Hersteller_NativeInstruments
Test
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11.12.2011

Native Instruments iMaschine Test

iPad App

Groove-Maschine für die Westentasche

Als das Unternehmen Native Instruments im Jahr 2009 ihre Software Maschine auf dem Markt brachte, war das Interesse groß. Denn dieses Produkt versprach, den Bedienkomfort und die intuitive Haptik traditioneller Groove-Maschinen mit den Vorzügen der computerbasierten Musikproduktion in Verbindung zu bringen. Und das scheint den Berlinern offensichtlich gelungen zu sein, denn mittlerweile ist Maschine ein häufig verwendetes Tool von Musikproduzenten und DJs. Im Oktober 2011 präsentierte der Hersteller die iMaschine. Diese Apple-Applikation portiert das Maschine-Konzept ins iPhone oder iPad und ermöglicht den Export und eine Weiterbearbeitung der Sessions mit dem Computer. Außerdem ist ein Import eigener Samples möglich. Damit unterscheidet sich iMaschine von den meisten anderen Produktions-Apps auf dem Markt, denn selbst wenn manche dieser Programme klanglich durchaus professionellen Anforderungen gerecht werden, bleiben sie wegen der fehlenden Importoptionen und den Möglichkeiten zur Finalisierung ein reines Gimmick für unterwegs. Native Instruments scheint hingegen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und versucht, die technisch immer größeren Möglichkeiten von Smartphones und Tablet-PCs für ihre Produkte zu nutzten. Wenn die iMaschine erfüllt, was die Werbung verspricht, dann hat das Berliner Unternehmen meiner Meinung nach wieder einmal einen Volltreffer gelandet. Wir haben für euch rausgefunden, ob wir die Grooves dieser App schon bald in den Charts wiederfinden könnten, oder ob die iMaschine vielleicht doch nur ein netter Zeitvertreib ist.

DETAILS

Um für optimale Testbedingungen zu sorgen, habe ich zunächst die Software meines iPhone 4 auf die neuste Version iOS 5.0 aktualisiert. Da der Datenaustausch zwischen dem Computer und der App über iTunes passiert, war auch hier ein Update auf die Version 10.5 fällig. Danach hieß es für mich, den Suchbegriff „iMaschine“ im App-Store einzugeben, knapp vier Euro zu berappen und die 143 MB große Datei zu laden. Nach der Installation kann ich ohne weitere Konfiguration direkt loslegen.

Wenn man iMaschine zum ersten Mal startet, bekommt man zunächst den Sample-Player mit seinen 16 Pads zu Gesicht. Insgesamt stehen vier verschiedene Gruppen zur Erstellung eines Grooves oder Songs zur Verfügung. Den Groups A-D können neben Sample-Playern alternativ auch Piano-Keyboards oder Recording-Spuren zugeordnet werden. Abgemischt wird per Mixer, der für jede Spur noch zwei Effekt-Sends (FX 1 und FX 2) im Gepäck hat. Diese können auf allen vier Spuren einzeln (de-) aktiviert werden. Die Art der Effekte und ihre jeweiligen Parameter werden in den beiden Effekt-Menüs eingestellt. Zur Auswahl stehen Chorus, Lofi, Delay, Flanger und die Filter Low-, Band- und Highpass. Das Signal-Effekt-Verhältnis (Mix) und zwei weitere FX-Parameter können stufenlos über Slider eingestellt werden. Vier Fader dienen zum Angleichen der Lautstärke der Gruppen.

Die Geschwindigkeit des Songs wird im Tempo-Menü eingestellt. Dies geschieht entweder durch Scrollen der dreistelligen Anzeige oder durch ein manuelles Tapping. Außerdem dient dieses Menü zur stufenlosen Einstellung des globalen Swings und der Quantisierung (On/Off).

Die Sample-Player können entweder mit den zahlreich vorhandenen Drum- und Effekt-Kits, einzelnen Samples aus der iMaschine-Library oder eigenen Sounds in 16Bit/44,1kHz gefüttert werden. Die virtuellen Keyboards der iMaschine umfassen zwei Oktaven. Der Grundton des jeweilig gewählten Oktavbereichs wird per Slider oberhalb der Tastatur eingestellt. Vom Anwender geladene Samples, werden dabei tonal abgestuft auf das Board verteilt.

iMaschines Recording-Funktion nutzt das interne Mikrofon des Geräts. Externer Hardware kann dazu leider nicht verwendet werden. Ein Gate, dessen Threshold stufenlos einstellbar ist, filtert unliebsame Nebengeräusche aus der Aufnahme. Mit dem Monitor-Button ist ein Realtime-Monitoring möglich, bei dem Playback und Mikrofonsignal auf dem Kopfhörer ausgespielt werden. Angenehmer weise, gibt es dabei keine wahrnehmbare Latenz, bzw. ein Delay. Record startet den Aufzeichnungsprozess nach dem festgelegten, eintaktigem Einzählen. Punch-in Aufnahmen sind ebenfalls möglich. iMaschine erkennt automatisch die Länge der eingespielten Sequenz und erstellt daraus dann den ersten Loop. Dieser kann im More-Menü beliebig verlängert werden. Alternativ ist es aber auch möglich, die Länge der aufzunehmenden Sequenz im Vorfeld festzulegen. Auf der Grundlage der ersten Folge lassen sich weitere Takes dann „overdubben“. Die aufgenommenen Soundclips können zudem im integrierten Editor bearbeitet werden. Eine Undo/Redo Funktion erlaubt, einzelne Takes zu löschen oder diese wieder herzustellen, die History-Liste zeigt vorausgegangene Arbeitsschritte an. Eine Zeitleiste verrät, an welcher Position sich der Groove/Song aktuell befindet.

Zur rhythmischen Wiederholung der aktivierten Pads dient Note-Repeat. Möglich sind  1/4-, 1/8-, 1/16-, 1/16T- (Triolen) und 1/32-Noten. Da mit einem herkömmlichen Touchscreen keine Anschlagdynamik realisierbar ist, gibt es bei der iMaschine ein Velocity-Menü. Hier kann eine zuvor gewählte Keyboard-Taste oder ein Samplerpad durch eine horizontal abgestufte Grafik in verschieden Lautstärken gespielt sowie die Default-Velocity festgelegt werden.

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