Gitarre Workshop_Folge
Workshop
1
25.07.2016

Play-Alike Mark Knopfler - Gitarren Workshop

Mark Knopflers beste Riffs und Licks in Noten und Tabs

Tutorial - Spielen wie die Stars

"Die Kunst der leisen Töne" - mit diesen Worten beginnt eine Konzertrezension der Dire Straits aus dem Jahre 1985 - eine Epoche, für die der Begriff "Minimalismus" nun wahrlich nicht das Wort der Wahl ist.

Dennoch haben die Endsiebziger einen Gitarristen hervorgebracht, der sich, anders als viele renommierte "Guitarheroes" dieser Zeit, wieder stärker auf extrem melodiöses, lyrisches und songdienliches Spiel besann und dessen Fusion aus Country und Blues gepaart mit einem unfassbaren Gitarrensound den Begriff des "cleanen" Stratspiels neu definierte.

Die Rede ist von Mark Knopfler, einem Künstler, der seine Ausnahmestellung aber nicht nur durch seine Meilensteine als virtuoser und innovativer Gitarrist zementierte. Auch nach Jahrzehnten glänzt er als herausragender Songschreiber mit nicht versiegender Kreativität, wie sein aktuelles Werk "PRIVATEERING" beweist. Das mit 20 Titeln bis an den Rand gepackte Doppelalbum ist so unverwechselbar aus seiner Feder wie es seine allererste Platte war, von Abnutzung oder Müdigkeit keine Spur. Höchste Zeit, diesen Ausnahmekünstler einmal genauer zu betrachten.

Biografie:

Mark Freuder Knopfler (spricht sich übrigens ganz undeutsch: "noff-ler") wurde am 12.8.1949 in Glasgow geboren. Durch das Harmonika- und Boogie Woogie Pianospiel seines Onkels beeinflusst, entdeckte Mark schnell seine Liebe zur Musik, insbesondere zu Bluesgitarristen wie Blind Willie McTell, Lonnie Johnson und B.B. King. Aber auch Musiker, die der damaligen Pop/Rock- und Countrykultur entsprangen, wie die Everly Brothers, Duane Eddy, Rick Nelson (mit Jimmy Burton an der Gitarre - ein kleiner Anspieltipp ist übrigens das Solo von "Hello Mary Lou"!),die Shadows und natürlich auch Elvis Presley formten Knopflers Musik-Kosmos. Die "Shadows" mit ihrem Gitarristen Hank Marvin waren es auch, die Knopflers Faszination für eine Fender Stratocaster in Fiesta Red auslösten. Bis er die in den Armen halten konnte, musste sich Mark allerdings noch etwas gedulden, denn mehr als eine 50 Pfund teure Höfner V2 (immerhin in Rot) war damals leider nicht drin.

Den offensichtlichsten Einfluss auf Knopfler übte jedoch der kürzlich verstorbene J.J. Cale aus, der durch seine Spielweise (J.J. Cale war ebenfalls Fingerpicker, und "kommentierte" seine Gesangslinien, wie auch Knopfler, mit kleinen Melodiefills), aber auch mit seinem Gesangsstil am stärksten in Mark Knopflers Spiel wiederzufinden ist. Zitat Knopfler: "He's very very special to me". Mark behauptet jedoch, nie tatsächlich Soli seiner Idole transkribiert und eingeübt zu haben, sondern vielmehr, den Spirit seiner Vorbilder aufzunehmen.

Knopfler spielte damals bereits in verschiedenen Formationen (z. B. Brewers Doop oder den Cafe Racers), bevor es ihn nach einem kurzen Gastspiel als Journalist und Englischlehrer nach London verschlug, wo er mit seinem Bruder und John Illsey, die beide in einer WG zusammenlebten, die Dire Straits gründete. Das erste selbstbetitelte Album aus dem Jahre 1977, das sich zu Beginn nur schleppend verkaufte, bis die Singleauskopplung "Sultans of swing" die Charts stürmte, präsentierte ein Gitarrenspiel, wie man es bis dahin in dieser Form noch nicht kannte.

