Mikrofon
Test
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10.08.2015

Soyuz SU-017 Test

Röhren-Kondensatormikrofon

Luxusrusse

Soyuz aus Russland ist ein brandneuer Mikrofonhersteller - und mit dem Röhrenmikrofon SU-017 haben wir eines der beiden Mikros für einen Testbericht erhalten. Nun sind die Zeiten längst vorbei, in denen man die Hersteller von Kondensatormikrofonen an zwei Händen abzählen konnte. Deutschland, Österreich, später Schweden und Japan, aber eben auch Russland waren die Herstellungsländer von kapazitiven Schallwandlern, lange bevor in größerem Stil die USA oder gar China auf den Plan traten.

Die Industrie der zentralrussischen Großstadt Tula in der gleichnamigen Oblast ist für die Herstellung von Waffen, Samowaren und eben Mikrofonen bekannt. Dort wurden schon ab 1935 Mikros gefertigt, von einem Unternehmen, welches später mit seinen Oktava-Mikros bekannt wurde - und es bis heute ist, wie das mittlerweile legendäre MK-012 beweist. Während der Zeit des Kalten Krieges waren Mikrofone aus Russland zwar zuverlässig, gut klingend und beliebt, doch als erste Wahl für Recording-Studios, TV- und Radio-Stationen galten die R.F.T.-Mikrofone des Neumann-Nachfolgeunternehmens im thüringischen Gefell.

Details

Kapsel mit der magischen Sieben

Nicht nur in damaligen Staaten des Warschauer Pakts hat der Name Neumann eine besondere Anziehungskraft auf Tonschaffende. Und dort wiederum sind es U 47 und U 67, die zu Recht einen grandiosen Ruf haben. Beim Kapseldesign haben Soyuz sich an die mittenkontaktierte, verschraubte Neumann K 67 gehalten, nicht an die ältere K 47 oder gar die M7, die mit geklebter PVC- statt Mylarmembran arbeitet. Und so ist eine nur frontseitig aktivierte 34mm-Kapsel mit für vordere und hintere Membran gemeinsamer Gegenkathode mit den typischen Resonanzlöchern verbaut worden. Ganz recht: Das Mikrofon hat eine feste Richtcharakteristik, und zwar die Niere.

Russische Technik auch im Inneren

Als Röhre ist die selten in Mikrofonen verbaute russische 6J1P am Werk, der benachbarte Ausgangsübertrager ist ebenfalls aus russischer Produktion. Er ist gekapselt und gegen Einstreuungen gesichert. Ganz offensichtlich ist man beim Design des Soyuz SU-017 bemüht gewesen, den Signalweg kurz und einfach zu halten, denn es ist erstaunlich leer im Body des Mikros. Pad oder Hochpassfilter findet man nicht, genauso wenig natürlich eine Patternumschaltung. Allerdings ist wohl geplant, dass zukünftig verschiedene Wechselkapseln angeboten werden, welche dann offenbar aufgeschraubt werden.

Messing - und zwar viel

Eine Mikrofonmanufaktur ist zu einem nicht unerheblichen Teil ein metallverarbeitender Betrieb, so auch Soyuz. In Tula, wo das moderne Werk steht und Fachkräfte in ausreichender Zahl vorhanden sind (und nach Aussage eines der Eigner auch sehr fair bezahlt werden), werden alle Metallteile des SU-017 gefertigt. Und das sind viele - und massive: Schraubt man etwa den Fußring aus Messing ab, fällt auf, dass er wirklich viel wiegt, da er aus einem Block gedreht wurde. Auch das Skelett des Bodys ist von rustikaler Wuchtigkeit, an Material wurde nicht gespart. Das Mikrofon wiegt dadurch insgesamt knapp ein Kilo.

Endkontrolle vom Designer des SU-017

Zum Lieferumfang gehört neben einer Spinne klassischer Bauart und passender Farbgebung eine Holzschatulle mit Magnetverschlüssen für das Mikrofon selbst, ein Multipol-Kabel und natürlich ein Netzteil. In diesem ist ein großer Ringkerntransformator verbaut, aber Schaltfunktionen gibt es auch hier keine. Neben dem Datenblatt, das dem Mikrofon unter anderem eine Empfindlichkeit von 16 mV/Pa und ein Eigenrauschen von 20 dB(A) bescheinigt, liegen bebilderte und unterschriebene Karten der Assembly-Dame ("Olga Andreev") und des Designers ("Vladimier Seleznev") bei, der auch gleich die Endkontrolle übernommen hat. Auch ein individueller Frequenzgang gehört zu den Unterlagen. Hier erkennt man typische, aber insgesamt eher leichte Nichtlinearitäten, wie einen kleinen Dip unterhalb von 10 kHz und eine leichte Erhöhung kurz darüber.

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