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31.03.2018

Pearl Masters Maple Reserve (MRV) Rock Shellset & Snare Test

Dreiteiliger Kesselsatz und Snare

White Wedding

Der japanische Hersteller Pearl hat in seiner mittlerweile 72-jährigen Firmengeschichte zahlreiche Schlagzeug-Serien auf den Markt gebracht. Namen wie Masters Custom, Session oder Reference gehören zu weltweit bekannten und etablierten Linien, sieht man vom Allzeit-Dauerbrenner, dem Pearl Export einmal ab. Auch wenn die zahlreichen Kürzel hinter den einzelnen Serien wie BRX, MMX, MBX, MSX, MHX, MCX, usw. … den einen oder anderen Drummer eher verwirren können, die Konzepte hinter den Kesselkonstruktionen - ob mit oder ohne Verstärkungsringe, ob aus Ahorn, Birke oder Mahagoni - werden bei Pearl gern von Zeit zu Zeit wieder aufgewärmt. Die Trommel bleibt schließlich rund.

Die heute vorliegenden Maple Reserve Kessel verfügen über vierlagige Maple-Kessel mit eingeleimten, ebenfalls vierlagigen Verstärkungsringen. Mit diesem Konzept kam ich das erste Mal in den späten 1990er Jahren unter der Bezeichnung MMX in Berührung. Aber es haben sich, gerade was die Hardware betrifft, im Hause Pearl auch einige Dinge gewandelt und wurden natürlich auch weiterentwickelt, wie man bei dem aktuell vorliegenden MRV Set sehen kann. 

Zweimal Pearl Masters Maple, was hat es damit auf sich?

Pearl bietet mit dem Masters Maple Complete ein vierteiliges Shellset zum vergleichsweise günstigen Kurs von 1399 Euro an, da verwundert es sicherlich so einige, was denn ein weiteres, ebenfalls mit Maple-Kesseln bestücktes Set mit üppigerem Preisschild im Portfolio macht. Etwa Konkurrenz im eigenen Haus? Oder soll da vielleicht eine ganz andere Käuferschicht angesprochen werden? Wir checken jetzt, was das Maple Reserve über und unter der Haube zu bieten hat.

Details

Wir bekamen vom Vertrieb Pearl Europe ein dreiteiliges MRV Rock Shellset (EUR 2099,-) zum Test. Dabei handelt es sich um die vormals besonders bei Big Band Drummern & Classic Rockern beliebten und seit ein paar Jahren wieder schwer in Mode gekommenen Größen 24“ x 14“ (Bassdrum) und 13“ x 09“ (Tom). Nur das um zwei Zoll flachere 16“ x 14“ Floortom mutet etwas moderner als der Rest des auf Retro getrimmten Kesselsatzes an. Alle Kessel sind in der Farbe #353 mattweiß lackiert, dies wurde sehr ansehnlich und makellos ausgeführt. Insgesamt sind im Pearl Katalog vier mögliche MRV-Konfigurationen und fünf Farben gelistet. Auch unter der Haube gibt es nichts zu meckern: Perfekt runde und versiegelte Maple-Kessel und sehr sauber ausgeführte Gratungen, die auf Höhe der zweiten Lage in einem 45-Grad Winkel nach innen hin abfallen. Die Stimmschrauben sind aus Edelstahl, und alle Teile sind natürlich gummiunterlegt.

Als Spannreifen kommen die aus der Reference Pure Serie bekannten Fat Tone Hoops zum Einsatz. Dabei handelt es sich um stabile, aber nur 1,6 Millimeter starke Reifen, die auf der oberen Kante nach außen gebördelt sind. Auch hier gibt es keine Beanstandungen, alle Reifen sind perfekt rund. Die alten Pearl MMX hatten übrigens Gussreifen, eine Kombination, die einige Drummer in Verbindung mit den dünnen Kesseln nicht so optimal fanden. Ich bin gespannt, wie viel Potential die Fat Tone Reifen entfalten können.

Bei der Ausstattung gibt es (fast) keine Kompromisse

Neben der Kesselkonstruktion (die Masters Complete Serie hat sechslagige Kessel ohne Verstärkungsringe) sind es vor allem die kleinen, technischen Details, mit denen sich die Masters Reserve Serie vom deutlich günstigeren Mittelklasse-Bruder abheben möchte. Dazu gehören, neben den Spannreifen, auch die Befestigung der Floortom-Beine, hier gibt es beim MRV eine elegante und sehr leichtgängige Lösung: Statt einer Schraube, die auf das Bein drückt, üben zwei verchromte Backen gleichmäßigen Druck beim Festschrauben aus. Beim 13er Tom ist es die teurere OptiMount-Aufhängung, die aus verchromtem Aluminium besteht und bisher nur in den Serien Reference oder Masterworks zum regulären Lieferumfang gehörte. Ein passender Tomhalter findet sich beim Kauf des Shellsets allerdings nicht mehr im Karton. Ein Trend zu Lasten des Käufers, der sich bei vielen Herstellern in den letzten Jahren leider etabliert hat.

Die 24“ x 14“ Zoll messende Bassdrum ist ungebohrt, hat zwei massive Teleskopbeine und ist auch sonst direkt bereit zum Losrocken: Ein Kissen, das mit einem Klettband am Boden der Bassdrum fixiert wird, dämpft leicht im Inneren, das vorgedämpfte Resonanzfell hat ein praxisgerechtes Loch, und am Schlagfell (in unserem Fall ein Remo Powerstroke 4) findet sich ein Falam Pad. Auch der Spannreifen ist sehr ausführlich gegen Ratscher der Fußmaschine gewappnet. Das Set ist rundherum mit Remo USA Markenfellen bestückt (das Maple Complete hat zum Vergleich nur Remo UT China Felle). Auf den Toms sind normalerweise beidseitig klare Ambassador Felle aufgezogen, die Bassdrum verfügt im Lieferumfang über ein klares Powerstroke 3 Schlagfell. Da unser Set ein Vorführer ist, weicht unsere Fellbestückung mit klaren Pinstripes auf den Toms und dem Powerstroke 4 Bassdrum-Schlagfell etwas von der Norm ab.

Die Maple Reserve Snare ist optional erhältlich

Zum Test haben wir außerdem eine passende Maple Reserve Snare bekommen. Die 14“ x 6,5“ große Trommel hat ebenfalls den vierlagigen MRV Kessel mit Verstärkungsringen. Die Kesselkonstruktion in Verbindung mit der weißen Optik erinnert mich spontan an eine sehr bekannte Pearl Signature Snare, nämlich das erste Dennis Chambers Signature-Modell. Auch wenn Details wie Spannböckchen, Abhebung und Spannreifen bei Dennis' Snare etwas anders ausfallen, liegt der Vergleich doch recht nahe. Die MRV Snare hat einen 20-spiraligen Stahlteppich und ist mit Remo Ambassador Coated und Snareside Fellen bezogen. Als größte Besonderheit zur Maple Complete Snare und zum Rest des MRV Shellsets stechen die Spannböckchen ins Auge. Dabei handelt es sich um die massiven Messing Tube Lugs aus der Reference Serie. Bei der Teppichabhebung wurde das einfach konstruierte, aber sehr leichtgängig laufende SR-017 Modell verbaut. Die Snare ist, wie das gesamte Shellset auch, makellos und sehr ansprechend verarbeitet. Auf geht’s in den Praxistest.

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