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28.09.2016

Peluso 2247SE Standard Edition Test

Neumann U-47-Clone mit Stahlröhre

Es muss nicht immer VF14 sein

Das Peluso 2247LE und das 2247SE – beides Nachahmungen des legendären Studiomikros Neumann U 47 – unterscheiden sich in der Produktbezeichnung durch einen Buchstaben und technisch in erster Linie durch die Verwendung unterschiedlicher Röhren: Während das 2247LE eine VF14 nutzt, hat John Peluso dem 2247SE eine 6SJ17 eingepflanzt. Ob das ein Unterschied ist, der auch wirklich klanglich nachvollzogen werden kann? Nun, zusätzlich zu diesem Review gibt es einen Direktvergleich der insgesamt drei Neumann-Clones des Herstellers. 

Details

Röhre: 5693/6SJ17

In der Einleitung angesprochen, kann ich sie nun nicht erst einmal links liegenlassen – daher widme ich mich ihr direkt: der Röhre. Die 5693/6SJ17 ist wie auch die originale VF14 eine Vakuumröhre, die nicht im Glas-, sondern im Stahlmantel kommt. Wenige selektierte Bauteile und natürlich ein Übertrager finden sich in nächster Nähe des Tubus.  

Niere und Acht. Und andere Polar-Patterns.

Eine Röhre benötigt eine Betriebsspannung, die bei fast allen Mikrofonen durch ein separates Netzteil bereitgestellt wird. Und während beim originalen U 47 nur Niere und Kugel zur Verfügung standen (oder Niere und Acht, im Falle des sonst fast identischen U 48), kann bei Pelusos Interpretation Niere, Acht und Kugel eingestellt werden – und noch jeweils drei Zwischenstufen, wodurch sich insgesamt neun Patterns ergeben. 

Mittenkontakt und Braunmühl-Weber

Verschaltet werden dabei die Signale der beiden goldbedampften 1“-Mylar-Membranen, die Rücken an Rücken stehen und somit die klassische „deutsche“ Braunmühl-Weber-Konstruktion darstellen, bei welcher die eine Membran der jeweils anderen als Laufzeitglied dient. Und mittenkontaktiert sind sie auch: Die Spannung für die bewegliche Seite der Kondensatorkapsel wird über einen Kontakt mit einem kleinen Käbelchen aus dem Zentrum der Kapselfolie herausgeführt statt wie etwa bei der CK12 (AKG C12, AKG C 414 EB/I) von der Seite. Dadurch unterscheiden sich die Partialschwingungen der Membranen etwas. 

Mikrofongehäuse klassisch

Verpackt ist die ganze Technik in einem einfachen, mattierten Metalltubus, die Kapselkonstruktion ist mit einem Gitter geschützt, welches wie beim Vorgänger aus Berlin ein aufragendes „Kopfgitter“ besitzt. Dadurch ist der Verweis auf das historische Original recht eindeutig. 

Werte keine Überraschungen

Keine großen Überraschungen findet man, wenn man in die technischen Angaben schaut. Der Übertragungsbereich, sicher für die Niere auf Hauptachse definiert, liegt bei 20 Hz bis 22 kHz, wobei hier die Angaben für den dortigen Abfall fehlen. -3dB, wie meist als Standard verwendet, sind kaum vorstellbar. Ein Blick in den grafischen Frequenzgang zeigt eine recht linear wirkende Kurve. Wenn man genau hinschaut, sieht man aber, dass die Skala bei 40 Hz beginnt und bereits bei 15 kHz endet. Auch die y-Achse zeigt den Pegel mit einer Abweichung von +/- 60 dB (!), insofern sind die Abweichungen von der 0dB-Achse recht groß, etwa die Boosts bei 2,5 und 10 kHz. Das Rauschen ist mit 14 dB(A) für ein Röhrenmikrofon alter Schule ausreichend moderat. Aber was zählt, ist ja schließlich der Sound, deswegen folgt jetzt direkt die Praxis.

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