Test
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18.02.2016

Praxis

Als universeller MIDI-Controller und Soundkarte bieten sich verschiedene Szenarien an, um den Mixtour zum Einsatz zu bringen. Als denkbare Software eignet sich eigentlich alles, was sich über MIDI-Learn ansprechen lässt. Reloop verweisen in ihrer Anleitung auf Djay 2 und Djay Pro von Algoriddim als primär adressierte Software, zudem halten sie auf ihrer Website ein Mapping für Traktor zum Download bereit.

Dass Reloop dem Mixtour keine Lizenz für Algoriddim beigelegt haben, mag auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz elegant wirken, lässt sich aber in Anbetracht der Vielzahl an möglichen Endgeräten und Distributionswegen verstehen: Der eine nutzt den Apple App-Store, der andere Google-Play, der nächste verwendet den direkten Download von der Herstellerseite auf seinen Rechner. Es ist also nahezu unmöglich, hier für jeden Fall einen Download-Coupon bereit zu halten. Insofern sei das entschuldigt und vor dem Hintergrund, dass die absolut brauchbare „Djay 2“-Version im App-Store gerade mal fünf Euro kostet, ist das auch vertretbar.

Ich habe mich also zunächst einmal mit der Inbetriebnahme an verschiedenen Hardware-Plattformen beschäftigt. Um es kurz zu machen: Der Mixtour wurde an allen von mir angeschlossenen Geräten (Windows-/MacOS-Laptop, Android Samsung-S6-Handy, iOS-iPhone 5, iOS-iPad Pro) anstandslos als Soundkarte und MIDI-Controller erkannt. Bis auf eine Ausnahme: iPads mit 30-Pin-Anschluss, also alles was älter ist als Generation 4, verweigern die Zusammenarbeit mit dem Mixtour. Schade, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die dritte Generation im Jahr 2012 ausgelaufen ist, will ich das fairerweise nicht als Minuspunkt werten.

Nächste Teststation: Die DJ-Software. Hier bin ich zunächst einmal Reloops Empfehlung gefolgt und habe Djay 2 und Djay Pro auf meinem iPad Pro gestartet. Die Verbindung des Mixtour mit dem iPad Pro gestaltet sich unproblematisch. Allein das Kabel ist ein bisschen kurz bemessen. Gut dagegen: Das Apple-Tablet wird über das Kabel auch direkt noch geladen. Beide Djay-Versionen verstehen sich auf Anhieb blendend mit dem Mixtour und ohne die Notwenigkeit irgendwas zu mappen, finden alle Bedienelemente des Controllers ihre Entsprechung in der Software.

Was die beiden Versionen von Algoriddims Software angeht, möchte ich auf unsere Einzeltests verweisen, die ihr hier (Djay 2) und hier (Djay Pro) findet. Kurz gesagt ist Djay 2 eine Dual-Deck-Lösung, die Pro-Version kann mit vier Decks aufwarten und bietet zudem noch die Möglichkeit, Video zu mixen.

Gut arbeiten lässt sich mit beiden und das sage ich als jemand, der aktiv (und gerne) mit beiden Versionen auflegt. Meistens nutze ich sogar bevorzugt die Djay 2, weil sie sich als ausgesprochen performant und funktional übersichtlich herausgestellt hat. Es macht einfach sehr viel Spaß, mit dieser kleinen, schlanken App zu arbeiten. Auch und gerade da in der neuen Version die nahtlose Spotify-Integration hinzugekommen ist, die ich als massive Erleichterung beim Management meiner Tracks empfinde. Noch größer wird der Spaß, wenn der Mixtour dazu kommt, denn er arbeitet absolut nahtlos und responsiv mit der Software von Algoriddim zusammen: Tracks über den Encoder auswählen, mit dem Load-Taster ins Deck befördern, Cuepoint setzen, am Touch-Display noch feintunen, abfeuern und via EQ und Filter den Übergang gestalten, in Breaks noch ein bisschen mit den Effekten rumspielen – fertig.

