Gitarre Hersteller_Ovation
Test
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09.05.2019

Praxis

Tatsächlich, die Korpuskante bringt's: Die Elite Plus 8-String liegt gut und sicher am Körper, auch wenn man mal ohne Gurt und im Sitzen unterwegs ist. Am Gurt neigt sie sich nicht ganz so in Richtung Spieler wie andere Ovations.

Der Hals liegt gut in der Hand. Er ist mit 55 Millimetern Breite und 25 Millimetern Dicke natürlich ein ganz schöner Prügel, aber er muss acht Saiten Platz bieten. Dafür kommt man erstaunlich gut mit ihm klar, auch wenn man keine vielsaitigen Gitarren gewöhnt ist. Woran man sich speziell in diesem Fall jedoch gewöhnen muss: Acht Saiten sind eben doch zwei mehr, und die Orientierung auf dem Griffbrett benötigt Konzentration und Übung.

Für die Stimmung der acht Saiten gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen die E-Gitarren-übliche Stimmung in Quarten abwärts. Die siebente Saite wäre dann auf B (=H), die achte Saite auf Fis gestimmt. Die gewohnten Pattern kann man dann unverändert eine und zwei Saiten tiefer einsetzen. Man kann aber auch einen Blick zu den Klassikern werfen, die die beiden tiefen Saiten jeweils einen Ganzton tiefer stimmen, also auf D und auf C. Damit kommt man zwar nicht ganz so tief, aber die tiefen Saiten tönen speziell im Attack definierter, weil sie nicht ganz so schlapp sein müssen.

Rein akustisch hat die Elite Plus 8-String nicht viel zu bieten, vor allem keine Lautstärke. Der Klang ist zwar ausgeglichen, tönt nichtsdestotrotz ein wenig flach und undynamisch. Das ist jedoch kein Problem, denn eine Ovation wird höchstens mal auf dem heimischen Sofa so gespielt werden - das wahre Potential entfaltet sie, wenn man sie verstärkt.

Der Sound, denn man dann erhält, ist druckvoll - eine entsprechend potente Verstärkung vorausgesetzt. Ich erinnere daran, dass in der werksseitig vorgesehenen Stimmung die tiefste Saite nur einen Ganzton über der tiefen E-Saite eines Basses tönt. Mit einer angemessenen Verstärkung und der entsprechenden Boxenfläche kann die Ovation dann uneingeschränkt die Bassfunktion übernehmen.

Mir persönlich gefällt es jedoch besser, wenn man die Bässe eher schlank und durchsichtig hält. Es tönt dann sehr tief, aber nicht fett, so dass Pattern und Licks durchsichtig und brillant bleiben. Das Ganze erinnert dann ein wenig an die Bässe eines Pianos. Der an sich ungeliebte Piezo-Charakter des Pickups unterstützt in diesem Fall das Durchsetzungsvermögen und die Abgrenzung zum Bass.

Beeindruckend ist dann noch die Wirkung der beiden Regler Drive und Expressor. Was immer die beiden machen, es klingt toll, will aber vorsichtig dosiert werden. Ich habe jedes Soundbeispiel drei Mal gespielt und jedes Mal die Einstellung geändert (alles auf Null, alles auf halb und alles auf voll). Das hört man natürlich nur bei den elektrischen Beispielen, auf den akustischen Sound wirkt es sich nicht aus.

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