Hersteller_Olympus
Test
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08.01.2013

Praxis

Der Startvorgang läuft beim Olympus LS-14 etwas anders ab als beim LS-12. Ich habe zunächst nach unterschiedlichen Default-Einstellungen gesucht, doch war es etwas anderes, es gibt noch einen weiteren kleinen Unterschied. Offenbar verfügt der teurere der kleinen mobilen Digitalrecorder über einen kleinen ROM-Soundspeicher für Spielchen wie eine Startfanfare, aber da ist noch mehr: Stellt man als Menüsprache Englisch ein, hat man beim LS-14 die Möglichkeit, einen Voice-Guide zu aktivieren, bei welchem die momentanen Menüpunkte vorgelesen werden. Das ist ein kleiner, aber nicht unerheblicher Schritt in Richtung der vielbeschworenen, aber noch fast immer schlecht umgesetzten Barrierefreiheit. Ich bin angenehm überrascht, dass hier nicht mit breitem, pseudoamerikanischem Englisch gearbeitet wurde, sondern mit einem britischen Akzent mit flachen Vokalen. Sicher: Die kleine Olympus-Dame ist vielleicht nicht so schlau wie Siri, aber auch nicht so frech. Gut.

Da ich den LS-14 Recorder nun schon in die Hand genommen habe, beginne ich auch mit ihm. Leider hat man als User nur etwas eingeschränkten Zugriff auf die Mikrofonierungsvarianten. Ich hätte mir beispielsweise gewünscht, einstellen zu können, mit welchem Pegel das Mittenmikrofon zugemischt wird oder statt des Mitten- vielleicht auch mal die beiden Stereomikrofone abschalten zu können. Und absolut glücklich wäre ich ja, wenn sich die Kapselsignale getrennt voneinander aufnehmen ließen, denn in diesem Fall könnte man nachträglich alles festlegen (bei der Aufnahme des Sylvester-Feuerwerks wäre das aufgrund der hohen Drücke durch die Explosionen eine grandiose Möglichkeit gewesen). Die Verarbeitungs- und Speicherkapazitäten des LS-14 hätten dies mit Sicherheit hergegeben, doch will man offenkundig Non-Pro-User (freundlicheres Wort als "Anfänger", gell?) nicht verwirren. Apropos: Es ist zwar wirklich praktisch, den Smart-Mode zur Verfügung zu haben, der eine Weile automatisch nach dem höchsten Pegel sucht und sein Record-Level danach festlegt, allerdings kann es durchaus zu Verwirrungen mit dem Quick-Modus kommen, welcher eine einfache, sofortige Aufnahme erlaubt. Bei Fotoapparaten ist der einfachste Standardmodus ja meist mit grün gekennzeichnet, das würde dem Rookie hier sicher auch helfen. Und "Quick" ist nicht so einfach zu verstehen wie "Beginner Mode" oder "Easy Recording". Aber alles ist halb so wild, denn wer sich ein wenig mit seinem neuen Gerät auseinandergesetzt hat, wird sehr schnell starten können und gute Ergebnisse erzielen. Ich habe keine Kritikpunkte am Menüaufbau – was beispielsweise Übersichtlichkeit oder Ablesbarkeit angeht – finden können. Die Einstellungen und Funktionen sind immer dort, wo man sie vermutet (es gibt tolle "kontextsensitive" Menüs, beispielsweise im Record-Modus), wenngleich ich ein großes Gain-Rad in Abgrenzung zu Plus-Minus-Tastern immer bevorzuge, wenn ich pegeln möchte. Hier findet man auch eine kleine Einschränkung des Lobes über die Auffindbarkeit von Parametern, denn sehr viele Erst-User werden im Manual-Modus statt des Aufnahmepegels zunächst aus Versehen das Abhörlevel einstellen – es ist nicht klar ersichtlich, was auf dem großen Bedienelement vertikal und was horizontal gesteuert wird. Die Beschriftung mit den Icons hilft da auch nicht viel weiter.  

Schön ist die auch bei anderen Geräten beliebte Pre-Record-Funktion, die wohl schon oft geholfen hat, "nachträglich" Audio festzuhalten und keine wichtigen Signale zu verpassen. Auch die Möglichkeit, mit Metronom zu arbeiten, ist gut, doch sind mir die Einstellungen für das Tempo dann doch ein paar Navigationspunkte zu weit entfernt, um es mal eben zu variieren. Sehr gut hingegen ist die Tune-Funktion, die grob über die beiden LEDs funktioniert und auf dem Display konkreter wird. Geradezu hervorragend ist der "Long Mode", welcher quasi die History des Tunings auf dem Display angibt und zum Üben einer konstanten Intonation oder eines kontrollierten Vibratos der Gesangsstimme oder Instrumenten wie Posaunen helfen kann.  

Klanglich arbeiten LS-12 und LS-14 wie zu erwarten. Mobilrecorder wie die beiden Olympus sind üblicherweise klar, etwas bassarm und verfügen über eine gute Darstellung des Bereichs, in welchem die wesentlichen Signalanteile vorkommen, die zur Sprachverständlichkeit beitragen. So sind auch die beiden Diktiergerät-Nachfolger deutlich und präzise, aber tendieren glücklicherweise nicht zu Schärfe bei spitzen Konsonanten. Man kann dort eine gewisse "Breite" ausmachen, allerdings werden die meisten User dies durchaus angenehm finden. Dadurch, dass Mikrofone, Vorverstärkung und Aufnahmesystem hier eine Einheit bilden, können derartige Zusammenhänge seitens des Herstellers auch vernünftig gesteuert werden – und das funktioniert ausreichend gut. Natürlich könnte das Stereobild durchaus etwas präziser sein, aber das ist wahrscheinlich in erster Linie dem Abstand der Kapseln geschuldet und den angestrebten Anwendungsfelder der beiden PCM-Recorder nicht wirklich abträglich. Schaltet man das Zusatzmikrofon des LS-14 ein, ist der Bass wie zu erwarten etwas voller und das Signal bauchiger, was gerade bei Atmoaufnahmen willkommen ist. Das Sterobild leidet übrigens nicht darunter - wie es den Anschein hat, wird zusätzlich zum Mittenmikrofon ein Tiefpassfilter auf das Monosignal und ein Hochpassfilter auf die Signale der beiden richtenden Kapseln gelegt – das ist in jeglicher Hinsicht hier auch sinnvoll. Übrigens klingen LS-12 und LS-14 ohne M-Mikrofon wirklich absolut identisch.

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