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06.05.2019

Rogers Dyna-Sonic 14“ x 5“ und 14“ x 6,5“ Snare Test

Snare Drums

Die Auferstehung

Als vor ein paar Jahren in diversen Internet-Foren gemunkelt wurde, dass Rogers Drums bald wieder zurück seien, sorgte das für vielfältige Interessenbekundungen. Noch heute bekommt so mancher Freund von Vintage Drums bei dem Namen Rogers feuchte Augen, und in vielen Tonstudios rund um den Globus gehören Rogers Trommeln zum etablierten Inventar. Im Gegensatz zu den beiden großen Playern Ludwig und Gretsch, die auch turbulente Zeiten durchleben mussten, aber beide noch heute aktiv sind, kamen andere US-amerikanische Marken wie Leedy, Camco und Rogers nach Inhaberwechseln und Management-Fehlern mit der Zeit unter die Räder. Das verstärkte Aufkommen von fernöstlichen Drum-Herstellern ab den 1970er Jahren erhöhte zusätzlich den Druck auf dem Markt.

Wie kommt es, dass Rogers wieder da ist?

Im Jahr 2013 hat der taiwanesische Hersteller Reliance Drums, dem unter anderem Marken wie Dixon oder Gibraltar gehören, die Marke Rogers erworben. Unter der Leitung von Ken Fredenberg (KMC), dem Big Bang Distribution Vertrieb, und dem Input von US-Vintage Experten wie Steve Maxwell machte man sich daran, die Marke nach und nach wiederaufleben zu lassen. Mit möglichst originalgetreuen Nachbauten und einem besonderen Blick auf Details sollten neue Instrumente erschaffen werden, die dem legendären Namen Rogers gerecht werden.

Die Hardware Parts und Kesselrohlinge werden in Taiwan gefertigt, alle weiteren Arbeiten an den Trommeln werden in den USA in der Werkstatt von Bill Detamore und seinem Team von Pork Pie Drums ausgeführt. Genaueres zur Herstellung der Rogers Snares kann man in diesem Artikel vom Drum! Magazine nachlesen.

Neben den jetzt ebenfalls wiederaufgelegten Swivo-Matic Fußmaschinen (aktuelle Bezeichnung: Dyno-Matic) haben besonders die Dyna-Sonic Snares einen großen Anteil am Legendenstatus von Rogers Drums. Die Messing-Variante, besonders in der 5“ Tiefe, ist noch heute weit verbreitet und wird oft gebraucht angeboten. Die Holz-Versionen, Wood Dyna-Sonic genannt, sind eher selten und zählen bei Sammlern zum absoluten Holy Grail. Dementsprechend hoch sind ihre Gebrauchtmarktpreise, die je nach Zustand bei 1300 Dollar beginnen und bis zur 3000-Dollar-Marke reichen können. Besonders die Variante in 6,5 Zoll Tiefe ist so rar, dass sie so gut wie nie auf offiziellen Verkaufsplattformen erscheint. Ich habe in meinem Fundus leider keine originale Dyna-Sonic Snare, aber immerhin eine Luxor Wood Snare aus den 60er Jahren, die ich im Praxisteil heranziehen werde.

Details

Die Kessel der neuen Rogers Snares haben einen fünflagigen Maple-Poplar-Maple Kessel mit eingeleimten Verstärkungsringen. Die Kesselauflagen sind von außen verrundet - wie es sich für eine Vintage-Trommel gehört -, und innen sind die Kessel sehr ansprechend in einem seidenmatten hellbraunen Ton lackiert. Auf der Außenseite stehen insgesamt sechs klassische Delmar-Folien zur Auswahl: Blue und Red Onyx, Silver Sparke (als neue Option) sowie White Marine Pearl und Black Pearl. Die Ziffern auf dem Papierschild im Kessel stehen für das Kesselmaß in Kombination mit der Böckchen-Bestückung: No. 36 sind zum Beispiel Beavertail Lugs in Kombination mit dem 14“ x 5“ großen Kessel. 

Ein weiteres Vintage-Relikt ist der bei beiden Trommeln eingebaute, originalgetreue Innendämpfer, der von außen mittels Drehung am Rädchen zum Fell geführt wird. Bestückt sind die Snares mit Remo Fellen, hier hat man sich für eine klassische Ambassador Coated / Ambassador Snare Side-Kombination entschieden. Das einzige, was deutlich von den Urahnen abweicht, sind die gummiunterlegten Spannböckchen, hier wurde früher ohne Unterlage direkt auf den Kessel montiert. Das kann aber auch an den heutzutage verbreiteten, etwas weiteren Stahlspannreifen liegen. Auch die Firma Ludwig hat irgendwann auf Unterlegscheiben bei den Spannböckchen umgestellt, nachdem die Produktion der eigenen Spannreifen zugunsten von Zulieferteilen aus Fernost eingestellt wurde.

Beide Rogers Spannböcken-Varianten sind wieder zu haben.

Die ersten Dyna-Sonic Snares hatten die so genannten Bread & Butter Lugs, wie sie jetzt als moderner Nachbau an unserem 14“ x 6,5 Testmodell montiert sind. Da diese Böckchen in der Ur-Version sehr bruchanfällig waren, führte Rogers die zweite Variante ein, die Beavertail Lugs, so wie sie an unserem flacheren Red Onyx Testmodell verbaut sind. Beide Versionen haben jeweils zehn Spannböckchen montiert, ein komfortabler und genauer Stimmvorgang ist somit gewährleistet.

Die Besonderheit der Dyna-Sonic Snares verbirgt sich auf der Unterseite

Soweit könnte man bisher von zwei sehr ansprechend verarbeiteten Snares im Vintage-Look sprechen. Die wirkliche Besonderheit verbirgt sich auf der Unterseite mit dem Floating Snare-System. Bei diesem System, welches übrigens auf dem Input des damaligen Rogers Endorsers Buddy Rich beruht, sollte eine sehr präzise und makellose Teppichansprache gewährleistet werden, ohne dass die Trommel dabei in irgendeiner Art und Weise abgewürgt wird. Dazu ist der Snare-Teppich in einem Aluminium-Rahmen fest eingespannt und wird in einem Stück an das Fell herangeführt. Somit ist es möglich, den stramm gespannten Teppich mit sehr sanftem Druck ans Resonanzfell zu bringen. Die Folge ist, dass die Trommel trotz „tightem“ Teppichsignal weiterhin schwingen kann.

Die Grundspannung des Teppichs wird vorab an einem dafür vorgesehen Rädchen vorgenommen, die Feindosierung passiert dann auf der Oberseite am Strainer selbst, im Prinzip so wie bei jeder anderen handelsüblichen Snare. Das ganze „Choke Free“ Floating System wird von zwei Bügeln am unteren Spannreifen abgeschirmt, die komplette Konstruktion lässt sich natürlich auch herausnehmen, ist also nicht wie bei einer Parallelabhebung fest fixiert. Nicht zu vergessen sind die speziell gefrästen Dyna-Sonic Snarebeds, diese sind sehr breit ausgeführt, die Spitze der Fellauflagekante ist abgeflacht. Mit Hilfe einer kleinen Lampe konnte ich euch euch das Feature auch gut im Bild festhalten.

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