Bass
Test
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25.04.2017

Schack N-Finity Test

Fünfsaitiger E-Bass

Cooler Individualist!

Die Arbeit als Tester bei einem Fachmagazin macht immer dann ganz besonders viel Spaß, wenn man Sahnestückchen wie dieses in die Hände bekommt: die Rede ist vom brandneuen Modell der hessischen Edelbassschmiede Schack Guitars! Nachdem es einige Jahre ruhig um die Firma war, hat derweil Firmengründer Andy Schack sein Talent an Sohn Nico weitergegeben. Der Sohnemann ehrt das "Erbe" - wagt es aber auch, neue Wege zu gehen. Dies zeigt sich einmal mehr anhand des mir vorliegenden Prototypen, der auf den Namen "N-Finity" hört. Ganz dem aktuellen Trend entsprechend, ist dies ein Singlecut-Modell. Und die Besonderheit: es gibt bislang tatsächlich nur dieses eine Exemplar weltweit! Unser heutiger Testkandidat zielt mit einem recht stattlichen Preis von 4.590,- eher auf den gesetzten Profi sowie natürlich jene Bassisten, die deutsche Handarbeit zu schätzen wissen (und bezahlen können!). Die Produkte der hiesigen Konkurrenz sind bekanntlich auch "nicht ganz ohne" - mit seinen Bässen reiht sich Nico Schack in die illustre Riege deutscher Edelbassbauer wie Marleaux, LeFay, Ritter, Human Base etc. ein. Ich bin sehr gespannt, wie sich der N-Finity in dieser absoluten Oberliga schlägt!

Details

Der Aha-Effekt beim Auspacken ist schon einmal gegeben: ein wirklich cool designter Bass kommt da aus dem hochwertigen Mono-Gigbag zum Vorschein - tadellos verarbeitet, mit sehr viel Liebe zum Detail! Für den Korpus wurde feinstes geflammtes Ahorn gewählt, welches die edle Richtung schon mal vorgibt. Als Lackierung wurde eine Farbmischung aus dunklem Rot bis Lila gewählt, das sich "satin purple" nennt und matt aufgetragen wurde. Diese Oberfläche fühlt sich absolut super an und sieht auch umwerfend gut aus!

Etwas irritierend ist für mich der angebrachte Gurtpin am oberen Horn. Dieser sitzt nicht wie üblich oben an der Zarge, sondern auf der Korpusrückseite. Der ermüdungsfreie Tragekomfort ist auf jeden Fall gewährleistet, allerdings drückt der Gurtpin beim Spielen im Sitzen ohne Gurt etwas unangenehm gegen den Körper.

Das untere Korpushorn ist mit seiner Krümmung und Länge sehr ausladend nach oben hin gestaltet. Optisch ergänzt sich das gut mit dem langgezogenen Singlecut-Horn, jedoch beim Spielen in ganz hoher Lage (etwa ab dem 17. Bund) stoße ich doch ab und zu mal dran, was unschön meinen Spielfluss behindert - und ich habe keine übergroßen Hände! Nachdem ich hier aber einen Prototypen in Händen halte, hoffe ich natürlich gehört zu werden - eventuell mag Nico da noch einmal drüber schauen!

Der einteilige Hals wurde wie der Body aus geflammten Ahorn gefertigt und mit dem Korpus verleimt. Wer sich ein wenig mit dem Thema Bassbau beschäftigt hat, der weiß, dass eingeleimte Hälse tatsächlich nicht ganz so einfach zu bauen sind. Im Prinzip hat man beim Arbeitsprozess nur eine Chance, den Hals richtig zu setzen - das muss dann passen!

Das Kopfplattendesign ist bekanntlich auch immer ausschlaggebend für die persönliche Note des Erbauers, und die ist beim N-Finity für meinen Geschmack sehr gelungen: der Headstock ist weder zu groß, noch zu klein und besitzt Schwung, ohne klobig zu wirken.

Die Kopfplatte wurde in Farbe und Maserung ganz im Anklang an das Korpusholz gehalten, was ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Die Tuner-Anordnung ist typisch für Schack, nämlich 2:3. Auf der linken Seite befinden sich zwei Stimmwirbel für die B-und E-Saite, und auf der rechten Kopfplattenseite die drei Tuner für die A-, D- und G-Saite - genau anders herum, als die meisten anderen Hersteller dieses Feature einsetzen.

Nico Schack setzt auf die Nullbund-Variante und führt die Saiten danach über einen Ebenholzsattel zu den Stimmwirbeln. Da gespielte Leersaiten immer etwas offener klingen als gegriffene Töne, liegt der Vorteil des Nullbundes auf der Hand: Nachdem bei einem Bundbass der Ton ja immer am Bundstäbchen selbst abgegriffen wird, soll mit dem Nullbund der Klang der Leersaiten an die gegriffenen Töne angeglichen werden.

Den Zugang zum Halsstab finde ich am Übergang des Halses zur Kopfplatte. Um die Halskrümmung einstellen zu können, muss jedoch zuerst die A-Saite etwas gelockert werden, ansonsten kommt man leider nicht an die Schraube heran, die das massive Metalldeckelchen fixiert. Diese Lösung finde ich persönlich immer etwas umständlich: Um im hektischen Livebetrieb schnell agieren zu können, würde ich das kleine Deckelchen wahrscheinlich gar nicht mehr drauf schrauben, was aber wiederum auf Kosten der Optik geht.

Das tiefschwarze Ebenholzgriffbrett unterstreicht den edlen Eindruck, zumal auch keine Inlays oder Dots eingesetzt wurden. Lediglich an der Flanke wurden zur Orientierung Dots aus Perlmut eingearbeitet. Auf Kundenwunsch ist es aber natürlich auch möglich, sich für sein Trauminstrument alle erdenklichen Griffbretteinlagen machen zu lassen, schließlich ist jeder Schack-Bass ein Unikat und entsteht im intensiven Austausch mit dem Kunden.