Ab da begann die Erfolgsgeschichte der Dire Straits, die kontinuierlich bis zum Jahre 1985 anhielt - das Album "Brothers in Arms" markiert wohl den Höhepunkt dieser Entwicklung. Nebenbei schrieb Knopfler Filmmusik, komponierte für andere Künstler (z. B. "Private Dancer" für Tina Turner), wirkte als Sideman für Musiker wie Steely Dan oder Mink deVille, oder produzierte Alben, unter anderem für Bob Dylan. Allerdings machte sich Mark, dem der Erfolg und auch der Rummel um seine Person zu groß wurden, erste Überlegungen, auch andere künstlerische Wege zu bestreiten. So gründete er zum Beispiel 1989 die " Notting Hillbillies", und er erfüllte sich einen Traum, als er mit Chet Atkins die Platte "Neck to Neck" aufnahm. Beides waren Projekte, in denen er sich wieder auf seine musikalischen Wurzeln zurückbesann.

Zwar nahmen die Dire Straits 1991 das Album "On every Street" auf, die Band konnte jedoch nicht an alte Erfolge anknüpfen. Ab diesem Zeitpunkt widmete sich Mark seiner Solokarriere, stilistisch eine Mischung aus Blues, Rock, Folk und viel Tradition, und zieht es vor, eher kleinere Brötchen zu backen, oder wie er selbst sagt: "Mir macht es viel mehr Spaß, mein kleines Boot zu steuern. Den Riesenfrachter Dire Straits möchte ich für immer im Hafen lassen". Wie dem auch sei: Ein Platz in der Musikgeschichte ist ihm auch unabhängig von der Schiffsgrößen sicher.

TechTalk:

Knopfler-Sound entsteht in erster Line - ich traue mich diesen Satz fast nicht zu verwenden - in seinen Fingern, und zwar der linken wie der rechten Hand. Mark pickt fast ausschließlich, vornehmlich mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Zwar wurde "Expresso Love" mit dem Plektrum gespielt, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Den Ringfinger sieht man sehr häufig auf das Schlagbrett gestützt. Sowohl sein Akkordanschlag in Form von Strummings, als auch das Picking von Einzelnoten werden primär mit diesen drei Fingern bewerkstelligt. Dieser "clawhammer"-Style (ein Begriff aus dem Banjospiel) ist wirklich untrennbar mit dem typischen Knopflersound verbunden und ich werde mich in diesem Workshop bemühen, ebenfalls weitestgehend alles mit Fingern zu spielen. Und genau das würde ich euch auch anraten, denn dadurch versteht man Marks Spiel (und auch seinen Sound) viel leichter.

Auch die linke Hand mit ihrem kleinen, schnellen, aber doch einfühlsamen Vibrato und natürlich die fantastische Spieltechnik tragen ihren Teil zum Faszinosum Mark Knopfler bei.

In Sachen Hardware finden wir bei Knopfler stark variierendes Equipment und gerade um die ersten Platten mit ihrem glasklaren, perligen Gitarrensound ranken sich Legenden und Gerüchte. Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei den hier verwendeten Verstärkern um Fender Amps (Vibrolux, Twin Reverb, Concert), die später durch Music Man, Mesa Boogie und auch Marshall Amps erweitert wurden.

Für das Album "Brothers in Arms" kamen Marshall JTM 45 und wohl auch ein Laney-Amp für "Money for nothing" hinzu, da Knopfler angeblich für diesen Track Bill Gibbons Sound (ZZ Top) imitieren wollte. Ende der 80er sieht man Mark dann des öfteren mit einem Soldano SLO 100 Topteil über eine Marshall-Box mit Electro Voice Speakern spielen.

