Test
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13.07.2017

RME Fireface UFX II Test

USB-2-Audiointerface

Der Mittelweg

Das RME UFX II ist das neuste Fireface. Die weltbekannte Serie gehört zu den erfolgreichsten Produkten des deutschen Herstellers und Spezialisten für Wandlertechnik, der seit jeher aktuellste Audiointerfaces geschickt mit vielen Anschlüssen und reichlich Zusatzfeatures auf einer HE kombiniert.

Die rechnerseitigen Anschlüsse unterliegen dabei immer einer kleinen Wandlung und wechseln nach Anwendungszweck. Früher war mal Firewire das Maß der Dinge, was den Namen Fireface erklärt. Doch diese Schnittelle ist tot – aktuell sind USB, USB 3 und Thunderbolt am Start.

Details

Die Fireface-Familie

Das RME Fireface UFX II ist ein 30-In-/30-Out-USB-2-Audiointerface auf 19-Zoll-Rackbreite und einer HE. Mit einem Gewicht von rund 3 kg und einer Tiefe von 21 cm liegt das Stahlblechgehäuse mit seiner schicken Front im absoluten Normbereich. 

Das UFX II löst mit 24 Bit und bis zu 192 kHz auf, wobei sich die Ein- und Ausgangskanäle mit zunehmender Samplerate prinzipbedingt durch die beiden ADAT-Schnittstellen reduzieren. 

Es kostet knapp 2.000 Euro, wobei es auch noch ein RME Fireface UFX+ gibt – die Deluxe-Variante mit MADI, USB 3 und Thunderbolt (ca. 2.700 Euro) – sowie eine deutlich günstigere Variante namens RME Fireface 802, die für rund 1.400 Euro erhältlich ist. Beide Interfaces hatten wir im Test und für gut befunden. Alle drei bieten DSP-Effekte wie EQ, Kompressor und Reverb.

USB 2 vs. USB 3 vs. Thunderbolt

Ist USB 3 und Thunderbolt nicht etwa schneller? Nein, nicht per se. Es handelt sich hierbei um einen fundamentalen Trugschluss, was an der unsauberen Formulierung „schneller“ liegt. USB 3 und Thunderbolt hat eine größere Bandbreite, man kann also mehr Daten gleichzeitig übertragen, sodass bei einer Festplatte tatsächlich 1 GB an Daten schneller kopiert sind als mit USB 2. Bei Audiointerface bezieht sich „schneller“ aber auf die Latenz und die ist davon schlichtweg nicht betroffen.

Das verdammt identische RME UFX+ hat USB 3 und Thunderbolt am Start – aber nur, weil dank MADI-Schnittstelle bis zu 94 Kanäle in den Rechner übertragen werden können. Es gibt dort auch einen USB-2-Mode – aber Achtung, Überraschung: Er bietet die selbe Latenz wie der USB-3-Mode und unser Testkandidat UFX II mit USB 2. Thunderbolt ist zwar minimal besser, aber meiner Erfahrung nach zickiger zu handhaben.

24 analoge Anschlüsse

Analog geht es bei dem UFX+ und dem 802 identisch zu. So gibt es rückseitig acht analoge Line Outs und acht analoge Line Ins zu vermelden. Bei dem UFX+ und UFX II ist der Main Out 1/2 in XLR konzipiert, der Rest als 6,35 mm TRS ausgelegt („große Klinke“). Natürlich ist alles symmetrisch und auch unsymmetrisch nutzbar. Die Eingänge kennen ferner fixe +4 dBu und Low Gain, die Ausgänge indes -10 dBV, +4 dBu, Hi Gain und +24 dBu. Alles ist digital und damit aus der Ferne regelbar.

Hinzukommen zwei getrennt adressierbare Stereo-Kopfhörerausgänge (6,35 mm TRS) auf der Front sowie vier äußerst cleane und mit 75 dB Gain auch äußerst kräftige Preamps, die mit XLR-/TRS-Combobuchsen ausgestattet sind. Den Mic-Amp gibt es via XLR, Line- und Instrumentensignale füttert man per TRS. An der Klinke gibt es bis zu 50 dB Gain. Umgeschalten wird in der dazugehörigen Software oder am Gerät, das Gain wird also auch digital geregelt. Die Preamps verfügen außerdem über individuell zuschaltbare 48 Volt Phantomspannung.

