Hersteller_SPL
Test
2
12.07.2014

Praxis

120 Volt vs. Niedervolt – Oder: Wie klingt es denn nun?

Laut Hersteller sollen sowohl Kopfhörer- als auch Lautsprecher-Wiedergabe von den positiven Audioeigenschaften der 120-Volt-Technik profitieren. Neben diversen DAW-Arbeiten habe ich Musik verschiedenster Genres über SPLs Phonitor 2 abgehört. Gewandelt habe ich mit einem Apogee Duet 2 unter ausschließlicher Verwendung von Vovox-Kabeln .

Bevor ich nun mit meiner Schilderung der Eindrücke von der Wiedergabe über Lautsprecher berichte, möchte ich noch eine Sache vorweg loswerden. Ich bin jemand, der die Esoterik in manchen der High-End/HiFi-Foren meist ziemlich merkwürdig findet, aber ein Unterschied gegenüber dem Monitorcontroller SPL 2Control und dem Phonitor, welcher durchaus auch als professionell gilt, ist in der Tat hörbar! Die Auflösung ist spürbar räumlicher, feiner und dynamischer. Vor allem die räumliche Darstellung ist natürlicher und die Ortung schärfer , wodurch man auch das Gefühl hat, mehr „in der Musik“ zu sein (die Männer mit der Zwangsjacke sind schon unterwegs!). Diese entspannte Abhörempfindung erschließt sich dabei übrigens nicht erst bei Tausende von Euro teuren Monitoren, sondern bereits auf meinen kleinen Adam A3X Nearfields. In dem Bereich Line-Vorverstärkung, den einige potentielle Interessenten wahrscheinlich noch gar nicht im Blick haben, sammelt der Phonitor 2 bereits die ersten, wichtigen Punkte!

Bei den Wiedergabeeigenschaften über Kopfhörer führt sich dieses positive Bild fort. Zum Vergleich stellten sich die Kopfhörerausgänge des Apogee Duet 2, des SPL 2Control sowie der professionelle Kopfhörerverstärker G93 von Lake People. Folgende Kopfhörer wurden für diesen Test verwendet:

Laut Hersteller eignet sich der Phonitor 2 für alle Kopfhörerarten ab einer Impedanz von 10 Ohm (40 Ohm bei symmetrischen Kopfhörern), also im Grunde für alle gängigen Modelle und Bauarten. Die oben aufgeführten Kopfhörer profitierten allesamt von den Wiedergabeeigenschaften des Phonitor 2, wobei ich schwerpunktmäßig den offenen T90 von Beyerdynamic verwendet habe.

Phonitor 2 vs. Apogee Duet 2

In Bezug auf Dynamik und räumliche Auflösung spielt der Phonitor in einer komplett anderen Liga, was selbst ungeübte Ohren wahrnehmen sollten. Das Signal aus dem Kopfhörerausgang des Apogee-Interfaces wirkt komprimierter und bedeckter – und das Abhören ist somit auch leider etwas anstrengender.

Phonitor 2 vs. SPL 2Control

Abgesehen von der in allen Disziplinen spürbar höheren Auflösung des Phonitor 2 fällt im Vergleich mit dem Output des 2Control vor allem die totale Abwesenheit von Rauschen und Störgeräuschen auf. Bei voll aufgedrehtem Poti erahnt man allenfalls ein leises Grundrauschen des SPL-Neulings. Glasklarer Sieg für den Phonitor 2!

Phonitor 2 vs. Lake People G93

In dem kleinen, puristischen Kopfhörerverstärker vom Bodensee hat der Phonitor 2 einen würdigen Gegner gefunden. Erst bei intensiverem Hören erkennt man eine um Nuancen detailliertere Auflösung von Mitten und Höhen sowie eine bessere Dämpfung von Störgeräuschen beim Phonitor 2. Nicht ohne Grund hatte ich mir schon seit längerem eine Crossfeed-Funktion für genau diesen ultrakompakten Kopfhörerverstärker gewünscht, womit wir schon beim nächsten Thema wären:

Lautsprechersimulation

Simuliert wird hier ausschließlich die Abhörsituation mit Nahfeldmonitoren. Nur wenige Hersteller bieten ähnliche Features; dieses Thema löst bisweilen auch Skepsis aus, will man doch in der Regel ein pures, „unverwurstetes“ Signal zur Beurteilung tontechnischer Entscheidungen heranziehen. Allerdings habe ich bereits seit Jahren die stufenlos regelbare Crossfeed-Funktion des SPL 2Control kennen- und schätzen gelernt, da sie genau diese Befürchtungen nicht bestätigt: Das Stereosignal wirkt schlicht und ergreifend natürlicher und weniger anstrengend, ohne den Sound durch wahrnehmbare Phasenmanipulationen zu beeinträchtigen. Die Phonitor-Familie geht durch die zusätzlichen Parameter wie Angle und Center sogar noch einen Schritt weiter. Die grundlegende Funktion dieser Parameter wurde ja bereits in den Details beschrieben, aber wie gelangt man denn nun zu deren optimaler Einstellung? In diesem Fall gilt vielleicht ausnahmsweise „Studieren über Probieren“! In der Bedienungsanleitung befinden sich neben umfangreichen Hintergrundinformationen und einer ausführlichen Anleitung, wie man am besten zum Ziel gelangt, diverse kombinierte Einstellungsempfehlungen der Parameter Crossfeed und Angle, welche sich in einer wechselwirkenden Abhängigkeit befinden. Des Weiteren wird das folgende Setting als sinnvolle Ausgangsbasis aufgeführt: Crossfeed: 3, Angle: 30 Grad, Center: -1.2 dB.