Die mittelstarken Bundstäbchen wurden sauber in das Griffbrett eingearbeitet. Das obere Singlecut-Horn hat Nico Schack sehr geschmackvoll gestaltet; es liegt für mich vom Design her irgendwo zwischen einem LeFay Capone und einem Marleaux M-Bass. Auf der Rückseite wurde eine große Aussparung entlang des Singlecut-Paddels gefräst, sodass auch die ganz hohen Lagen problemlos erreichbar sind.

Das Finish der gesamten Hardware wurde in mattem Silber gehalten. Die Tuner stammen aus dem Hause Schaller, und zum Zwecke der Gewichtsersparnis wurde die sehr leichte Kunststoffvariante gewählt. Für die Brücke zeichnet der Hersteller ETS verantwortlich - da gehen erfahrungsgemäß alle Einstellarbeiten locker von der Hand, denn dies ist ohne Frage Hardware auf höchstem Niveau.

Besonders erwähnen muss ich natürlich die individuelle Saitenführung. Die Strings laufen zuerst über die Saitenreiter und die gemeinsame Brücke, um danach jedoch einzeln im Korpus versenkt zu landen. Das ist wirklich klasse gemacht und unterstreicht einmal mehr die ausgefuchste Handwerkskunst, die sich hinter derartigen Features verbirgt.

Wer schon mal einen Schack-Bass spielen durfte - sei es nun ein ganz alter oder auch ein neuerer - der musste sich zwangsläufig mit dem Thema der programmierbaren Elektronik auseinandersetzen, denn dies ist das Herzstück eines jeden Schack-Basses. Mit gleich zwei Batterien wird die hauseigene BC-3P-Elektronik auf 18 Volt betrieben.

Dahinter verbirgt sich ein semiparametrischer Dreiband-Equalizer, der für jeden Frequenzbereich mit einem Vierfach-DIP-Schalter ausgestattet ist und im Elektronikfach ganz nach dem persönlichen Geschmack vorprogrammiert wird. Hat man die gewünschten Frequenzen gefunden, können diese mit den Potis vorne auf dem Korpus bearbeitet werden.

Eine ausführliche Anleitung wird selbstredend mitgeliefert, aber der erste Blick darauf darf einen nicht zurückschrecken lassen! Mit diesem Tool lässt es sich nämlich durchaus sinnvoll arbeiten, und eigene Sound-Vorstellungen lassen sich wunderbar umsetzen, indem man einfach für jeden Bereich seine favorisierte Eckfrequenz wählt.

So stehen für den Bassbereich allein 13 (!), für den Höhenbereich acht, und für den komplexen Mittenbereich abermals 13 Frequenzen zur Auswahl! Darüber hinaus kann beim Mittenbereich sogar Einfluss auf die Filtergüte (der sog. Q-Faktor) genommen werden, also wie breitbandig eine Frequenz bearbeitet wird. Die Bass-, Mitten- und Höhenfrequenzen wurden sinnvoller Weise alle so gewählt, dass es keine Überschneidungen der Bänder gibt. So wird beim Bass der Bereich von 100 bis 300 Hz vorgegeben, die Mitten beginnen bei 500 Hz und reichen hinauf bis 1,5 kHz, und danach schließen die Höhen im Spektrum von 2 bis 8 kHz an.

Angesichts dieser Fülle an Optionen kann und sollte man schon mal etwas Zeit darauf verwenden, alle möglichen Kombinationen durchzutesten. Die Basstec-Tonabnehmer harmonieren selbstredend hervorragend mit der Elektronik und übertragen die gelieferten Schwingungen äußerst sauber. Kein Rauschen oder Brummen stört den Spielspaß, jedoch sollte man beim Boosten Vorsicht walten lassen. Die Vorverstärkung verstärkt nämlich bis zu 18 db, und die einzelnen Frequenzbänder lassen sich bei den Bässen und Mitten bis zu 15 db, die Höhen bis zu 18 db anheben. Da geht also ordentlich was - so mancher Bassverstärker wird mit einem Vollboost-Signal sicher überfordert sein. Daher empfehle ich unbedingt, den Gain-Regler in der Elektronik lieber erstmal etwas vorsichtiger einzustellen, um bei Bass- und Mittenboost noch Luft nach oben zu haben.

Einziger Wermutstropfen ist, dass es leider keine Möglichkeit gibt, das Instrument auch rein passiv zu bedienen. Zwar soll in der Nullstellung der natürliche Klang gegeben sein, aber allein, um zwei abrufbare Sounds direkt unter den Fingern zu haben oder um im Studio den häufig gewünschten reinen Holzton liefern zu können, fände ich eine Passivoption sinnvoll. Ganz abgesehen von der "Notnagel-Funktion", falls einmal die Batterien schlappmachen. Auf Kundenwunsch ließe sich aber selbstverständlich auch ein Aktiv-/Passiv-Schalter in die Elektronik integrieren, teilte mir der Hersteller mit.

Den besonders interessierten Lesern stelle ich an dieser Stelle ein Frequenz-Datenblatt als PDF-Datei als Download bereit. Hier sieht man, welche Eckfrequenzen sich einstellen lassen und wie das System mit den DIP-Schaltern funktioniert.

Ehe wir nun in den ausführlichen Praxisteil abtauchen, habe ich für euch ein kleines Video gedreht, in welchem ich Fingerstyle und Slapping zugleich demonstriere. Auf diese Weise bekommt ihr schon einmal einen ersten Eindruck ...

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