Hersteller_Sonor
Test
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28.03.2015

Praxis

Leichtes Handling, ob offen oder „vintage-rumpelig“ gestimmt

Als bekennender Vintage Trommler, der schon seit über zwanzig Jahren ausschließlich auf uralten und leicht klapprig wirkenden Schlagzeugen konzertiert, genieße ich durchaus schon beim Aufbauen und Einrichten die kaum zu verleugnenden Vorzüge eines neuwertigen Qualitätsproduktes. Alles wirkt so stabil und lässt sich komfortabel und reibungslos bedienen, bombenfest fixieren, und selbst das Stimmen dauert nur Sekunden. Doch anhaltende Freude kann es nur geben, wenn auch der Klang die Sinne verwöhnt. Frisch und knackig gestimmt gibt das Three 22 Set eine klare Antwort, es klingt einfach nur gut.

Die dünnen Kessel liefern eine moderate, aber vollkommen ausreichende Lautstärke, und selbst im hohen Stimmbereich ausgesprochen viel Wärme und Resonanz, denn die runden Gratungen halten sogar bei neuen Fellen die Obertöne im Zaum und geben dem Grundton der Kessel den nötigen Raum. Der Anschlag kommt eher knuffig als knackig daher, und schon die leisesten Berührungen, besonders mit weichen Mallets oder Broomsticks ausgeführt, bringen die Trommeln in wohlige Schwingungen. Das Merkmal „knuffig“ gilt insbesondere für die Bass Drum, die wenig Kick, aber ganz viel Bumm liefert. Etwas höher gestimmt entwickelt auch sie einen runden Ton, der aber durch die Art der Befellung weniger präsent ist als bei den Toms. Die Powerstroke 3 Felle mit eingebauten Dämpfungsringen schränken die klanglichen Möglichkeiten der grossen Trommel im Hinblick auf einen offenen Sound dann doch etwas ein. Andererseits machen sie einen sofortigen Einsatz ohne zusätzliche Dämpfungsmaßnahmen möglich. Werden die Toms am Rand mit einem kleinen Stück Stoff belegt, ergibt sich zusammen mit der Bass ein toller, trockener Rumpelsound, und zwar im positivsten „Vintage“-Sinn des Wortes. Für die Soundfiles habe ich - passend zur Materie - eine ältere Gretsch 14" x 6,5" Maple Snare Drum aus dem Jahrgang 1941 benutzt. Und so klingt das ganze:


Ausgewogene Klänge auch bei kräftigerer Bearbeitung

Diese klassische 22“, 13“, 16“ Konfiguration besticht sowohl im mittleren als auch im unteren Stimmbereich mit Wärme und mächtig viel Bauch, klingt vollmundig und ausgewogen, aber nie aggressiv oder unkontrollierbar wummerig. Die Fußpauke brilliert mit wirklich tiefen Frequenzen und verdient das Prädikat „fett“ genauso wie die Toms, die auch in diesem Tuning so sensibel reagieren, dass es eine wahre Freude ist. 

Selbst bei kräftiger Bearbeitung klingt dieses Schlagzeug ausgewogen und überzeugend und behält seinen warmen Charakter bei. Gerade die Attribute „trocken“ und „warm“ werden ja oft bemüht, wenn es um den Versuch geht, den Klang von Vintage Schlagzeugen zu beschreiben, und genau das lässt sich mit der Sonor Vintage Series perfekt umsetzen. Mindestens genauso zufrieden werden diejenigen sein, die alte Drumsets für ihren offenen und vollen Klang bei moderater Lautstärke lieben. Unabhängig von der Bedeutung des vielzitierten Modewortes kann man diesem Set sowohl im Hinblick auf die Verarbeitung als auch klanglich höchste Qualität bescheinigen, was am Ende möglicherweise mehr Wert ist als ein nachweislich hohes Alter oder betörende Glitzerfolie.

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