Nach langem Herumprobieren und Experimentieren habe ich mich auf exakt diese Einstellung eingeschossen, wobei ich die Center-Funktion in der Matrix meistens deaktiviere. Ich bin mit dieser Einstellung sehr zufrieden, dennoch erinnert mich die ganze Situation ein wenig an den Kauf meines SPL Tube Vitalizers, der einige Jahre zurückliegt. Ich war begeistert vom SPL Stereo Vitalizer MkII-T, den ich seinerzeit exzessiv verwendet habe und wollte das Ganze durch das komplexere Modell, das ich zusätzlich gekauft habe, noch toppen. Es hat nicht sehr lange gedauert um festzustellen, dass die simple und effektive Arbeitsweise mit dem MkII-T einfach nicht zu schlagen ist… Ein ähnliches Gefühl habe ich heute auch bezüglich der simplen und stufenlosen Crossfeed-Funktion des SPL 2Control, welche für meinen persönlichen Geschmack eigentlich ausgereicht hätte.

Wer im Übrigen mehr technische Hintergrundinformationen über die Wirkungweise der Matrix-Paramter und die Problematik des Abhörens über Kopfhörer erfahren möchte, dem kann ich die Lektüre des SPL Phonitor (1)-Testberichtes meines bonedo-Kollegen Mark Ziebarth empfehlen. Seinen Ausführungen ist diesbezüglich absolut nichts hinzuzufügen!

Subjektive Vorteile der Lautsprechersimulation

Vorweg: In keiner Einstellung hatte ich wirklich hundertprozentig das Gefühl, vor Lautsprechern zu sitzen, wobei es dennoch Situationen gab, die dem schon recht nahe kamen. Fakt ist, dass die Lautsprechersimulation negative und unnatürliche Artefakte des Abhörens mit Kopfhörern deutlich abschwächen! Die unnatürliche Im-Kopf-Lokalisation wird gemildert und die überbreite Stereobühne minimiert, wodurch insbesondere die Ortung extrem im Stereopanorama verteilter Signale profitiert. Nuancierte, legitime Abweichungen musikalischer Parameter, wie Timing und Tuning, hart gepannter Gesangs-Dopplungen fallen nicht mehr störend ins Gewicht, wie es auch beim Abhören über Lautsprecher der Fall ist.

Alles wirkt „unaufgeregter“ und natürlicher. Dementsprechend beeinflusst eine derartige Abhörsituation nicht nur rein tontechnische Eingriffe, sondern auch das Editing tendenziell positiv. Die von mir präferierte Einstellung der Matrix-Parameter (siehe oben/ohne Center) empfinde ich als dezent, so dass man sich bei manchen Produktionen fragt, ob die Matrix überhaupt aktiv ist, bei anderen Produktionen oder Mixsituationen wird genau den oben genannten unerwünschten Artefakten entgegenwirkt. Das Resultat ist eine weniger anstrengende, verwirrende und folglich natürlichere Stereoabbildung ohne Klangveränderungen, die das Arbeiten erleichtert und zu einem besseren Arbeitsergebnis führt.

Die Center-Funktion

Dass man diesen Matrix-Parameter per Kippschalter aus dem Signalweg nehmen kann, geschieht anscheinend nicht grundlos. Er dient der Angleichung des veränderten Phantommitten-Pegel des tendenziell verengten Stereosignals und soll dementsprechend der Lautstärkenkontrolle von beispielsweise Leadvocals, Bass und Bassdrum dienen. Allerdings wirkt sich die Anpassung spürbar auf den Gesamtsound aus, insbesondere auf den Raumeindruck. Stereo-mikrofonierte Signale wie Streicher können ihre Wirkung im Gesamtmix verändern. Aus diesem Grund ist die Center-Funktion meines Erachtens ausschließlich zur genannten Pegelkontrole zu verwenden. Im End-Mix ist es sowieso gängige Praxis mit Referenz-Produktionen zu vergleichen, wodurch ich eine derartige Lautstärkenkontrolle nicht als absolut lebensnotwendig erachte. Daher werte ich die Center-Funktion als Bonus-Option.

Weitere Monitorcontroller-Funktionen:

Phasenumkehr, Solo(-In-Place) und Monosummierung adeln den Phonitor 2 zu einem Monitorcontroller professionellem Standards. Die verschiedenen Anwendungsbeispiele böten genügend Stoff für einen separaten Tontechnik-Workshop. Auch die Laterality-Funktion erfüllt ihren Zweck für leicht abgerittene Engineer-Ohren. Zwei Kritikpunkte beziehungsweise Verbesserungsvorschläge fallen mir jedoch zum Thema Monitorcontroller ein:

  1. Weitere Outputs (Stereo, Mono/Subwoofer) wären top. Hier muss man sich gegebenenfalls mit einer passiven Umschaltbox behelfen, denn ein Ausgangspaar ist für Musikschaffende einfach zu wenig.
  2. Eine Aktivitäts-LED der Matrix-Funktion wäre praktisch für den wechselseitigen Betrieb von Kopfhörer und Lautsprecher, damit man nicht unbemerkt mit aktiver Lautsprechersimulation auf den Lautsprechern arbeitet.

Weiterhin möchte ich zu Protokoll geben, dass im Gegensatz zum SPL 2Control die Ein- und Ausgänge lediglich umschaltbar, nicht aber gleichzeitig parallel nutzbar sind.

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