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17.04.2020

Spitfire Audio Symphonic Percussion Professional Test

Kontakt Library

Boom-Tschak

Spitfire Audio, verlässlicher Lieferant von erdig-satten Samples, die insbesondere von Film- und Werbekomponisten geschätzt werden, hat ein weiteres Bundle geschnürt, die „Symphonic Percussion Professional“. Im Bundle befinden sich sowohl allerhand Standards als auch ein paar „Nichtstandards“, die man im symphonischen Kontext eher selten findet. Aber da es nun dieses Paket gibt, muss das ja nicht so bleiben. Was im Einzelnen geboten wird, wie das Ganze klingt und was das Bundle genau kann, soll im Folgenden geklärt werden.

Details & Praxis

Download und Installation

Runtergeladen und installiert wird über die Spitfire-App. Das Bundle besteht aus fünf Einzel-Libraries und liegt insgesamt bei 56,4 GB. Der Download dauert ein bisschen, denn Spitfires Server sind nicht die schnellsten. Sobald alles runtergeladen und installiert ist, kann direkt losgelegt werden. Lediglich die Percussion-Library muss per Native Access registriert werden. Alle andere sind keine Libraries im Sinne des Formats, sondern Kontaktinstrumente – und die laufen auch so.

Gemeinsamkeiten: GUI und Regler

Beginnen wir mit den Gemeinsamkeiten aller Libraries: einem enervierend kleinen GUI.

Um jedes Symbol erkennen zu können, braucht man schon sehr gute Augen. Inhaltlich ist nahezu alles selbsterklärend: hier ein paar Controller, unten die Mikros und da drüben die Artikulationen. Controller gibt es maximal drei: Dynamics – zum Ansteuern der verschiedenen dynamischen Layer, Expression – zum Steuern der Gesamtlautstärke sowie Release. Die Mikroanzahl variiert, je nach Alter der Library. Percussion ist mit drei Mikros offensichtlich die älteste Library: Close, Tree, Ambient. Beim Aluphon kommt das Outrigger-Mikro dazu. Scraped Percussion und das Waterphon Hg20 bringen dann noch mal weitere vier Mikros mit: Close Ribbon, Stage, Mid, Gallery. Artikulationen haben rechts neben ihrem Namen eine Art Blocksymbol. Ist dieses grau, sind die Artikulationen nicht geladen, klickt man es an, wird es schwarz und die Artikulationen sind aktiv.

Die einzelnen Libraries im Detail: Spitfire Percussion

Spitfire Percussion ist mit gut 29 GB die größte Library in der Sammlung. Hier finden sich alle Orchester-Percussion-Standards. Die Ordnerstruktur ist angenehm übersichtlich, es gibt einige Sammel-Patches (Drums High, Drums Low, Toys etc.) und Percussions mit Tonhöhen als Einzelinstrumente (Celesta, Virbraphon, Marimba etc.) Wer RAM sparen möchte, bekommt im Ordner Individual Instruments die Percussions aus den Sammel-Patches auch einzeln. Alle gängigen Artikulationen sind vertreten, teils auch ein paar nicht so gängige, wie z. B. ein Schlägel, der über eine große Trommel reibt und dabei Walgesangartiges erzeugt.

Große Spielereien oder Optionen gibt es hier nicht, alles ist sozusagen Basislager: Standardinstrumente, größtenteils Standardartikulationen, drei Mikros – fertig. Das reicht aber auch. Die Library klingt sehr gut, ein bisschen erdig-rau, wie bei Spitfire üblich, und offensichtlich sehr gut aufgenommen. Solange es nicht total nerdig wird, lässt sich mit dieser Library alles erledigen, was im Percussion-Alltag so anfällt, und das dank der drei Mikros auch ziemlich schnell.

Das Aluphon war ein mir bisher unbekanntes Instrument und im Orchester sucht man es  vergebens. Es handelt sich um eine zweieinhalb Oktaven große Anordnung von Aluglocken, die man entweder mit Mallets oder einem Bogen bearbeiten kann. Der Klang liegt irgendwo zwischen Metallglocke und gedämpftem Glockenspiel. Die Library ist denkbar schlicht gehalten: 7 Artikulationen, Release- und Expression-Regler und ein Fader für automatische Mikroeinstellungen zwischen den Polen Close und Far. Man kann sich die Mikromischung anhand der vier Einzelsignale aber auch selber basteln.

