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Test
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31.01.2018

MOTU 828ES Test

Thunderbolt-/USB-Audiointerface

Ansichtssache: 828x Update oder kleines 1248 AVB?

MOTU zählt zu den Big Playern im Interface Business: Kompakte Desktop-Interfaces, günstige Medium-Size Systeme und auch AVB-Netzwerklösungen für richtig große Anwendungen. Von allem ist was dabei. Dabei wurde das Portfolio gerade in den letzten Jahren gehörig ausgebaut.


Und von den AVB-Interfaces hatten wir schon einige im Test: Angefangen hat es mit dem 112d und 24ao sowie den Switch. Das 8a AVB, 624 AVB und Ultralite AVB haben wir auch bereits untersucht und allesamt für gut befunden. Das neuste Exemplar ist der Nachfolger des 828x inklusive AVB und den neusten ESS-Sabre-Wandlern. Man könnte auch sagen: ein kleines 1248. Alles Ansichtssache.

Details

Allgemeines


Das MOTU 828ES ist ein 24Bit/192kHz-Audiointerface im soliden 19-Zoll/1-HE-Metallgehäuse (18 cm tief, 2 kg) und ist mit USB2-, Thunderbolt-2- und AVB-Anschlüssen ausgestattet. Man könnte auch sagen, es ist der mit AVB und neuen „ESS Sabre32 Ultra“ Wandlern ausgestattete Nachfolger des erfolgreichen MOTU 828x – oder ein etwas günstigeres MOTU 1248 AVB.

I/O Business


Beide 828 verfügen über acht analoge Ein- und Ausgänge auf 6,35 mm TRS sowie zwei zusätzliche XLR-I/Os. Ausgangsseitig nennen sich diese Main-Out; Eingangsseitig hingegen handelt es sich genau genommen um XLR/TRS-Combo-Buchsen für die Mic-Preamps, die natürlich auch Line- und Instrumentensignale akzeptieren. Das macht in Summe zehn symmetrische analoge I/Os. 

Hinzukommen zwei frei zuweisbare Stereo-Kopfhörerausgänge – einer mehr als bei 828x – sowie 18 digitale I/Os bei 48 kHz via zweimal ADAT – S/MUX ist möglich – und einmal S/PDIF. Somit kommt man ohne AVB auf 28 Ins und 32 Outs.

Weiter Anschlüsse und Computer-Anbindung


Ein Wordclock-I/O, Timecode-I/O sowie ein MIDI-Duo und ein Footswitch-Anschluss runden das Ganze ab. Der Footswitch lässt beispielsweise das Zuschalten des Talkbacks zu. Strom kommt über den obligatorischen Kaltgeräte-Anschluss auf der Rückseite in das Interface, der mit seiner Tauglichkeit für Spannungen von 100 bis 240 Volt für internationale Verwendbarkeit sorgt.

Um das Interface mit dem Computer zu verbinden stehen USB2 und Thunderbolt 2 (abwärtskompatibel) sowie ein Netzwerk-Anschluss (RJ45) bereit. Mit letzteren kann man das Interface nicht nur direkt verbinden, sondern auch mit weiteren Interfaces kaskadieren. Tiefergehende Infos dazu findet ihr in unserem MOTU AVB Test, hier nur die wichtigsten Fakten in kompakter Form.

Thunderbolt und USB2 lassen sich nicht gemeinsam nutzten und unterscheiden sich nur minimal in der Performance und Latenz. Das 828ES kann via Thunderbolt bis zu 128 Kanäle „hin und zurück“ (I/O) übertragen, mit USB sind es hingegen „nur“ 64 Channels bis 48 kHz bzw. maximal 24 I/Os bei 192 kHz. Ein Umstand, mit dem sich sicherlich arbeiten lässt. Zwei Interfaces können übrigens unkompliziert via AVB direkt verbunden werden, darüber hinaus braucht man einen speziellen Switch (keinen Router!) wodurch aber bis zu 512 Kanäle möglich werden. Ein aktuelles OS vorausgesetzt. 

Alles neu mit AVB und ESS Sabre


Die AVB-Ergänzung ist mit erheblichen Änderungen unter der Haube verbunden, sodass das 828ES auch eher mit dem 1248 als dem 828x verwandt ist. Die neue Generation setzt auch nicht mehr auf die Software CueMix FX, sondern ausschließlich auf die Browser-basierte Bedienung namens MOTU Pro Audio Control.

Die neue Architektur bringt nicht nur ein frei skalierbares AVB-Mischpult mit allen Schikanen, sondern auch Vintage-Effekte, die im Falle des LA-2A sogar den offiziellen Namen tragen dürfen. Eine Steuerung via iPhone und iPad wird ebenfalls möglich. Der DSP-Mixer unterstützt bis zu 48 Kanäle inklusive aller Effekte und arbeitet intern mit 32 Bit. Alle Berechnungen finden im Interface statt, via Webbrowser wird nur die Bedienoberfläche dargestellt.

Verbesserte Preamps


Die Mic-Preamps wurden ebenfalls verbessert und die Messwerte können sich wirklich sehen lassen: -108 dB THD+N, 118dB Dynamic Range und -128dBu EIN. Der max. Gain mit 63 dB bleibt indes gleich und ist in dieser Liga nicht besonders üppig. Pad und 48 Volt Phantom können weiterhin individuell am Gerät aktiviert werden, Phase-Reverse und Low-Cut gibt es in der Software, genau wie Gate, EQ, Compressor, Leveler und Reverb. Eigentlich logisch, aber der Vollständigkeit nochmal erwähnt: Der digital-geregelte Gain kann mit den Encodern und von der Software aus geregelt werden.

Ebenfalls schön – und bei MOTU seit Jahren Standard – ist in diesem Zusammenhang der festverkabelte Pre-Converter-Send, sodass man ohne Wandlerumweg Outboard direkt an den Preamp klemmen kann. Das erklärt die zwei zusätzlichen 6,35-mm-„Send“-TRS-Buchsen an der Rückseite.

Facecheck


Die Vorderseite des 828ES wurde gegenüber dem 828x deutlich aufgehübscht. Statt einfacher LED-Pegelanzeigen und Balkendisplays gibt es nun hochauflösende Flüssigkristall-Displays, die durchaus an RME-Interfaces erinnern. Die Kopfhörerausgänge sind nach rechts gewandert, und alle Taster sowie Encoder bieten genug Platz untereinander. Das Push-Encoder-Konzept wurde geändert und zeichnet sich nun durch zwei größere Encoder aus, die gut voneinander getrennt und eindeutiger beschriftet sind. Die Bedienung der „alten“ MOTUs war hingegen immer etwas fummelig.

Der linke „Menu“-Encoder hat einen Meter- und Back-Taster, der rechte „Monitor“-Encoder hingegen hat dedizierte Taster für Net-ID, Mute, Talk und Mono sowie auch einen A- und B-Taster zum Monitorwechsel zwischen den XLR-Main-Outs und den TSR-Outs 1 & 2. Der Talk-Taster fungiert nicht nur für ein externes Mic – es wurde sogar an ein internes Mic gedacht. Die Qualität ist zwar okay, nur der laute Tasten-Klack nervt wie immer ungemein. Warum scheint das für alle Hersteller nur so schwierig?

Zum Lieferumfang gehört natürlich wieder AudioDesk, eine DAW-Software für die Aufnahme und Bearbeitung. Ein USB-2- und ein Stromkabel sind ebenfalls an Bord sowie allerlei Zettelchen. Ein richtiges, gedrucktes Handbuch fehlt – ihr findet es auf Deutsch aber hier.

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