Software
Test
10
21.03.2019

Praxis

Klang

Für die Soundbeispiele benutze ich den HiZ Eingang eines API 512c Preamps und gehe von dort in ein Fireface UFX. Das Output Setting im Bias steht auf Direct Out. Die Gitarren werden jeweils angegeben.

Um einen ersten Klangeindruck zu bekommen steppe ich durch ein paar Werkspresets, deren Namen bereits den zu erwartenden Gitarrensound verraten. Der Grundsound präsentiert sich bereits sehr plastisch und die Werkspresets vermitteln, von einer leichten Reverbüberladung mal abgesehen einen sehr guten Eindruck. Die Metalsounds kommen druckvoll, aber auch Clean- und Crunchsettings, die oft der Schwachpunkt von digitalen Emulationen sind, klingen sehr überzeugend. Auch wenn das Detaillevel von teuren Hardwaremodellern wie dem Kemper oder Axe Fx auf Pluginbasis sicherlich noch nicht erreicht, marschiert Bias deutlich in die richtige Richtung.

Besonders erfreulich ist bei der Presetwahl die Voranzeige, die beim Bewegen des Mauszeigers über das Preset in einem kleinen Fenster das Bedienfeld anzeigt und somit den Amp und die Pedale einsehen lässt.

Das volle Potential von jeder Software und auch Hardwaremodellern erkennt man jedoch bei der Programmierung eigener Sounds. Zunächst möchte ich ein paar einzelne Ampsounds ohne Effekte hören und beginne mit einem cleanen Setting, gespielt mit einer Fender Stratocaster. Der Cleansound wirkt präsent und erfreulich transientenreich. Die Mikrofonplatzierung der Cabinet erweist sich als sehr effektiv und auch wenn bei der Ampwahl automatisch ein "matching" Cabinet per default ausgewählt wird, entpuppt sich manchmal eine andere Wahl als die Bessere. Das Laden von eigenen oder Drittanbieter Impulsantworten zeigt sich als problemlos.

Es folgt ein Marshall Plexi Sound. In Kombination mit einer Stratocaster, gespielt mit dem Halspickup, lassen sich authentische, Hendrix-artige Sounds erzeugen. Medium Gain Rocksounds kommen aber auch sehr überzeugend, auch wenn bei der gewählten 5150-Variante eine leichte Kompression zu hören ist.

Eine Emulation des ENGL Fireballs bringt mich überzeugend in Hi Gain Gefilde. Singende Leadsounds sind ebenfall kein Problem. Zu diesem Zweck wähle ich eine Soldano Amp Simulation, die auf dem X88 basiert. Gainreserven sind zu Genüge vorhanden und dank des effektiven und unaufdringlichen Noise Gates halten sich auch die Nebengeräusche in Grenzen.

Betrachten wir nun ein paar Effekte. Die Auswahl ist so immens, dass ich hier nur eine Auswahl einiger besonderer Sounds vorstellen kann. Gleich im Delaysektor bietet Positive Grid ein breite Stafette an unterschiedlichen Modelle. Besonders interessant sind die Emulation des Binson Echorec, welches sehr gut den Trommeldelaysound, dieses klassischen Modells imitiert und durch den Age Regler sogar den Hardware Verschleiß mitemuliert, der sich in Modulationseffekten bemerkbar macht. Auch ein komplexes Multidelay mit großzügigen Parametern ist an Bord.

Im Modulationsbereich zeigen sich alle gängigen Modelle von Chrous, über Flanger, Univbes etc. Ein Trichorus Modell ist als Rackvariante auch im Portfolio. Ein intelligentes, vierstimmiges Harmonizermodell ist ebenfalls anzutreffen, Das Tracking arbeitet in meinem Setup einwandfrei und ist bei Medium Tempi auch glitch-frei.

Es folgt ein dynamisches Picking mit einer angezerrten Matchless Simulation und einem dualen Routing, wobei der Reverb nur auf einem Kanal parallel beigemischt wird. Auch hier überrascht mich das Bias sehr angenehm, denn dynamische Nuancen werden gut aufgenommen und klingen überzeugend.

Nun folgt ein dynamisches Picking mit einer angezerrten Matchless Simulation und einem dualen Routing, wobei der Reverb nur auf einem Kanal parallel beigemischt wird. Auch hier überrascht mich das Bias sehr angenehm, denn dynamische Nuancen werden gut aufgenommen und klingen überzeugend.

Tone Match- Funktion

Zunächst wird die eingesetzte Gitarre gründlich ausgemessen und das Bias fordert mich zunächst auf, meinen Gitarrentypus und die Pickupkonfiguration genauer zu spezifizieren. Anschließend müssen Einzelnoten und bestimmte Griffkombinationen gespielt werden, ein Vorgang der ca. 1 Minute dauert und dessen Ergebnis dann als fertiges Gitarrenmodell speicherbar ist. Das Bias führt den User hier sicher durch jeden Schritt. Nun habe ich die Wahl, die Sounds von 18 virtuellen Gitarrenmodellen auf mein Instrument zu legen, das EQing nachzuregeln und sogar das Mischverhältnis zwischen Original und Emulation zu bestimmen.


Der Software gelingt es, einige typische Klangcharaktersitika der ausgewählten Typen zu emulieren, dennoch darf man hier keine Wunder erwarten. Auch wenn einige Frequenzen angepasst werden und der Sound ordentlich verbogen wird, schimmert der Grundklang der eingesetzten Gitarre durch und meine verwendete Tele wird nicht wirklich zu einer 60 Jahre alten Les Paul. Nichtsdestotrotz ist das Feature sehr sinnvoll, um ein paar andere Sounds aufzunehmen, wenn man nur ein Gitarrenmodell zur Hand hat. Für unterwegs oder für User mit einer kleineren Gitarrenauswahl wird hier eine interessante Idee präsentiert, die man auch durchaus einsetzen kann.

 

Die Gretchenfrage bei digitalen Gitarrensignalen ist oft: Wie kommt es denn im Mix durch? Auch wenn man für diese Frage sicherlich mehrere Ampmodelle ausprobieren sollte, habe ich mich hier für ein Marshallmodell entschieden. Das Ergebnis kann sich hören lassen und die Gitarrenspur wirkt durchsetzungsfähig.

Und hier noch ein Video dazu:

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