Als Gitarre wird mit Knopfler gerne die Stratocaster assoziiert, und das stimmt natürlich auch bis zu einem gewissen Grad. Mark besitzt jedoch einen immensen Fuhrpark an verschiedenen Gitarrentypen, von Pensa Suhr mit aktiven Pickups über Gibson Les Pauls (insbesondere für "Brothers in Arms"), Steinberger, Fender Telecaster und vielen mehr.

Nichtsdestotrotz: Spricht man vom typischen Knopflersound, so meint man damit den typischen Stratsound aus den Anfängen seiner Karriere, anfangs bevorzugt mit Ahornhals-Strats, später auch gerne mal mit der Palisander-Variante erzeugt. Und natürlich gehört zu seinen Instrumenten auch die eigene Fender Signature, die Mark Knopfler Custom Strat.

Akustische Instrumente sind bei Knopfler z. B. die National Style O Resonatorgitarre, Ovation Adamas oder die Chet Atkins Nylonstring.

Auch wenn Mark in einem Interview aus den 70ern behauptet, keine Effekte zu benutzen, haben die 80er Jahre natürlich auch in Marks Rack Spuren hinterlassen. Dennoch fällt primär der angenehm komprimierte Sound der Erstlingswerke ins Ohr, der angeblich durch einen Dan Armstrong "Orange Squeezer" Kompressor erzeugt wurde. Reverbs und Delays dürfen nicht fehlen, so wie gelegentlich ein homöopathisch dezenter Chorus wahrzunehmen ist. Das WahWah stellt natürlich ein unverzichtbares Tool dar, um den "Money for Nothing" Sound zu erzeugen. Für unsere Zwecke reicht jedoch eine stratähnliche Gitarre (lange Mensur) mit - vorzugsweise - Steg-Singlecoil, da Knopfler häufig die erste Zwischenposition (Steg- + Mittelsinglecoil zusammen) verwendet. Das Ganze geht dann in einen cleanen (Röhren-) Amp, wobei ein Kompressor am Anfang der Signalkette hilft, die oft stark angerissenen Saiten im Attack etwas zu zähmen.

Für ein paar Sounds des "Brothers in Arms" Albums kommt man mit einer Gitarre, die mit einem Halshumbucker bestückt ist, sehr gut zum Ziel, und hier darf auch der Verzerrer oder das WahWah-Pedal ausgepackt werden. Die Akustikparts klingen natürlich mit einer Resonatorgitarre am authentischsten, wobei jede andere Steelstring diese Aufgabe auch erledigt. Der Kapodaster ist ebenfalls ein essenzielles Tool für die Akustikpassagen.

Stilanalyse:

Bei Mark Knopflers Spiel vermischen sich relativ viele kleine Einzelbestandteile zu einem großen Ganzen, in dem der Übergang von Begleitung, kleinen Solofills und kompletten Soli relativ fließend vonstattengeht. Bei ihm bildet alles eine Einheit im Dienste der Komposition.

Da sowohl bei den Dire Straits als auch bei den Soloprojekten fast immer ein Rhythmusgitarrist die Begleitfunktion übernimmt, kann Mark sich häufig auf Verzierungen in Form von Einwürfen und Fills beschränken. Rhythmusgitarrenarbeit findet im Hause Knopfler eher in Form von Fingerpickings auf akustischen Gitarren (z. B. der Resonatorgitarre) oder Double Stops statt.

Werfen wir zunächst einen Blick auf typische Knopfler-Doublestops:

Das klassische "Riff" wird man bei Knopfler eher vergebens suchen. Eine große Ausnahme stellt das Intro von "Money for Nothing" dar. Hier begegnen uns gepickte Quinten und Quarten mit einem sehr ungewöhnlichen Gitarrensound, den man am besten mit einer Les Paul-ähnlichen Gitarre durch den Halspickup erzeugt, den man in einen verzerrten Amp schickt. Im Fall der Dire Straits war dies ein Laney oder Marshall JTM45 - da scheiden sich wohl die Geister. Den nasalen Sound kreiert ihr mit einem feststehenden Filter, was im Prinzip nichts anderes ist als ein Wah Pedal, das ihr an einer fixen Position stehen lasst (d. h. euer Fuß moduliert das WahWah Pedal nicht, sondern kann sich entspannt daneben stellen). Da Knopfler das Riff im Song stark variiert, habe ich euch eine Version notiert, die eine Art Querschnitt darstellt:

Hier die Noten nochmal als PDF zum ausdrucken.

