Test
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25.02.2019

Neumann NDH 20 Test

Geschlossener Studiokopfhörer

Der Herausforderer!

Neumann NDH 20 – das ist ein geschossener Studiokopfhörer. “Ein Kopfhörer von Adam Audio?“ schrieb ich an dieser Stelle vor wenigen Monaten und nun das: Ein Kopfhörer von Neumann! Als geschlossener Studiokopfhörer handelt es sich bei Neumanns Debütanten sogar um ein direktes Konkurrenzprodukt, das gemäß Marketing-Aussagen das Zeug dazu hat, das Marktsegment professioneller Kopfhörer gehörig aufzumischen.

Ob dies tatsächlich der Fall sein und der Neumann NDH 20 auf ähnlich erfolgreiche Weise den „Hörnerv“ Ton- und Musikschaffender treffen könnte, wie es beim Lautsprecher-Debüt des legendären Mikrofonspezialisten vor einigen Jahren der Fall war, wollen wir in unserem Test herausfinden.

Details

Neumann NDH 20: Bauweise

Neumanns NDH 20 ist ein dynamischer Kopfhörer in geschlossener Bauweise, dessen Faltmechanismus ein platzsparendes Zusammenklappen des 388 g (ohne Kabel) schweren Kopfhörers ermöglicht.

Verarbeitung des Neumann-Kopfhörers

Der laut Verpackungsaufdruck überraschenderweise in China gefertigte Kopfhörer zeichnet sich durch eine tadellose Verarbeitung und einen hochwertigen, von Metallbauteilen dominierten Materialmix aus. Die Ohrmuscheln bestehen aus Aluminium und auch die wesentlichen Bestandteile des soliden Gelenkmechanismus und der Bügelkonstruktion bestehen aus Metall, was eine hohe Lebensdauer erwarten lässt. Als Polstermaterialien dienen eine Velours-ähnliche Stoffart an beiden Ohrmuschel sowie Kunstleder an der Innenseite des Kopfbügels. Auch hier vermitteln die Materialien den Premiumanspruch des Neumann NDH 20, womit der Neumann Kopfhörer für eine professionelle Beanspruchung gewappnet sein sollte. Im Bedarfsfall lassen sich die Polster selbstverständlich auswechseln, wobei die hierzu erforderlichen Handgriffe sind in der Kurzbedienungsanleitung abgebildet sind. Der optisch ansprechende Kopfhörer ist im Übrigen auch ein haptischer Leckerbissen, der sich in dieser Beurteilungskategorie problemlos mit Konkurrenzprodukten messen kann, die man auch im vierstelligen Euro-Bereich findet. Mein einziger Kritikpunkt am NDH 20 ist die ungewöhnliche Verschraubung der Bauteile, die Spezialwerkzeug bei eventuellen Do-it-yourself-Reparaturmaßnahmen erforderlich macht.

Mitgelieferte Kabel und Co.

Die Ausstattung des Neumann NDH 20 lässt fast keine Wünsche offen. Prinzipiell ist alles Notwendige im Lieferumfang vorhanden, eine stabile Transportbox (anstatt des Stoffbeutel), wie sie beispielsweise zur „Serienausstattung“ des direkten Konkurrenten Adam Audio Studio Pro SP-5 gehört, hätte dem Gesamtpaket des Neumann Kopfhörers allerdings noch das Sahnehäubchen aufgesetzt.

Dafür ist man als Tonprofi und HiFi-Liebhaber kabelseitig gut versorgt. So wird der NDH 20 mit einem Spiralkabel (ca. 1,5 bis 4m) und mit einem glatten Kabel von drei Meter Länge ausgeliefert. Die Befestigung erfolgt über einen verriegelbaren 3,5mm-Miniklinkenstecker in der rechten Ohrmuschel, was tatsächlich ungewöhnlich ist, da sich die Kabelführung der meisten Kopfhörer auf der linken Seite befindet. Dieser Umstand erscheint vielen möglicherweise banal, allerdings hat ein Großteil der Kopfhörernutzer aus diesem statistischen Fakt ihre Kopfhöreranschlüsse links von ihrem Arbeits- oder Abhörplatz positioniert, damit das Kabel manuellen Tätigkeiten nicht im Wege ist. An meiner DAW (ebenfalls alle Kopfhörerverstärker links von mir) hat sich diese Befürchtung allerdings nicht bestätigt, da das flexible Spiralkabel des Studiokopfhörers weder die Bedienung meines Masterkeyboards noch meiner Computermaus und -Tastatur beeinträchtigt. Weiterhin befindet sich der obligatorische Schraubadapter (3,5 auf 6,35mm) im Lieferumfang. Hierbei ist anzumerken, dass das Gewinde etwas schmaler als bei gängigen Adaptern und somit nicht kompatibel mit anderen Kopfhörern ist. Daher sollte man besonders achtsam mit seinem Neumann-Adapter umgehen.

Technik und Kennzahlen des Neumann NDH 20

Die technischen Daten des NDH 20 werden von Neumann in einer überdurchschnittlichen Ausführlichkeit dokumentiert und sind am Ende dieses Testberichts explizit aufgelistet. Was fällt Nennenswertes dabei auf? In der Regel vermeiden Hersteller von Kopfhörern eine Bewertung des Übertragungsbereich ihrer Modelle. Spontan fällt mir nur Sennheisers überirdische Kopfhörer-Ikone HD 800S mit einer Angabe der maximalen Abweichung (dB) von der Ideallinie ein, doch auch Neumann lässt sich hier nicht lumpen und nennt einen Übertragungsbereich von 5 bis 30000 Hz mit dem Zusatz „(-3 dB)“. Das klingt in der Tat vielversprechend. Ein weiterer Parameter, der eher selten angegeben wird, und wenn dann überwiegend bei rustikalen Monitoring-Arbeitstieren, ist die Schallisolation, die oberhalb von 4 kHz mit mindestens 34 dB beziffert wird. Tatsächlich ist die Dämmung des Neumann Kopfhörers spürbar effektiver als meine geschlossenen Monitoring-Modelle von Adam Audio, Audio-Technica und Ultrasone. Etwas gegen den allgemeinen Trend rangiert die relativ hohe Impedanz von 150 Ohm, die dank eines offenbar hohen Wirkungsgrades der dynamischen Neodym-Wandler aber immer noch einen befriedigend lauten Betrieb an mobilen Abspielgeräten gewährleistet.  

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