Hersteller_Sennheiser Mikrofon
Test
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27.01.2012

Sennheiser MD 21 Test

Tauchspulenmikrofon-Klassiker

Knubbelkugel

“Druckempfänger sind immer Kleinmembran-Kondensatorkapseln.” Ach ja? Völliger Käse! Das Sennheiser MD 21 ist ein Tauchspulenmikrofon mit großer Membran- oberfläche und “echter” Kugelcharakteristik – und ein Mikro, das deutlich im Schatten seiner dreistelligen Kollegen MD 421 und MD 441 steht. Das finde ich äußerst gemein, schließlich leistet das Mikrofönchen, das fast in die Faust passt, schon seit 1954 Tontechnikern, Musikern, Reportern und letztendlich auch den Konsumenten hervorragende Dienste!

Wer in einer der zahlreichen History-Sendungen Franz Josef Strauß in Schwarz-Weiß von der Atomtechnik schwärmen sieht, den berühmten Hilferuf der Studenten des Prager Frühlings oder Minister, Sportreporter, Gesprächsrunden-Moderatoren: Die markante und in den 1950ern sicher topmoderne Flosse des MD 21 ist meist mit im Bild. Nicht trotz, sondern gerade wegen seines eher seltenen Funktionsprinzips ist das 21 eines der Spezialwerkzeuge im Tonstudio überhaupt. Dass es von Sennheiser stur als “Reportagemikrofon” bezeichnet wird, darf also getrost ignoriert werden.

Details

Klassisches Reportermikrofon

Zugegeben, das Prinzip eines Tauchspulen-Druckempfängers mit der sich daraus zwingend ableitenden Richtcharakteristik Kugel ist wirklich ungewöhnlich. Auch zugegeben: Diese Ungewöhnlichkeit hat ihre Gründe. Doch für manche Aufgaben ist eben eine eher kauzige Speziallösung das richtige Mittel. Außerdem ist es manchmal durchaus sinnvoll, sich vom klanglichen Standard ein wenig abzuheben, oder? Dabei ist das MD 21 nun wirklich nicht der Yeti, sondern hat durchaus Verwandtschaft. Das RFT Funkberater PGH beispielsweise ist ein geschätztes Mikrofon dieser Bauart, das in der ehemaligen DDR hergestellt wurde und auch heute noch zu eher moderaten Preisen auf dem Gebrauchtmarkt den Besitzer wechselt. Audio-Technica fertigt seit Jahren das Reportermikro AT 8004, Beyerdynamic das M-58 und AKG das D 230, allesamt Mitglieder dieser Kategorie.

Unempfindlich gegen Körperschall sowie Popp- und Windstörungen

Das Gehäuse des Sennheiser MD 21 ist im Wesentlichen ein unüblich geformter Metalltubus mit einer Finne. Inzwischen hat eine XLR-Buchse den früheren Kleintuchel-Schraubanschluss ersetzt. Ein Gewinde an der Unterseite dient der Befestigung, verhindert allerdings, dass das Mikrofon geneigt oder in eine Mikrofonklammer gesetzt werden kann. Von Kopf bis Fuß misst die aktuelle Version 13,7 cm, das auf den Bildern zu erkennende ursprüngliche 2er ist noch etwas kürzer. Die heutige Version verfügt über einen etwas aus dem Gehäuse herausstehenden Metalldrahtkorb mit mittig aufgebrachtem Sennheiser-Logo. Neueren wie älteren Modellen ist die große Membran gemeinsam, hinter der ein (fast) eingeschlossenes Luftvolumen liegt. Dadurch reagiert das Häutchen nicht nur auf den Druckgradienten, sondern auch auf Veränderungen des Umgebungs-Luftdrucks. Und Druckempfänger haben (bis auf die Ausnahme PZM) immer die Richtcharakteristik Kugel. Zu den Eigenschaften dieses Empfängerprinzips zählt neben dem ausbleibenden Nahbesprechungseffekt auch eine nur geringe Anfälligkeit gegenüber Popplauten oder Griffgeräuschen. Auch damit erklärt sich übrigens die hervorragende Eignung als Reportagemikrofon.

Ein Blick in den Frequenzgang zeigt ein recht lineares Verhalten bis annähernd hinauf zu 2 kHz, von dort an geht es deutlich nach oben zu einem Peak bei fast 8 kHz. Oberhalb von 15 kHz macht die Frequenzgangkurve dann “den Abgang”, sodass Sennheiser als obersten Grenzwert 18 kHz angibt. Unten stehen 40 Hz in den Spezifikationen. Mit 1,8 mV/Pa liegt der Übertragungsfaktor in einem üblichen Bereich, sonst gibt es eigentlich nichts Relevantes über das Mikrofon zu berichten. Das gilt natürlich nur für Technik und Äußeres, denn ab jetzt geht es primär um unser eigentliches Thema, den Klang!

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