Auf der zweiten Dire Straits Platte "Communiqué" finden wir im Song "Where do you think you're going" ein tolles Doublestop-Motiv, primär bestehend aus Terzen und Sexten. Grundsätzlich sind diese Intervalle prädestiniert für Doublestops, da sich in jedem Dreiklang Terzen (zwischen Grundton und Terz, bzw. Terz und Quinte) und Sexten (zwischen Terz und Grundton in der ersten Umkehrung oder zwischen Quinte und Terz in der zweiten Umkehrung) befinden. Zwar treten auch Quarten und Quinten in Akkorden auf, dennoch lassen sich mit Terzen und Sexten oft lyrischere Effekte erzielen. Durch das Vorkommen dieser Intervalle im Akkordbild kann man sie natürlich auch immer als verkürzte Form der vollen Akkorde einsetzen:

Ein ganz ähnlicher Effekt, nämlich wieder Sexten und Terzen, begegnet uns bei dem Klassiker "Sultans of swing"

Auch im Solospiel sind Double Stops gern gesehene Gäste, wie hier im Auszug aus "Tunnel of Love":

Tolle Rhythmusarbeit findet man auch in Form von Fingerpickings, wie z. B. im Intro von "Romeo and Juliet", gespielt auf einer Resonatorgitarre.

Mark empfiehlt für neue Ideen und Inspirationen, die Gitarre in einem "Open Tuning" zu stimmen und dann ganz kindlich herumzuprobieren, welche Akkorde und Akkordverbindungen entstehen, wenn man sich nicht mehr auf seine bekannten Pattern und Shapes verlassen kann (auf diesem Weg ist übrigens auch "Sultans of Swing" entstanden).

Für "Romeo and Juliet" wählt Knopfler das DGDGBD - (also Open G -) Tuning, allerdings setzt er den Kapodaster in den dritten Bund:

Da das Notenbeispiel relativ lang ist, haben wir es (der besseren Lesbarkeit halber) als praktisches PDF zum Downloaden anzubieten:

Das gleiche Tuning begegnet uns im Intro von "Telegraph Road" - ebenfalls mit einer Resonatorgitarre gespielt, mit dem Kapodaster im dritten Bund:

Auch diesmal gibt es die Noten als PDF:

Mark Knopfler als Solist

Betrachten wir Knopflers Solospiel genauer. Hier begegnen uns viele Elemente aus dem Blues, Bendings aus dem Countrygenre, Arpeggien und neben der Blues- und Durtonleiter auch der Einsatz von Harmonisch, ja bisweilen sogar Melodisch Moll.

Doch zunächst würde ich gerne auf ein paar Soundbesonderheiten eingehen, die mit Knopflers Fingerstyle verbunden sind und knopflersche Soundeffekte erzeugen:

In der folgenden Übung solltet ihr eine Art Wechselschlag mit Daumen und Zeigerfinger vollziehen, wobei der Daumen nach unten schlägt und Zeigefinger nach oben - ja man muss fast sagen "reißt". Hier wechseln sich gemutete Ghostnotes mit angeschlagenen Noten ab. Das Muting wird hier sowohl durch den Greiffinger, der sich leicht abhebt, als auch durch den Handballen der Pickhand erzeugt:

Sehr oft hört man diese gemuteten Noten in Form von Auftakten oder Vorschlagsnoten zur Hauptnote:

Gerne spielt Knopfler auch folgende "Rakes" mit p, i und m (Daumen, Zeige- und Mittelfinger):

Betrachten wir nun ein paar Phrasen und Tonmaterial:

