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Test
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07.08.2013

Oktava MK-012- MSP6 Test

Kleinmembran-Kondensatormikrofon-Modularsystem

Einfach, robust, gut

Das Oktava MK-012- MSP6 im bonedo-Test - Die russische Firma Oktava hat ihr Set MK-012 MSP6 zu unserem großen Kleinmembrankondensator-Testmarathon beigesteuert. Doch Moment mal: Deutschland, die Vereinigten Staaten, dann vielleicht noch Großbritannien, Dänemark, Schweden und Japan haben viel Erfahrung und einen guten Ruf im Mikrofonbau, China wächst so langsam über den Status einer reinen und dumpfen Produktionsstätte hinaus – aber Russland? Ganz recht: In der ehemaligen UdSSR wurden in der russischen und der lettischen SSR ebenfalls fleißig hochwertige Mikrofone konzipiert und gebaut, wenn auch die ostdeutschen Neumann-Nachfolgebetriebe den besseren Ruf im Ostblock hatten.

Oktava baut das MK-012 fast seit der Zeit der Kuba-Krise im russischen Tula, selbst die trubeligen Zeiten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat das Unternehmen gut weggesteckt und fabriziert weiter fleißig Mikrofone für die Welt. Diese Angaben stimmen also zuversichtlich, dass auch das aktuelle MK-012 nicht nur einfach preiswert, sondern sein Geld auch wert ist und zu Recht eine derart weite Verbreitung und lange Produktgeschichte vorweisen kann.

Details

Sehr unsowjetisch: beachtliche Vielfalt!

Die hier getesteten Oktava MK-012 sind modular aufgebaut und streng genommen nur ein kleiner Teil eines durchaus stattlichen Modularsystems. Der Body des MK-012 kann mit einer Vielzahl an Kapseln bestückt werden, von denen drei unterschiedliche dem Set beiliegen. Neben Achten gibt es verschiedene Oktava-Großmembrankapseln mit Frontfire oder Sidefire zu erstehen, zudem ist das System offen für Dritthersteller, Kapseln gibt es auch von Red und RTT (Russian Transducer Technology). Mit zwölf Kapseln ist das russische System zwar bei Weitem nicht so umfangreich wie das des Kleinmembranherstellers Schoeps, doch deutlich günstiger. Zwischen Kapsel und Body lässt sich bei Bedarf ein Pad (-10 dB) schrauben, unter Umständen auch zwei. Für jedes der beiden Mikros des Stereosets befindet sich ein solches Dämpfungsglied im Lieferumfang. Nicht mit dabei ist das Hochpassfilter, das auf die gleiche Weise installiert wird. Wem der Korpus nicht klein genug ist, kann also einerseits auf das Aufschrauben von Zusätzen oder großer Kapseln verzichten (was man sowieso sollte, außer die Situation erfordert es unbedingt) und sich des kleineren Korpus bedienen, den es mittlerweile ebenfalls gibt: MK-012s. Dass das angehängte "s" dabei nicht für "sowjetisch-stalinistisch-supergroß" steht, versteht sich wohl von selbst. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass das Mikrofonset mittlerweile auch in Mattschwarz erhältlich ist.

Kapsel wechsel dich

In der Holzschatulle findet man außer den Verstärkereinheiten die insgesamt sechs Wechselkapseln, die angesprochenen 10dB-Dämpfungsglieder und die einfachen, aber äußerst praktischen (und haltbaren!) Mikrofonklemmen. Wie zu erwarten sind Kugeln und Nieren dabei, die dritte Charakteristik im Bunde ist eine Hyperniere. Es prangt keine Typenbezeichnung auf den Kapseln, denn diese gibt es nicht: Sie heißen einfach nur Cardioid-, Hypercardioid und Omni-Capsule und werden durch das aufgedruckte Pattern unterschieden.

Oktava hat es sich gespart, den Kapseln unterschiedliche Gehäuse zu spendieren, und so sind die rückseitigen Schalleintrittsöffnungen bei einem Druckempfänger natürlich sinnlos, der rückwärtige Weg zur Membran ist sowieso verschlossen. Die Kugel bleibt bis ungefähr 8 kHz halbwegs konstant in ihrer Richtungsempfindlichkeit, nur Mikrofone mit deutlich kleinerer Membran (und entsprechend geringerer Abschattung) weisen andere Werte auf. Die leichte Anhebung des Frequenzgangs um 7 kHz findet sich auch bei der Verwendung der richtenden Druckgradientenempfänger Niere und Hyperniere, doch ist bei diesen das Air-Band etwas träger.

Nennimpedanz: 300 Ohm

Oktava gibt keine unterschiedlichen Messwerte für die verschiedenen Kapseln an, daher kann man zunächst davon ausgehen, dass diese identisch sind. So liegt das gehörangepasste Eigenrauschen bei 18 dB(A), ohne Pad liegt die Grenze, über der das Signal mit mehr als einem halben Prozent THD angereichert ist, bei 130 dB. Diese Angabe gilt nicht wie sonst üblich für 1 kHz, sondern in der gesamten Range von 250 Hz bis 8 kHz (groß wären die Unterschiede aber auch bei anderen Mikros nicht, nur hat sich die Angabe von 0,5 % bei 1 kHz durchgesetzt). Die Impedanz des Bodys liegt mit 300 Ohm deutlich über dem Wert von 200 Ohm, der seitens der Preamphersteller meistens empfohlen wird (als maximal ein Fünftel der Abschlussimpedanz des Vorverstärkers) und der von den meisten Mikrofonherstellern auch brav unterboten wird. Allerdings liegen die tatsächlichen Eingangsimpedanzen der Amps oft weitaus höher (oft 1,5 oder 3 kOhm), außerdem gibt es einige tolle Mikros, die ebenfalls "zu hohe" Impedanzen aufweisen, das grandiose Coles 4038 hat beispielsweise auch 300 Ohm. Und, sicher die wichtigste Aussage: Gravierende Klangunterschiede sind nicht zu erwarten, bei 500 oder gar 1000 Ohm sähe die Chose schon ganz anders aus. Der zu erwartende Höhenabfall ist also nicht sonderlich der Rede wert. Egal, mit welcher der mitgelieferten Kapseln, die Empfindlichkeit der Kapsel-Korpus-Kombination beträgt immer 10 mV/Pa, was nicht sonderlich viel ist und einen kräftigen, wenn möglich auch rauscharmen Preamp zum Betrieb anrät.

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