Viele weitere Funktion werden durch den integrierten FPGA-DSP realisiert, welcher via Rechner mit der Software TotalMix FX konfiguriert werden kann. Mit dieser Software werden auch alle Routings vorgenommen und zwar mit 48 Bit Präzision – doch dazu später. 

Besonders praktisch ist das Auto-Gain-Feature, was anhand des maximalen Peaks das Gain automatisch anpasst. Praktisch nutze ich das so: Monitoring aus, Gain voll aufdrehen, Auto Set an, den Musiker bitten die Gitarre einmal äußerst kräftig anzuschlagen, Auto Set aus und schon ist das perfekte Gain mit genug Reserve eingestellt. Während der Aufnahme würde ich Auto Set nicht aktiviert lassen, aber das nur am Rande. Hinzukommen jeweils Phasenumkehr, Low Cut (6, 12, 18, 24 dB Flankensteilheit, stufenlos von 20 Hz bis 500 Hz), vollparametrischer 3-Band-EQ, Kompressor/Expander, Auto-Leveler sowie Stereo-Linking, Stereo-Width-Regelung und M/S-Processing. Kurzum: alles.

Das macht in der Summe zwölf analoge Eingänge (8 x Line In und 4 x Preamp) und zwölf analoge Ausgänge (8 x Line Out und 2 x Stereokopfhörer). 

36 digitale Anschlüsse

Digitale Anschlüsse dürfen nicht fehlen. Es gibt zweimal ADAT – entspricht vier Light-Ports – für bis zu maximal 16 Kanäle rein und raus bis 48 kHz, 8 Kanäle bis 96 kHz und 4 Kanäle bis 192 kHz. Das zweite Lightport-Paar lässt optisches S/PDIF (TOSLink) zu, der AES/EBU Out auf XLR auch koaxiales S/PDIF – natürlich ohne Einschränkungen hinsichtlich der Samplerate. Das macht nochmal 18 digitale Kanäle I/O – plus die zwölf analogen kommen wir auf 30 I/Os in Summe. 

Ein Wordclock I/O ist an Bord, genau wie ein MIDI I/O auf der Front und ein weiterer MIDI I/O auf der Rückseite. Sync ist intern möglich und auch zu allen anderen digitalen Quellen samt Wordclock (AES, ADAT 1 oder ADAT 2). Die Typ-B-USB-Buchse ist zum Anschluss an den Rechner gedacht, die Typ-A-Buchse auf der Rückseite für den Anschluss einer optionalen Remote.

Viele weitere Features

Frontseitig kommt eine weitere USB-Buchse hinzu. Hier können USB-Sticks und Festplatten bis 2 TB angeschlossen werden, um via DU-Rec alle Spuren auch ohne DAW aufnehmen zu können. Das Interface lässt sich also auch stand-alone nutzen und wird somit zum Repeater, Merger, Splitter und Multiplexer sowie zum simplen AD/DA- und digitalen Formatwandler. 

iPads werden dank Class-Compliant-Mode auch unterstützt, genau wie die Bedienung von TotalMix FX via Mackie-Control-Protokoll. Die wichtigsten Einstellungen können auch am Gerät dank schickem TFT-Display und drei nahegelegen Push-Encodern bewerkstelligt werden.

Eingebauter Monitor-Controller

Der große Regler dient überwiegend für die Steuerung der Lautstärken, was insofern cool ist, da auch ein zweites Paar Speaker definiert werden kann und Funktionen wie Mute, Talkback, Dim, External In und Ähnliches zugewiesen werden kann. Das Interface wird so zum Monitor-Controller, was besonders mit der optionalen, ARC USB genannten Remote Sinn ergibt. Einen kleinen Dämpfer muss ich bereits jetzt loslassen: explizite Features für Subwoofer wie Bassmanagement inklusive Trennfrequenzen sowie umfangreichere EQs zur Raumentzerrung gibt es immer noch nicht. Mann, Matthias – mach doch endlich mal hin!

Der Stromanschluss ist für IEC-Kaltgerätestecker geeignet und verträgt Spannung zwischen 100 bis 240 Volt. Ein Haken zur Kabelentlastung findet sich auch. Das passende Strom-, ein USB- und auch ein Lightpipe-Kabel sind Teil des Lieferumfangs, eine Treiber-CD sowie ein fettes, gedrucktes Handbuch in den Sprachen Deutsch und Englisch liegt ebenfalls bei. 

Hinzukommt die TotalMix-FX-Software und DIGICheck. Letzteres ist eine Art Analyzer für alle I/O-Ströme, TotalMix FX haben wir bereits angesprochen.

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