Inwieweit sich der Controller noch zur Bedienung der neuen Plugins nutzen lässt, bleibt abzuwarten. Irgendwas Größeres soll kommen – wird hinter vorgehaltener Hand zumindest getuschelt –, etwas Konkreteres konnte ich aber leider nicht in Erfahrung bringen. 

SSL Fusion Vintage Drive – VHD in the House

Grundsätzlich soll SSL Drive die Sättigung der legendären Consolen simulieren, sowohl in der Hardware-Vorlage als auch in der Plugin-Variante versteht sich. Sanfte Zerre hat bei SSL Tradition, wobei an dieser Stelle die SSL VHD Preamps erwähnt werden sollten, die aber mittlerweile den EU-Bürokraten und ihren neuen EMV-Regulatorien zum Opfer gefallen sind.

Der DRIVE ist hier in der Intensität regelbar, und zwar bis 11 – „because eleven is one more then ten“. Mit DENSITIY kann der Flavour der Obertöne angepasst werden. Dreht man Drive auf, gibt es also mehr Obertöne. Density wiederum bestimmt das Verhältnis von den Harmonischen gerade Ordnung hin zu den Ungeraden: Von einer satt-runden bis leicht aggressiven Verzerrung ist also einiges möglich, wobei anzumerken ist, dass es insgesamt eher subtil als brachial zugeht. Eine Ratte ist der SSL Drive nicht. 

Praktischerweise kommt für mehr Spielraum ein DRY/WET-Regler hinzu, den es an der Hardware nicht gab. Weitere Hilfe gibt es in Form des zuschaltbaren AUTO-GAIN Features, was den Outputpegel auch bei zunehmender Distortion konstant hält, sodass man sich besser auf die isolierte Auswirkung der Verzerrung konzentrieren kann, ohne sich von der Pegelerhöhung verscheissern zu lassen. Unity-Gain und so, ihr wisst schon.

Der Fusion Drive arbeitet mit internem Oversampling, was der Klangqualität zu Gute kommt, andererseits mehr Latenz und doppelte CPU-Leistung einfordert. Wer das nicht braucht, kann den ECO-Mode unten rechts aktivieren, beispielsweise beim Tracking oder Monitoring. 

Preset-Verwaltung, dediziertes Undo/Redo sowie A/B-Speicherplätze für eine flinke Vergleichbarkeit runden die modernen Vorzüge eines Plugins ab. Input und Output Trim erklären sich von selbst, genau wie die angedeuteten LEDs für die Pegel und das Saturation-Meter, das neben der hüpfenden Nadel mit bunten Leuchten – von Grün über Orange zu Rot – über die Intensität der Verzerrung informiert.  

Insgesamt ist das alles sehr übersichtlich und schick gehalten und man wurde ganz offensichtlich vom Antlitz des SSL Fusion inspiriert.

SSL Fusion Stereo Image – Blumleins Erben

Ein Imager gab es bisher nicht im Plugin-Angebot von SSL. Schön, dass dies nun nachgeholt wird. Im Gegensatz zu Schwergewichten wie dem Izotope Imager ist der Prozessor hier bedientechnisch einfach gehalten.

Das eingehende Stereosignal wird zunächst in Mitte und Seite aufgeteilt. Das Seitensignal enthält nun die reine Rauminformation, die Mitte den Monomix. Mit dem WIDTH-Regler lässt sich das Verhältnis ändern bzw. das Seitensignal entsprechend lauter machen, um so den Stereoeindruck von Breite zu verstärken. 

Der SPACE und SHUFFLE Parameter bedienen einen EQ im Seitenband, was eine Bassanhebung bzw. Absenkung zur Folge hat, was die frequenz-abhängigen Beugeeffekte von Schall simuliert, Stichwort Stereo Shuffle und Blumlein. Space ist der Gain des EQs und Shuffle der Cut-off an, wobei es diesen Parameter an der Fusion Hardware nicht gab.  

Am besten aktiviert man SOLO SIDE und hört sich die Auswirkungen einmal isoliert an. Ansonsten steht auch eine schicker Stereowolke in der Mitte des Plugins zur Verfügung, um das Ganze zu visualisieren. 

Hinzu kommen die Gains, Presets, A/B-Speicherplätze und Pegelmeter wie beim Drive, wobei hier im Ausgang die Visualisierung außerdem zwischen L/R und M/S umschaltbar ist. Auch hier lässt sich abschließend festhalten, dass gut gelayouted wurde, es keine komplizierten oder auffälligen Sonderbarkeiten gibt und das schicke Plugin flink und ansehnlich bedienbar ist.

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