Gitarre Hersteller_MusicMan
Test
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30.08.2018

Music Man Valentine Tremolo Test

E-Gitarre

Universal-Diva

Die Music Man Valentine Tremolo ist eine weitere Version der Signature-Gitarre des Maroon 5 Gitarristen James Valentine, die auf der NAMM-Show 2018 vorgestellt wurde und in einer erweiterten Farbpalette sowie mit Tremolo erhältlich ist. Die ansonsten identischen Gitarren weisen einige Besonderheiten auf, die auf die speziellen Wünsche des Namensgebers hinweisen.

Keine Frage, Signature-Instrumente sind quasi eine Spezialität der Music Männer und so haben sich bereits Steve Lukather, John Petrucci, St. Vincent, Albert Lee, Steve Morse und sogar Eddie van Halen eine Gitarre auf den Leib schnitzen lassen. Nachdem die Valentine ohne Tremolo in ihrem bonedo-Test alle fünf Sterne abräumen konnte, sind wir gespannt, ob auch die aktuelle Variante das Zeug zum Sieger hat.

Details

Optik/Verarbeitung:

Wie bei Music Man üblich, wird die in San Louis Obispo gefertigte Gitarre in einem hochwertigen und tourtauglichen Kunststoffkoffer geliefert. Drei neue Farbgebungen stehen bei der neuen Gitarre zur Wahl, genauer gesagt Husker Red, Saturn Gold und Toluca Blue.

Letztere ist auch die Farbe unserer Testgitarre, ein Music-Man-typischer hochglänzender Polyesterlack, der perfekt aufgetragen wurde.

James Valentine ist bekanntermaßen ein Fan von Fender Telecaster und Gibson ES335, daher verwundert es auch nicht, dass sein Music-Man-Modell die Gene beider Gitarrentypen zumindest optisch in sich vereint.

Korpus:

Der Korpus besteht aus Esche und verjüngt sich auf der Rückseite zum Spieler hin, was für ein komfortables Spielgefühl sorgt, da sich die Gitarre förmlich an den Körper schmiegt.

Dieses Shaping nennt Music Man "Wedge-Shape", was die Sache meiner Meinung nach ziemlich auf den Punkt bringt, denn Wedge lässt sich auf deutsch auch mit "Keil" übersetzen. Zwei Cutaways besitzt die Valentine, wobei der untere recht tief ausgeschnitten ist, damit auch die hohen Lagen komfortabel erreicht werden können. Die Lackierung verleiht dem Instrument ein frisches und gleichzeitig klassisches Äußeres. Dazu passt das dreilagige weiße Schlagbrett sehr gut, das beide Pickups noch um ein paar Millimeter umfasst.

Bei den Tonabnehmern hat sich James Valentine etwas Besonderes einfallen lassen, denn hier finden sich ein Singlecoil am Steg und ein Humbucker in der Halsposition. Beide besitzen verchromte Kappen und sitzen in schwarzen Rähmchen, die ein Justieren der Höhe mithilfe kleiner Schrauben ermöglichen.

Dank eines Dreiwegschalters lassen sich die klassischen Pickup-Konfigurationen anwählen, dazu kommt ein Coil-Splitting, das durch das Push/Push-Tone-Poti aktiviert wird. Natürlich funktioniert das Splitting aber nur mit dem Hals-Pickup und in Kombination mit dem Singlecoil am Steg. Letzterer lässt sich naturgemäß nicht splitten.

Folgende Grafik zeigt die möglichen Schaltkombinationen:

Für mehr Dampf sorgt ein 20dB-Boost, der mit dem ebenfalls als Push/Push-Poti ausgelegten Volume-Regler aktiviert werden kann. Da es sich dabei um einen aktiven Booster handelt, benötigt die Gitarre einen 9-Volt-Block, der an der Rückseite in einen Schnellverschluss eingelegt wird. Beide Potis besitzen übrigens geriffelte Metallknöpfe, die auch bei extrem schweißtreibenden Gigs für den nötigen Grip sorgen.

