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Test
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07.08.2013

Sennheiser e 914 Test

Kleinmembran-Kondensatormikrofon

Die Evolution liebt ihre Kinder

Das Sennheiser e 914 im bonedo-Test - Das Sennheiser e 914 gehört zur Evolution-Serie des traditionsreichen Unternehmens. Diese Serie feiert mit zahlreichen Mikrofonen grandiose Erfolge, denn die Mikrofone gelten als zuverlässig, gutklingend, langlebig, angenehm im Preis und werden – keine Selbstverständlichkeit unterhalb des Luxussektors – in der Nähe von Hannover in Deutschland gefertigt.

Natürlich sitzt bei Sennheiser keine Armada an Ingenieuren in weißen Kitteln an Werkbänken aus Eichenholz, die jedes Mikrofon in Handarbeit zusammensetzt: Im niedersächsischen Wedemark werden in einer hochspezialisierten Produktionsstraße vollautomatisiert Schwingspulen gewickelt, auf Membrane geklebt und alle weiteren Schritte erledigt, die zur Herstellung eines Mikrofons notwendig sind. Auch unsere beiden Kleinmembran-Kondensatormikrofone erlebten ihre Geburt in einer derartigen Maschine. Wir haben ein Stereopärchen e 914 zum großen bonedo-Testmarathon gebeten. Sowohl Kleinmembran-Kondensatormikrofonen als auch Hannoveranern sagt man ja gerne unprätentiöse und bescheidene Charaktereigenschaften nach. Gehören auch die Kleinmembraner aus dem Umland von Hannover zu dieser Spezies?

Details

Nierenkapsel in Elektrettechnik

Die Kondensatorkapsel in den Sennheiser e 914 bezieht ihre Polarisationsspannung nicht aus der Phantomspeisung, sondern aus der Elektret-Backplate, die permanent das Kondensatorprinzip aufrecht hält. Dennoch wird die 48-Volt-Speisespannung eines Mikrofonvorverstärkers benötigt, um den Stäbchen Leben einzuhauchen, da der Impedanzwandler, der für die 100 Ohm am Ausgang sorgt, aktiv betrieben wird. Die doppelten Schallschlitze an der Flanke des Mikrofons lassen vermuten, dass es sich um eine stärker richtende Charakteristik handelt als die Niere, doch dem ist nicht so: Das Polardiagramm zeigt ein recht lang frequenzstabiles Cardioid-Pattern und nicht etwa Super- oder Hyperniere.

Pad, Roll- und Cut-Off

Zwei Drehschalter, die dank Schlitz zum Beispiel bequem mit dem Leatherman-Schraubendreher bedient werden können (mit etwas Geschick auch per Finger), aktivieren jeweils zweistufig die Vordämpfung und die Filter. Das Pad kann mit 10 oder 20 dB Dämpfung dafür sorgen, dass der 0,5%-Grenzschalldruckpegel des nur 7 mV/Pa sensiblen Mikrofons von 137 auf bis zu 157 dB SPL steigt – in diesem Fall sinkt die Empfindlichkeit auf Tauchspulenmikrofon-Niveau: 0,7 mV sind es dann.

Bei den Filtern ist die Sache etwas komplizierter, aber nicht weniger sinnvoll: In einer Stufe, "Roll-Off" bezeichnet, verringert ein einpoliges Hochpassfilter den Bassgehalt des Signals bei einer Grenzfrequenz von 130 Hz, die dreipolige Version (also mit 18 dB pro Oktave) greift mit 85 Hz deutlich weiter unten und trägt in den Unterlagen und Spezifikationen die Bezeichnung Cut-Off.

Viel Bass, wenig Air – zumindest auf dem Papier

Ohne Beeinflussung durch eine der beiden HPF-Schaltungen liegt die Dämpfung des Frequenzgangs selbst bei 40 Hz noch bei etwa 0 dB, bassarm ist das Sennheiser-Mikrofon also beileibe nicht. Mit einer äußerst sanften Schulter, die ab etwa 3 kHz auffällig wird, endet die bis dahin herrschende Linearität des Frequenzgangs, um bei 6 kHz Mittenfrequenz in einer leichten Überhöhung zu münden. Nach einem leichten Einbruch zwischen 5 und 10 kHz folgt bei etwa 12 kHz ein deutlicher Boost, dessen Flanke zu 20 kHz abfällt und dort mindestens 6 dB Verlust gegenüber dem Pegel bei 1 kHz hat. Sennheiser gibt den Störschall gehörangepasst mit 19 dB an.

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