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14.08.2018

Soyuz SU-023 Bomblet Test

FET-Großmembranmikrofon

Etwas misslungener Name, sehr gelungenes Mikrofon

Das Soyuz SU-023 Bomblet ist ein Studiomikrofon, welches einem Land mit einer langen Mikrofonbautradition entspringt. Nein, es handelt sich nicht um Deutschland, die USA oder Österreich, auch nicht England, Frankreich, Schweden oder Japan. In ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten waren Mikrofone aus Deutschland sehr beliebt (wichtigste Nachfolgefirma: Microtech Gefell, also „Ost-Neumann“) und auch in den Sowjetrepubliken wurden teils sehr gute Mikros gebaut. Das Baltikum wird heute mit JZ Microphones, Violet und Blue assoziiert. Und es gibt natürlich das große Russland. Neben Oktava, bekannt vor allem für das Workhorse-Modularsystem MK-012, ist seit kurzer Zeit besonders Soyuz zu nennen. Dieses Unternehmen hat mit den Großmembranmikrofonen SU-017 und SU-019 sowie dem Kleinmembran-Röhrenmikrofon SU-011 gepunktet.

Jetzt ist ein weiteres FET-Großmembranmikros mit fixer Richtcharakteristik und ohne Pad oder Hochpassfilter auf dem Markt. Dieses Mikro, das Soyuz SU-023 Bomblet, ist optisch etwas zurückhaltender (Danke! Danke, danke, danke!) und preiswerter (Erneut: Danke!) als SU-017 und SU-019. 

Details

Einmal aufregen

So, ich rege mich jetzt einmal richtig auf, dafür mache ich dann aber auch einen Schlussstrich unter das Thema: Der Beiname des SU-023 ist „The Bomblet“, ganz offiziell auf der Website. Mal ganz im Ernst: Was soll der Blödsinn? Ich habe mich schon über Bezeichnungen wie AK-47 echauffiert, aber ein Mikrofon unmissverständlich mit Streubomben (!) in Verbindung zu bringen, ist für mich persönlich ein Grund, das Ding nicht zu kaufen. 

Historisches Vorbild

Das Soyuz SU-023 Bomblet hat laut Unterlagen das LOMO 19A19 zum Vorbild. Dieses russische Nieren-Kondensatormikrofon scheint die Geister zu spalten. Es ist aber durchaus selten und wird gerne mit dem sagenumwobenen AKG C12 in Verbindung gebracht – aber ich habe das russische Mikro noch nirgendwo in echt gesehen, geschweige denn gehört. 

Geradliniger Aufbau, dem Soyuz-Design treu

Das Soyuz-023 ist einfach gestrickt: Im Lollipop-Design der Großmembrangeschwister SU-017 und SU-019 thront eine 33-mm-Nierenkapsel auf dem Body. Diese ist, anders als die randkontaktierten Kapseln des Lomo 19A19 und der im C12 und frühen C414 EB verbauten CK12, mit Mittenkontaktierung ausgestattet. Eine zweite, komplett unbeschichtete Membran auf der Rückseite verzögert das von dort eintreffende Signal, damit die Nierencharakteristik erreicht werden kann. Die gesamte Kapsel kann vom Korpus abgeschraubt werden, sodass ein mitgeliefertes Pad zwischengesetzt werden kann – wie man es unter anderem von den beliebten Oktava-Kleinmembranern kennt. Das ist lustig, nervt bisweilen aber im Betrieb (Mute, Phantom ausschalten, warten, schrauben, Phantom an, Mute wieder aus …).

Toroid-Übertrager

Ein wichtiges, soundgebendes Element ist sicher der Übertrager in Ringtrafo-Bauweise aus eigener Produktion. Diese Toroide sind generell zwar keine Seltenheit, es werden jedoch im Regelfall andere Bauformen als Mikrofon-Trannys eingesetzt. Am Ausgang des phantomgespeisten Studiomikrofons liegt am XLR ein Signal mit 190 Ohm Impedanz an.

Das Soyuz SU-023 besitzt einen Feldleerlauf-Übertragungsfaktor von nur 10 mV/Pa und ein Eigenrauschen von 18 dB(A), dafür aber einen maximalen Schalldruckpegel von 140 dB SPL. 30 Hz bis 18 kHz lautet der Frequenzgang. Das ein halbes Kilogramm schwere Mikro wird ausgeliefert in einer kleinen Holzbox und mit einem einfachen Halter.

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