Als Steg kommt ein Music Man Modern Classic Tremolo mit gebogenen Stahl-Reitern zum Einsatz. Der mitgelieferte Tremoloarm wird gesteckt und verharrt in der Position, in die er bewegt wird. Somit entfällt das leidige Schlackern, das man von eingedrehten Tremoloarmen kennt. Das Tremolo liegt auf dem Korpus auf, somit ist nur ein Bewegen nach unten möglich. Zwei Schrauben fixieren das System mit dem Korpus und sorgen dank des Messerkantenprinzips für minimale Reibung. Eine Metallabdeckung verdeckt die Reiter halb und erinnert mich an den klassischen "Aschenbecher", also die Abdeckung, die man von alten Fender Strats und Telecaster-Gitarren kennt.

Die Rückseite zeigt den weiter oben im Test erwähnten Batterie-Schnellverschluss, dazu kommt ein mit Graphit versehenes Elektronikfach und eine weitere Ausfräsung, die die drei Tremolofedern beheimatet.

Die Klinkenbuchse befindet sich in der unteren Zarge, die beiden mit einem Gummipolster unterlegten Gurtpins sind ebenfalls an den altbekannten Stellen zu finden.

Hals:

Music Man ist für seine ausgesprochen komfortabel bespielbaren Hälse bekannt, und auch dieser Hals macht hier keine Ausnahme. Er besteht aus einem Stück geriegelten Ahorn, das "geröstet" wurde. Dabei wird das Ahorn bei einer Temperatur bis zu 150 Grad Celsius im wahrsten Sinne gebacken, ein Verfahren, das auch unter der Bezeichnung Torrefizierung bekannt ist. Durch den Vorgang dunkelt das Holz deutlich nach und die Poren verdichten sich aufgrund der entzogenen Feuchtigkeit. Der Vorteil liegt buchstäblich auf der Hand, denn der Hals ist wesentlich unempfindlicher gegen Temperaturschwankungen und auch in Sachen Stabilität gibt es nur Positives zu berichten. Davon abgesehen kann der Hals unserer Testkandidatin mit einer für meinen Geschmack wirklich beeindruckenden Optik punkten. Die Hals-Rückseite wurde lediglich mit Öl und Wachs behandelt, was für ein natürliches Holz-Greifgefühl sorgt. Er sitzt bombenfest in der Halstasche des Korpus, wo er mit fünf Schrauben befestigt ist.

22 Medium Jumbo Stahlbünde sind perfekt in den Hals eingesetzt und vorbildlich weiter bearbeitet. Schwarze Punkte im Griffbrett und an der Halskante sorgen für die Orientierung, bevor die Saiten auf den 41,3 mm breiten, schwarzen Kunststoffsattel treffen. Der Halsradius beträgt 10", also 25,4 cm, zur Bespielbarkeit aber später im Praxisteil mehr.

Der aufgezogene Ernie Ball 0.11- 0.48 (RPS 11 Slinky) Satz trifft auf der verkleinerten und versetzten Kopfplatte auf die sechs Schaller M6-IND Locking-Mechaniken, die in der für Music Man typischen 4:2 Anordnung verbaut sind und die Saiten mithilfe einer Rändelschraube an der Rückseite festklemmen.

Wer den Zugang zum Halsstab sucht, ist hier oben an der falschen Adresse, denn er befindet sich frei zugänglich auf der unteren, dem Korpus zugewandten Seite des Halses, wobei zum Einstellen lediglich ein schmaler Schraubenzieher oder ähnliches benötigt wird, was ich als ausgesprochen nutzerfreundlich empfinde.

Mit einem Gewicht von 3256 Gramm und einer Verarbeitung auf höchstem Niveau gibt es meinerseits rein gar nichts zu beanstanden, womit wir auch schon beim Praxisteil angelangt wären.

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