Hersteller_Neumann Mikrofon
Test
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03.01.2011

Praxis

You don´t have to fix it in the mix

Beim Schlussfazit in der 900-Euro-Klasse waren sich mein Kollege Nick und ich nicht eindeutig einig, welches Mikrofon uns am besten gefallen hat – wir hatten beide einen anderen Favoriten. Dieses Mal, in der 1500-Euro-Klasse, herrschte glückselige Einigkeit im bonedo-Mikrofonland: Das Neumann TLM 49 ist unser Gewinner! Somit hätten wir also schon mal geklärt, dass uns dieses Mikro sehr gut bzw. am besten gefallen hat. Aber was macht das TLM 49 zum Gewinner? Sein Charakter. Denn davon hat dieses Mikrofon einiges zu bieten. Die Signale klingen alles andere als neutral, doch genau das, was das Neumann in unserem Fall mit den Vocals macht, ist einfach hervorragend und als „Veredeln“ zu bezeichnen. Die Signale sind sofort mixfertig – hier noch etwas im Nachhinein beim Mix zu „versauen“, ist schon fast eine Kunst.

Ein Klang mit behaglicher Wärme, in Samt und Seide gebettet

Die Höhen wirken, obwohl sie mit einer hohen Brillanz rüberkommen, wie in Samt und Seide gehüllt. Wer kristallklare „Open-End-Höhen“ haben möchte, ist hier an der falsche Stelle. Doch das wäre bei diesem Mikro auch unpassend und würde diesen schönen, warmen Vintage-Sound zerstören. Als sehr angenehm und edel empfanden wir dies vor allem bei Alices Breathing. Welch wohliges Hauchen da aus purer Luft plötzlich gezaubert wird, ist schon toll. In den unteren Mitten und Bässen ist uns aufgefallen, wie sanft und schon fast subtil der Nahbesprechungseffekt beim TLM 49 einsetzt. Bei vielen anderen Mikros setzt dieser Effekt relativ schmalbandig und somit auch abrupt ein, hier ist es fast so, als würde ein langsam und in die Breite ansteigendes Shelf-Filter zugeschaltet. Das sorgt einfach dafür, dass man seinen Signalen bei kürzerem Abstand zum Mikro zu ein bisschen mehr Druck verhilft. Bei unserem Sänger Goldie war es hier und da ein wenig zu dick untenrum. Das stellt aber kein wirkliches Problem dar, da man hier einfach ab ca. 100 Hz etwas cutten kann. Besser, es ist etwas zu viel da als zu wenig – per EQ rausdrehen ist immer besser als reindrehen. Zu den Mitten lässt sich sagen, dass dieser Frequenzbereich wirklich sehr gut und fein aufgelöst wird, so dass sich auch kleine Nuancen mühelos nachvollziehen lassen. Natürlich klingen auch die Mitten nicht neutral, sondern sorgen mal wieder für behagliche Wärme im Gehörgang.

Hier kommt Farbe in die Stimme

Noch einmal: Färbung ist beim TLM 49 definitiv vorhanden, reichlich sogar, aber genau diese ist auch Trumpf. Beim Klang dieses Mikrofons nervt definitiv nichts – alles, was es macht, ist so genau richtig. Sorry, wenn ich mich wiederhole – wer dieses Mikro schon einmal gehört hat, wird mich (hoffentlich) verstehen. Neumann hat ja bei der Entwicklung und Planung dieses Modells von Anfang an versucht, den Charme und Sound vergangener Zeiten neu aufleben zu lassen – und genau das ist auch gelungen. Man kennt diesen speziellen Sound von unzähligen großen Produktionen. Aus diesem Grund kommt einem der Klang des TLM 49 auch sofort sehr vertraut vor.

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