Scraped Percussion

Scraped Percussion, also gekratzte oder geriebene Percussion, findet man als Effekt durchaus im orchestralen Kontext. Erfreulicherweise beschränkt sich die Library nicht auf die dafür üblichen Kandidaten Tam Tam, Becken und Gläser, sondern sie bietet noch ein paar andere Optionen an: Fahrradrad, Eisglocke, Notenständer und Sägeblatt. Das klingt vielversprechend. Das Artikulationsangebot variiert stark und reicht, je nach Instrument, von einer bis zu neun Artikulationen (lang, kurz, mit Sticks, mit Bogen, gerieben, etc.). Außerdem gibt es einen „Instruments Synth“-Ordner, in dem alle Beteiligten durch die ein oder andere Mangel gedreht wurden – ein willkommenes Angebot aus der Abteilung Hybrid, das sich wirklich auszuchecken lohnt.

Hg20

Das Waterphon findet sich im traditionellen Orchester eher selten bis gar nicht, ist aber ein gern gesehener Performer in der Filmmusik, insbesondere im Horror-Genre. Der schneidend- quietschende Ton bedient die Parameter Stress und Angst quasi im Alleingang.

Das Waterphon lässt sich mit Fingern, Mallets oder dem Bogen spielen. Alle drei Arten vereinigt das Hg20 in einem Patch. Interessante Morph-Effekte lassen sich durch den Regler „Water“ herstellen. Der Ton moduliert dann organisch, so als würde man die klingende Fläche verkürzen, indem man sie unter Wasser setzt. Neben drei verschiedenen Preset-Arten (Traditional, Tine, Gamelan) gibt es auch hier wieder einen Synth-Ordner, der auf jeden Fall einen Blick wert ist.

Steel Drums

Die Steel-Drums sind ebenfalls schlank gehalten. Für das traditionelle Instrument gibt es ein Preset mit sieben Artikulationen und fertig. Allerdings ist da auch noch der Ordner eDNA und darin befinden sich, im Dienste der Hybridisierung, noch eine ganze Reihe Presets, alle durch die Spitfire-eigene Synth-Engine gejagt. Einem nächsten Batman, der Steel-Drums, statt Taikos verwendet, steht somit endlich nichts mehr im Weg!

Fazit

Spitfires Symphonic Percussion Professional ist ein Rundum-sorglos-Paket mit allen Standards und vielen willkommenen Ergänzungen. Nicht nur, dass man neben den normalen Instrumenten auch noch ein paar interessante Neuentdeckungen dazubekommt, auch die Synth-Patches machen Sinn und sind vielseitig verwendbar. Klingen tut das alles gewohnt hochwertig und fett, die Handhabung ist einfach und der Preis ist, wenn auch nicht gerade günstig, absolut fair. Außerdem ist jede der hier besprochenen Libraries auch einzeln erhältlich. Wem es also für alle Zeit immer nur um Orchester-Percussions gehen wird, der kann sich auch nur diese besorgen.

  • PRO
  • sehr guter Klang
  • fairer Preis
  • alle Libraries auch einzeln erhältlich
  • einfache Handhabung
  • CONTRA
  • enervierend kleines GUI
  • FEATURES
  • knapp 56,4 GB Content
  • 5 Libraries in einem Bundle
  • Orchester Percussions
  • Aluphon
  • Waterphon
  • teils experimentelle Spieltechniken
  • für manche Instrumente Synth-Patches
  • bis zu acht Mikrophonsignale
  • Systemanforderungen
  • Kontakt Player; Windows 7 oder später (letztes Service Pack, 32/64 Bit), Intel Core Duo oder AMD Athlon 64 X2, 4 GB RAM (8 GB empfohlen); Mac OS X 10.10 oder später (leztes Update), Intel Core 2 Duo, 4 GB RAM (8 GB empfohlen)
  • Preis
  • 549 EUR (Straßenpreis 17.04.20)

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