Dabei bietet der Reloop genau die Bedienelemente, die man bei der Touch-Bedienung vermisst: Denn während sich die Wellenform wunderbar mit dem Finger verschieben lässt, macht es einfach viel mehr Spaß und fühlt sich ungleich besser an, Bedienelemente wie den Crossfader oder EQ- und Filter-Poti als physisches Element unter den Fingern zu haben. Das funktioniert auch mit dem iPhone blendend, wobei man hier natürlich bei weitem nicht so viel visuelle und haptische Arbeitsfläche hat wie beim iPad und warum ich diese Lösung nur für den Privatgebrauch nutzen würde. Dabei kann auch die Audioqualität, die der Mixtour am Kopfhörer- und Master-Ausgang liefert, voll überzeugen. Entsprechend hochwertige Audiodateien vorausgesetzt, ist er meiner Meinung nach auch für den Clubbetrieb geeignet. An diesem Punkt setze ich ein Zwischenfazit, das lautet: Algoriddim Djay 2, iPad Pro und Mixtour sind im Zusammenspiel eine extrem schlanke und gut funktionierende Kombination, die professionelles Auflegen mit zwei Decks ermöglicht.

Ich wechsle vom iPad auf mein MacBook und starte Traktor inklusive Mapping von der Reloop-Seite. Nachdem der Mixtour und die Software miteinander bekannt gemacht sind, gilt es noch, die richtigen Audioausgänge zu wählen und schon kann es losgehen. Reloop haben beim Erstellen der Mapping-Datei gute Arbeit geleistet und decken sämtliche Funktionen des Mixtour vollständig in der Software ab, inklusive beleuchteter Taster, wenn beispielsweise ein Cue-Punkt gesetzt ist. Eine kleine Unlogik am Rande: Die hinteren Cinch-Ausgänge heißen in Traktor „Front Left/Right“, während der Kopfhörerausgang über „Back Left/Right“ angesprochen wird. Prinzip bedingt muss man hierbei auf die Decksteuerung verzichten und sich auf Sync-Sets beschränken, es sei denn, man stellt dem Arrangement noch einen weiteren Controller daneben.

Wo ich schon mal bei NI bin, interessiert mich natürlich auch, ob sich Traktor DJ auf dem iPad vom Mixtour beeinflussen lässt. Erwartungsgemäß zeigt sich die NI-Software aber unwillig und akzeptiert lediglich die vom Mixtour angebotenen Audioausgänge, nicht aber die Controller-Funktionen. Andere iPad-Apps mit MIDI-Learn-Funktion wie beispielsweise iMect DJ Player arbeiten problemlos mit dem Mixtour zusammen.

Bleibt als letzte Kombination noch die Verbindung meines Samsung S6 (Android) mit der Djay 2 App und dem Mixtour. Hierzu adaptiere ich mit dem beiliegenden Stecker von Standard-USB auf Micro-USB. Hier wird das Handy allerdings nicht geladen, daher sollte man vor Antritt des DJ-Sets tunlichst auf einen vollen Akku achten. Ohnehin möchte ich aber von der Verwendung von Android für professionelle Audioanwendungen abraten. Denn auch wenn erstaunlicherweise alle Funktionen des Mixtour im Zusammenspiel mit der Djay-App funktionieren und es sich irgendwie wie Zauberei anfühlt, wenn das kleine Handy plötzlich zum DJ-Player wird, hat man es hier mit einer deutlich fühlbaren Latenz zu tun. Sowohl was die Bildschirmausgabe angeht als auch die Umsetzung von Controller-Bewegungen innerhalb der App: Alles ist fühl- und hörbar zäh. Das liegt wohlgemerkt nicht am Mixtour, sondern an dem unklugerweise nie für Multi-IO-Audioanwendungen ausgelegten Betriebssystem von Google. Vergessen wir also diesen Exkurs ganz schnell wieder und kommen zum Fazit.

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