Hersteller_Roland
Test
3
17.02.2014

Roland V-Combo VR-09 Test

Stage-Keyboard

Günstige Allzweck-Waffe für Einsteiger

Mit dem V-Combo VR-09 präsentiert Roland ein Live-Keyboard, das sich vor allem an diejenigen richtet, die alle gängigen Sounds in einer unkomplizierten Komplettlösung mit auf die Bühne nehmen wollen. Das Konzept ist nicht neu, wohl aber einige Features des VR-09, und auch der Preis klingt nach einer Kampfansage. Wir haben es in diesem Test genauer unter die Lupe genommen.

Als Roland 2003 das V-Combo VR-760 vorstellte, rannte der japanische Hersteller bei so manchem Keyboarder offene Türen ein: Endlich gab es ein Instrument, das die drei wichtigsten Disziplinen der Tastenfraktion in einem innovativen Gerät vereinte: Orgel mit Zugriegeln, Piano mit Amp-Simulation und Effekten, dazu ein erweiterbarer Synth mit den gängigsten Sounds – und das alles in einem robusten, aber transportablen Gehäuse mit einer 76er Waterfall-Tastatur zu einem Preis von etwa 2300 Euro. Warum das VR-760 kein Kassenschlager wurde, sondern zeitlebens ein Nischen-Dasein fristete, ist bis heute ein Rätsel. Auch der Nachfolger VR-700 von 2010 wurde kein echtes Erfolgsmodell, dafür aber die Instrumente der Konkurrenz, die sich das Konzept des V-Combo zunutze machten. So hat Clavia 2005 mit dem Nord Stage die Ursprungsidee des V-Combo perfektioniert und damit beeindruckende Verkaufszahlen erzielt. Nun hat Roland Größe, Gewicht und Kosten drastisch reduziert, um verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Details

Gehäuse und Bedienoberfläche

Der jüngste Spross der VR-Familie ist deutlich geschrumpft. Statt mit 76 Waterfall-Tasten kommt das VR-09 mit 61 ungewichteten Tasten daher. Auch ein Metallgehäuse gibt es nicht mehr. Unser Testkandidat besteht komplett aus Kunststoff und bringt somit gerade mal 5,5 kg auf die Waage. Das freut natürlich den notorisch geplagten Keyboarder-Rücken, hat aber leider auch den Nachteil, dass das Instrument nicht mehr das Prädikat „Built-like-a-tank“ verdient.

Statt mit dem mitgelieferten, externen Netzteil kann das Keyboard auch mit acht AA-Batterien betrieben werden. Diesen Trend verfolgen vor allem die großen asiatischen Hersteller in letzter Zeit; ich frage mich allerdings, wie oft man den Batteriebetrieb im Alltag wirklich braucht. Am ehesten vermutlich, wenn man das externe Netzteil irgendwo vergessen hat.

Auf der Oberfläche des anthrazitgrauen Plastikgehäuses wurde kaum ein Winkel ungenutzt gelassen. Dennoch wirkt das Instrument nicht überfrachtet. Links neben der Tastatur befinden sich der Roland-typische Pitchbend-/Modulationsjoystick, der Mastervolume-Regler und zwei Buttons zur Steuerung des Leslies, darüber ein aufklappbarer Schacht für einen USB-Stick. Der Rest der Bedienoberfläche ist mit orangefarbenen Überschriften in eindeutige Sektionen unterteilt. Ganz links finden wir den bei Roland obligatorischen D-Beam-Controller, daneben sechs Potis zur Effektbearbeitung, gefolgt von der Organ-Unit mit zehn Fadern in Zugriegel-Ästhetik und einigen Tastern für orgelspezifische Settings.

Zentral in der Mitte gibt ein grafisches Display mit einer Auflösung von 128x64 Punkten Aufschluss über den aktuellen Status. Unterstützt wird es von drei darunter liegenden Buttons, die anzeigen, welche der Instrumentenkategorien Orgel, Piano und Synth gerade aktiv ist. Neben dem Display sind Cursor-Buttons und ein Wheel zur Menüsteuerung sowie Taster für die Transponierung/Oktavierung zu finden. Die rechte Seite des Gerätes beherbergt die Sektionen Piano, Synth und Drums, wobei Piano und Synth über extra große Taster zur Auswahl der Instrumentenkategorien verfügen und die Drum-Abteilung mit Tap-Tempo, Start/Stop-Tastern sowie einem eingebauten Looper aufwarten kann. Diese drei Gruppen haben separate Level-Buttons zum Anpassen der Lautstärke. Zudem gibt es eine „Registration“ genannte Einheit, in der man 100 Settings als User-Presets abspeichern kann.

Trotz der Plastik-Haptik vermittelt des VR-09 einen soliden Eindruck. Die Zugriegel und Potis wirken einigermaßen robust, alle Taster sind praktischerweise beleuchtet und haben einen angenehmen Druckpunkt. Das Design ist insgesamt sehr übersichtlich und man begreift das Bedienkonzept auch ohne Handbuch ziemlich schnell.

Anschlüsse und Tastatur

Auf der Rückseite befinden sich die Anschlüsse für USB, das externe Netzteil, Kopfhörer, Audioausgänge, Audioeingang (Mini-Klinke), der PK-Anschluss für ein Pedal-Board wie das Roland PK-6, MIDI In/Out sowie Anschlüsse für ein Expression- und ein Sustain-Pedal.

Die anschlagdynamische Tastatur umfasst fünf Oktaven. Sie verfügt über keinerlei Gewichtung und bietet leider auch keinen Aftertouch. Als reine Synth-Tastatur gäbe es keinen Grund zur Beanstandung: Das Keyboard klappert nicht, wirkt straff und präzise und lässt sich flink bespielen. Sobald man die Tastatur aber für Piano-Sounds nutzen möchte, leidet die Spielfreude merklich unter der fehlenden Gewichtung und dem recht kurzen Anschlagweg. Für ambitioniertes Klavierspiel sind die 61 Tasten des VR-09 also weniger geeignet. Auch Orgel-Puristen werden mit der Tastatur nicht hundertprozentig glücklich sein, denn für ein authentisches Spielgefühl und orgeltypische Glissandi ist eine Waterfall-Tastatur wünschenswert. Die Wahl des Fünf-Oktaven-Keyboards ohne die oben genannten Ausstattungsmerkmale ist offenbar dem Gewichts- und Kostenfaktor geschuldet, und natürlich gibt es keine Tastatur, die sich für Piano-, Orgel- und Synth-Sounds gleichermaßen gut eignet. Dennoch halte ich die Tastaturen der Vorgängermodelle für den besseren Kompromiss zwischen Piano und Orgel, zumal diese Sounds ja zu den Hauptaufgaben des VR-09 gehören.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare