Hersteller_Sontronics
Test
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18.09.2017

Praxis

Ein Riesending von einem Mikrofon

Kleine Hände? Dann bitte sofort das Weiterlesen einstellen: Das Sontronics Solo ist wie seine beiden Geschwistermikrofone ein ganz schöner Brecher. Wer ein Shure SM58 oder gar ein Beyerdynamic M88 gewohnt ist, der wird sich wundern. Das schon am Fuß dicke Mikrofon verfügt über eine nur leichte Konusform und einen eher unauffälligen Korbübergang. Dadurch passiert es schnell einmal, dass man durch „Cupping“ die Rückseite des Wandlers zuhält und somit Einfluss auf die Richtcharakteristik nimmt – und gleichzeitig die eigentlich hervorragende Rückkopplungsfestigkeit verschlechtert. Nun, wenn es groß ist, ist das etwas grobschlächtig wirkende Solo vielleicht dafür besonders leicht? Nix da: Es wiegt mit fast 800 Gramm fast so viel wie zweieinhalb Shure SM58. Also gibt es Muckitraining beim Live-Gig oder einen häufigen Verbleib des Sontronics in der großen Mikrofonklammer. Diese übrigens ist einfach und wirklich höchst funktionell: Das Mikrofon ist schnell und sicher untergebracht und bei Bedarf genauso schnell wieder befreit. Und sollte man es doch in der Hand halten: Die Handling Noises sind erfreulicherweise sehr gering!

Eher bassarm

Bei „braven“ Besprechungsabständen von zehn bis 20 Zentimetern wirkt das Solo ein wenig bassarm. Im Gegenzug jedoch ist es bei „Kontaktbesprechung“, also mit dem Lippen am Grill, durchaus ausgewogen. Für mikrofonunbedarfte Sänger oder Sprecher, die sich das Ding nach ein paar Minuten vor den Hals oder die Brust statt vor den Mund halten, ist das nichts, da der Pegel aufgrund der Supernierencharakteristik schnell einbricht. Gut ist aber, dass das Pattern einen recht zahmen Übergang in den Höhen gewährleistet und somit gut einschätzbar bleibt. Schräge Besprechung funktioniert also auch gut, wenngleich dann die eigentlich sehr gute Poppunempfindlichkeit leidet.

Die Bassarmut lässt das Solo einigermaßen frisch wirken, doch vollkommen begeistert bin ich davon nicht: Ich empfinde Stimmen als recht bissig, vor allem dann, wenn der Sänger oder Sprecher eine sehr „deutsche“ Aussprache besitzt, also mit sehr kurzen und spitzen S-Lauten. An die Natürlichkeit der Höhen, die andere Tauchspulenmikrofone liefern, kommt das Solo nicht heran, ich empfinde es als ganz leicht blechern. Das ist keine Katastrophe, aber beispielsweise das SM58 ist diesbezüglich deutlich angenehmer – und kostet ungefähr den gleichen Betrag. Was das Sontronics Solo allerdings gut macht, ist die Auflösung, denn so manches eher preiswerte Mikrofon verschleift Details deutlich stärker.

Nur Bühnen-Vocals? Nein, auch an Instrumenten im Studio!

Auch wenn es der Name des Sontronics-Mikros und meine einleitenden Sätze zu diesem Testbericht so erscheinen ließen: Es ist keineswegs so, dass das Solo nur als Vocal-Mikrofon taugt. Selbst Sontronics erweitern in ihrem Webauftritt den möglichen Einsatzbereich und ich würde jedem User anraten, diesen Anregungen zu folgen. Denn an Toms und Gitarrenamps weiß das Mikrofon durchaus zu überzeugen. Eine Snare wird schnell zu bissig, für Blechblasinstrumente fehlt dem Mikrofon ein wenig Natürlichkeit in Präsenzen und Höhen. Und als Instrumentenmikrofon genutzt, kann man das Halten des Solo ja sowieso dem Mikrofonständer überlassen.

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