Hersteller_Neumann
Test
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03.05.2013

Praxis

Mein Vorgehen dürfte bekannt sein: Boxen auspacken, auf den Stativen ins 1m Stereo-Dreieck rücken, Kabel rein, Filter auf „Null“ und los! Moment, hier tut sich ja gar nichts… Richtig, denn nach dem Einschalten bleibt die Box erst mal für ein paar Sekunden stumm, und zwar um Einschalt-Störgeräusche von angeschlossenem Equipment zu unterdrücken. Sehr vorbildlich und kaum  bei anderen Herstellern zu finden.

Genauso vorbildlich ist übrigens auch die ausführliche Dokumentation, die selbst Neulingen fundierte Informationen bzgl. des Mysteriums Aufstellung von Studio-Monitoren und deren Filter liefert. Hier ein kleines Beispiel:

Doch nun genug der Theorie und her mit den guten Nachrichten: Die Neumann KH 310A klingen im besten Sinne unauffällig. Und das ist in Anbetracht meiner sonstigen Abhöre, der MEG RL-901, sehr, sehr gut. 

Das Abstrahlverhalten ist äußerst linear und großzügig homogen angelegt, sodass sich einer breiter, aber auch gleichzeitig fokussierter Sweetspot einstellt, indem es zu keinem „Wandern von Instrumenten“ oder ähnlichen Phänomenen kommt. Anders gesprochen: Das konstante Bündelungsmaß macht die Box im Nahfeld in gedämpften und un-gedämpften Räumen gleichermaßen relativ identisch in ihren Klangverhalten. Und das ist äußerst vorteilhaft, weil somit der Raumeindruck weniger an Bedeutung gewinnt. Nichtsdestotrotz erhält man den besten Klang nur in ausreichend gedämpften Räumen, wobei hier die Betonung auf Bassdämpfung liegt, denn ordentlich Dampf macht das kleine Kerlchen auf alle Fälle. Im Zweifelsfall sind alle notwendigen Filter vorhanden, um auch nach Gehör die notwendigen Einstellungen vornehmen zu können, ohne die Boxen „verstellen“ zu können. Hierbei hat mir besonders das Tiefmittenfilter gefallen, was bei meiner Tisch-nahen Aufstellung mit „-1,5 dB“ für deutlich mehr Klarheit im unteren Mittenbereich sorgte.

Die Wiedergabe ist in „Nullstellung“ selbstverständlich generell äußerst neutral und frei von Färbungen, wobei dieser unauffällige Gesamtklang auch mit einer angenehmen, leichten Zurückhaltung im Sinne von „un-stressig“ garniert ist, sprich Höhen sind nicht überpräsent oder verzerrt. Impulse und Bässe werden darüber hinaus selbstverständlich auch unverzerrt, knackig und trocken wiedergegeben, und das mit einer Präzision, wie man sie eher schwerlich in dieser Preisklasse findet. Transienten machen hier richtig Spaß! 

Überbetonungen oder „psycho-akustische Zaubereien“, wie sie gern bei Bassreflex-Gehäusen zu finden sind, muss man hier nicht befürchten. Dennoch, eine etwas leicht konservativ abgestimmtere, untere Grenzfrequenz hätte ich persönlich bevorzugt. Zugegebenermaßen ist der Markt für 3-Wege-Systeme in dieser Preisklasse aber auch so gut wie gar nicht besetzt, wenn man von einer ADAM S3-X einmal absieht. Durch den separaten Mittentöner, wie er 3-Wege-Systemen nun mal zugrunde liegt, werden hier jedenfalls besonders die Mitten äußerst fein und detailliert dargestellt, „ähnlich, aber anders“ zu der ATC 25, falls man diese kennt, die allerdings auch nochmal deutlich teurer ist.

Limitierungen sehe ich hier, wenn überhaupt, nur im Bassbereich. Zugegebenermaßen greift die KH 310 ordentlich tief an, dennoch scheint sie gerade bei „unmastered“ Material mit viel Sub-Bass und bei hohen Pegeln anzufangen, etwas zu pressen bzw. leicht zu zerren, was sicherlich auch ein Tribut an das geschlossen Prinzip ist, das ansonsten für eine äußerst saubere Bassdarstellung in Verbindung mit der aktiven Elektronik sorgt. Dabei sollte man aber auch nicht die immer noch „äußerst kompakten“ Maße und humanen 13 kg pro Stück für ein Drei-Wege-System vergessen. Nur für Freunde der dauerhaften Pegelübertreibung mit einer Vorliebe für Techno könnte es hier also wenn überhaupt ein Problem geben - den Wert, welchen ich diesbezüglich am interessantesten und im Handbuch fand war: „Max. Langzeit-SPL mit Rosa Rauschen, langsame Integrationszeit, in 2,3 m Abstand in typischer Studioumgebung (einzeln/Paar) gleich 93/99 dB(C) SPL“. Na, damit kann ich doch schon eher etwas anfangen! Weiterhin darf man auch nicht verdrängen, dass die wenigsten Konsumenten mit solch großen Systemen hören, ein Low-Cut in der Summe sowieso Pflicht ist und es ja auch noch einen Verwendungszweck für den Subwoofer geben muss.

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