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24.11.2020

Neuer Lautsprecher 'beamt' Musik direkt ins Ohr

Du bist damit die einzige Person im Raum, welche die Musik hören kann

Stell dir vor du spielst wieder deinen Lieblingssong um 3 Uhr Nachts auf voller Lautstärke und die Polizei macht keine Anstalten dich zu besuchen. Oder du arbeitest tagelang an deinem neuen DJ-Set ohne deine Mitbewohner zu vergraulen. Klingt erstmal unrealistisch, aber dafür gibt es eine Lösung ohne die Zivilisation verlassen zu müssen: ein Lautsprecher dessen Sound nur du hören kannst. Genau so ein Produkt wurde nun von Noveto Systems angekündigt.

Das Konzept nennt sich "Sound-Beaming" und bringt die Besonderheit mit, dass nur eine einzige Person im Raum die Soundsignale wahrnehmen kann. Die Person die den Sound hört kann zusätzlich auch andere Umgebungsgeräusche, anders als bei Kopfhörern, ganz normal hören. Doch wie funktioniert das ganze?

Der Lautsprecher "SoundBeamer" arbeitet mit Ultraschallsignalen, die nicht im menschlichen Hörspektrum liegen. Der "SoundBeamer" erzeugt mittels DSP-Algorithmen Wellen und hebt diese über Ultraschallwandler-Array-Systeme in die Luft. Die ausgesendeten Wellen des Lautsprechers bilden dann Schallräume direkt bei den Ohren. Dort entsteht der wahrnehmbare Sound dann. Das Sounderlebnis ist allerdings von Person zu Person verschieden. Für manche Testhörer klangen die "SoundBeamer" genauso wie herkömmliche Lautsprecher. Für andere Hörer waren die Töne eher mit 3D-Sounds vergleichbar. Wieder andere Testhörer fanden das Hörerlebnis merkwürdig und konnten die Musik nicht richtig genießen. Der CEO von Noveto Systems, Christophe Ramstein, versucht letzteren Fall zu erklären. Das Gehirn "verstehe Sachen nicht die es nicht kennt und reagiert daher ungewohnt."

Der Sound verfolgt dich

Keine Sorge, die erzeugten Stimmen im Kopf sind kein Zeichen von Schizophrenie und werden einen nicht ewig verfolgen. Im gleichen Raum ist dies allerdings möglich. Wenn du dich also von den Lautsprechern entfernst und etwas rumspaziert wird dich der Sound begleiten. Dies ist dem eingebauten 3D-Sensor zu verdanken, der die Ohren eines Hörers lokalisieren und in Echtzeit die Position ermitteln kann. Dadurch ist es nicht notwendig an einem bestimmen Ort festzusitzen. Dies ermöglicht auch ganz neue Anwendungsbereiche. 

Wo der SoundBeamer nützlich sein könnte

Im ersten Moment scheinen Bluetooth-Kopfhörer die Lautsprecher überflüssig zu machen. Wenn man andere Personen in der Umgebung nicht stören möchte setzt man eben einfach Kopfhörer auf und kann sich damit auch frei bewegen. Sound-Beaming bietet allerdings einige einzigartige Einsatzmöglichkeiten. Etwa im Fitnessstudio kann Schweiß in Kombination mit Kopfhörern unangenehm wirken. Auch beim Fernsehen oder Zocken hat der Lautsprecher praktische Vorteile. Dadurch kann der Mitbewohner oder Partner entspannt auf der selben Couch sitzen und ein Buch lesen, während auf dem Bildschirm Fußball läuft. Auch für DJs und Producer könnte der Lautsprecher eine Alternative darstellen. Die Sets können so die ganze Nacht durchlaufen und mit zusätzlichen Kopfhörern wird für das Beatmatching gesorgt. Beim Autofahren könnte der Lautsprecher ebenfalls zum Einsatz kommen. Hier wird nur der Fahrer mit den Navigationshinweisen versorgt, während die Mitfahrer in Ruhe aus dem Fenster schauen können.

In manchen Fällen ist es auch ein großer Vorteil, dass Umgebungsgeräusche weiter wahrgenommen werden können. Vor allem beim Autofahren ist der Lautsprecher die sicherere Alternative zum Kopfhörer.

Gibt es gesundheitliche Bedenken?

Ultraschallfrequenzen liegen im Bereich über 20k Hertz und sind normalerweiße nicht hörbar. Doch auch wenn man die Frequenzen bewusst nicht wahrnehmen kann, könnten sie unangenehme Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Forscher untersuchten öffentliche Orte wie Schulen und Bahnhöfe und konnten dort Hochfrequenzsignale aufspüren. In einer großen Bahnhofshalle wurden Frequenzen um die 20k Hertz mit einer Belastung von 94 Dezibel gemessen. Ein renommierter Forscher auf diesem Gebiet ist Tim Leighton, Professor für Ultraschall und Unterwasserakustik an der University of Southampton. Leighton hat Studien zu Ultraschall aus über 40 Jahren durchforstet und zusammengefasst. Demnach ist es durchaus möglich, dass unhörbare Schallimpulse Auslöser für unspezifische Beschwerden wie Übelkeit, Tinnitus, Kopfschmerzen oder Migräne sein könnten. 

Die Technologie scheint allerdings keine neue zu sein. Es gibt viele teils jahrzehntealte Berichte zur Voice-to-Skull-Methode, bei der ebenfalls Ultraschallsignale direkt zu Personen geschickt werden. Laut einigen Berichten, eher aus dem Verschwörungsbereich, wurde die Technolgie von Geheimdiensten als Foltermethode genutzt. Daneben gibt es noch den Frey-Effekt. Dieser beschreibt das Phänomen, dass manche Menschen Klicklaute bei Hochfrequenzstrahlungen hören.  

Noveto Systems möchte bis Weihnachten 2021 ein Gerät für den Massenmarkt bereitstellen. Alle weiteren Informationen findet ihr auf der offiziellen Homepage. 

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