Klassische Blueslicks, manchmal auch in Verbindung mit Durmaterial (siehe auch oben der Soloeinstieg von "Tunnel of love"), finden wir z.B. in der Singleauskopplung "Calling Elvis" des Albums "On every Street" :

Auch im Schlusssolo von "Lady Writer" (Album: "Communiqué") treffen wir ein rasantes, aus der Pentatonik stammendes Repeating-Pattern an:

Im Rideout-Solo von "Telegraph Road" finden wir ein ähnliches Pattern:

Charakteristisch für Countrybendings ist häufig, dass man einen Doublestop greift und einen Ton "bendet", wobei der andere liegenbleiben muss. Dadurch zieht man quasi in ein Intervall hinein, das meist ein Auszug aus einem Akkord ist.

Ein tolles Countrybending für ein A7 begegnet uns in "Sultans of Swing":

... oder auch im Introsolo von "Lady Writer":

Da das Beispiel wieder etwas länger ist, hier die Noten erneut als PDF-Download:

Auch Arpeggien sind typische Bestandteile von Marks Spiel und verleihen ihm die starke melodiöse Komponente, für die er so bekannt und geschätzt ist. Betrachten wir diesen Auszug aus Telegraph Road, in dem Mark geschickt das Gm Arpeggio in ein C- Dur Arpeggio führt.

Und natürlich das Ende des zweiten "Sultans of Swing" Solos - die Harmonien sind Dm, Bb und C -und genau das spielt Knopfler mit den Arpeggien aus:

Viele Kompositionen der Dire Straits bzw. von Mark Knopfler bewegen sich im Mollraum, wobei sogar hier eine kleine Vorliebe für Dm zu erkennen ist, die möglicherweise auch Knopflers optimaler Gesangslage geschuldet ist.

Wie ihr bereits aus meinem Harmonielehreworkshop wisst, erhalten wir in Moll auf der V. Stufe eigentlich ein m7-Akkord als Dominante, der nicht die starke Zugkraft eines Dominantseptakkordes besitzt. Wollen wir diese V. Stufe zu einem Dominantseptakkord verwandeln, müssen wir seine Terz erhöhen. Verwenden wir diese erhöhte Terz in der Ursprungsmolltonleiter, so gewinnen wir ein neues Tonfeld, nämlich harmonisch Moll. Und genau das macht sich Knopfler bei diesen (sich nach Moll auflösenden) Dominanten zunutze. Im konkreten Fall von Dm heißt das: Dm ist die Tonika (d. h. wir bewegen uns im Vorzeichenbereich von F Dur, also einem "b") und A7 die Dominante (mit c# als großer Terz).

Betrachten wir die Akkordfolge von "Sultans of swing":

 

II: Dm I Bb C I A7 I A7 :II

 

Für uns als Solisten - und so denkt auch Knopfler - können wir die ersten beiden Akkorde mit der Dm-Tonleiter ausspielen, für den A7 verwenden wir jedoch die D Harmonisch Moll Scale (bzw. den 5. Modus A HM5). Allerdings darf man nicht unerwähnt lassen, dass Mark, trotz des harmonischen Zusammenhangs, gelegentlich auch beinhart die mixolydische Tonleiter einsetzt (z. B. über den A7: die None b oder die große Sexte f#). Hier ein Beispiel aus "Sultans of swing" - ein A Dur add4 Quintraum (aus D harmonisch Moll):

Auch in "Private Investigation" begegnet uns die Harmonisch Moll Tonleiter, ein B7, der uns zu einem Em führt, lädt dazu ein, E Harmonisch Moll bzw. B HM5 auszupacken (auch sehr schön zu sehen, wie Knopfler das B7 Arpeggio ausspielt):

Auf der VII. Stufe dieser Tonleiter befindet sich ein verminderter Septakkord, der sehr gut über der Dominante eingesetzt werden kann. Hier dazu ein Beispiel aus "Telegraph Road":

Auf Knopflers erster Soloscheibe "Golden Heart" aus dem Jahre 1996 finden wir das Stück "Rüdiger" (einem sehr anhänglichen deutschen Fan gewidmet). Hier kann man ein sehr gelungenes Beispiel für den Einsatz der Melodisch Moll-Tonleiter in einem Popsong hören:

Das Beispiel ist relativ lang, deshalb wieder als ...PDF!

