Hersteller_Shure Mikrofon
Test
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27.01.2012

Praxis

Ein Allrounder, perfekt für Rock-Gitarren und Snare

Nun, was soll ich sagen? Besonders außergewöhnlich oder aufregend ist der Sound des Shure SM57 nicht. Kunststück, denn immerhin hat der durchschnittliche Erdenbürger insgesamt schon geschätzte zwölf Monate SM57-Signale zu Ohren bekommen. Übertrieben? Keineswegs, denn wenn in einem Popsong zwei gedoppelte Gitarren, die Snare und drei Toms mit diesem Mikrofon aufgezeichnet wurden, kommt man alleine schon auf 25 Spurminuten. Um beim Verstärker zu bleiben: Anhand der Beispielfiles lässt sich erkennen, dass das schlanke Shure ein etwas hochmittig abgestimmtes Allroundmikrofon ist, besonders beim Chords-File. Im Vergleich zum SM58 klingt es etwas weniger voluminös und gedrungen. Dem Gitarrensound tut das in der Regel sehr gut – für “Classic Rock”-Gitarren ist das absolut perfekt.

Beim Griff in die musikalische Werkzeugkiste entpuppt sich das SM57 als Universaltool

Mit diesem Werkzeug bekommt man ohne sonderliche Umstände das, was man an der Position vor dem Cabinet erwartet. Das Wort “Werkzeug” wähle ich nicht unbedacht, denn das beschreibt das Mikrofon und seine Aufgaben sehr gut. Dass optische Attribute oft meilenweit vom wirklichen Klangcharakter entfernt sind, weiß jeder, der den Begriff “Tiefbass” mit grazil aussehenden Kleinmembran-Druckempfängern und dicken, bulligen Vintage-Großmembrankondensern in Verbindung bringt. So auch hier: Ich halte das 57 für eine verdammt gute Option am Bassamp – hört selbst:

Das SM im Namen wird gerne schon mal mit Snare-Mikrofon gleichgesetzt

Es gibt sicher Leute, die behaupten, dass eine Snare und ein SM57 so zusammengehören wie ein Rib-Eye-Steak und Heinz-57-Sauce. Das so absolut zu unterschreiben, ginge mir ein wenig zu weit, doch keine Frage, es passt natürlich hervorragend. Hi-Hats werden zumindest in Studiosituationen eher mit Kondensern aufgezeichnet, doch gerade bei allzu braven Instrumenten kann ein 57 gute Dienste leisten – wenn auf die absoluten Höhen und filigrane Abbildung verzichtet werden kann (was häufig zutrifft!). Auch an der Bassdrum liefert es bessere Ergebnisse, als so mancher Techniker es sich denken mag. Trotzdem würde ich es an dieser Stelle eher in Ausnahmefällen einsetzen.

Auch beim Gesang macht das SM57 eine gute Figur

Das tendenziell etwas kratzige Mikrofon verfügt zwar nicht über die übliche Ausstattung für die Besprechung mit der menschlichen Stimme, doch auch diese Aufgabe kann es ohne Scham übernehmen. Ein Beispiel für einen Sänger, der oft mit dem 57 von den Bühnen dieser Welt seine zeitlose Musik in die Zuschauermenge hustet, ist der gute alte Lemmy Kilmister. Allerdings findet man auch Bildmaterial von ihm mit SM58 oder dem Shure Beta 57. Möglicherweise ist es dem Leder- und Nietenmann auch ziemlich egal, solange er im Backstage eine Pulle Gin stehen hat. Vielleicht ist auch der oft extrem steile Winkel des von oben herab gerichteten Mikrofons nicht nur seiner Gesangstechnik geschuldet. Immerhin handelt man sich bei frontaler Besprechung mit geringem Abstand schnell Probleme mit Popplauten ein. Unsere Sängerin hat sich strikt geweigert, den Motorhead-Mastermind nachzuahmen, aus diesem Grund (und natürlich, um die Vergleichbarkeit mit den anderen Mikros zu gewährleisten) gibt es hier das Standard-File im Vergleich.

Signal? Egal!

Der Song, in dem sämtliche Signale mit einem SM57 aufgenommen wurden, macht insgesamt einen ausgewogenen Eindruck, was sehr für die Allroundeignung des Mikrofons spricht. Allzu aggressiv und präsent klingt es nicht, wirkliche Löcher oder Überbetonungen sind ebenfalls nicht auszumachen. Ein bisschen wenig Bauch und einen winzigen Einbruch in den Höhen/Hochmitten könnte man konstatieren, allerdings in marginalem Umfang. Ein schönes Gegenstück liefert an dieser Stelle übrigens das SM58, welches in genau diesen Frequenzbereichen leichte Fettpölsterchen ansetzt. Live also die Snare und die Gitarren mit dem 57 und den Gesang mit dem 58 zu miken ist oftmals eine gelungene Kombination!

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