Zum Abschluss möchte ich euch gerne noch ein paar längere Auszüge aus Knopfler-Soli präsentieren.

Betrachten wir "Sultans of swing" mit seinen beiden Soli. Hier finden wir viele der oben genannten Punkte: die bereits vorgestellte Arpeggiophrase, Countrybending und Pentatonik-Licks.

Hier das erste Solo :

Die Noten als PDF:

Im zweiten Solo geht Mark schon etwas mehr zur Sache:

Und die Noten zum Downloaden:

Der Song "Telegraph Road" vom Album "Love over Gold" ist regelrecht gespickt mit Gitarrensoli. Deshalb werfen wir Auge und Ohr auf das erste Solo:

Die Noten des ersten Solos:

Das Antikriegsstück "Brothers in Arms" von der gleichnamigen Platte ist ein Paradestück für melodiöses, ja fast schon vokales Gitarrenspiel. Marks Ton, die Volume-Swells (erzeugt durch das Volumenpoti an der Gitarre) und die vielen kleinen wunderschönen Motive machen Knopflers Gitarrenarbeit auf diesem Song epochal.

Da die ganzen kleinen Fill-Ins ebenso ausschlaggebend für die Wirkung des Stückes sind, habe ich mir erlaubt, bereits etwas vor dem eigentlichen Solo einzusteigen. Knopfler spielt hier eine Gibson Les Paul, mit dem Halstonabnehmer über einen Marshall JTM 45:

Und die letzten Noten dieses Play-Alike Workshops als PDF:

So viel zum Kollegen Knopfler. Ich hoffe, ich konnte euch in dieser Play-Alike Ausgabe einen repräsentativen Querschnitt seiner Spielweise präsentieren. Was mir bei Knopflers Spiel besonders imponiert, ist seine unglaubliche Ehrlichkeit und sein geschmackvoller Stil. Das bekommt man in dieser Ausprägung nicht häufig zu hören. Und ganz egal, ob man auf Metal oder Jazz steht, eine gehörige Portion "Knopflerismen" sollte jeder Gitarrist im Portfolio haben.

In diesem Sinne, Viel Erfolg und Spaß!

Zum Abschluss möchte ich euch noch einen Auszug der Knopflerschen Diskographie vorstellen, bei der ich auf unzählige Eps, Greatest Hits oder Live Bootlegs verzichtet habe:

Mit den Dire Straits:

  • 1978: Dire Straits
  • 1979: Communiqué
  • 1980: Making Movies
  • 1982: Love over Gold
  • 1984: Alchemy
  • 1985: Brothers in Arms
  • 1991: On Every Street

Solo:

  • 1996: Golden Heart
  • 2000: Sailing to Philadelphia
  • 2002: The Ragpicker's Dream
  • 2004: Shangri-La
  • 2007: Kill to Get Crimson
  • 2009: Get Lucky
  • 2012: Privateering

Mit anderen

  • 1990: Neck and Neck (mit Chet Atkins)
  • 1990: Missing...Presumed Having A Good Time (mit The Notting Hillbillies)
  • 2006: All The Roadrunning (mit Emmylou Harris)
  • 2006: Real live Roadrunning (mit Emmylou Harris)

Soundtracks

  • 1983: Local Hero,
  • 1984: Cal
  • 1984: Comfort and Joy,
  • 1987: The Princess Bride
  • 1989: Last Exit to Brooklyn
  • 1993: Screenplaying
  • 1998: Wag the Dog
  • 1999: Metroland
  • 2001: A Shot at Glory

Verwandte Artikel

User Kommentare