Test
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02.02.2021

Millenium Focus Junior Schlagzeug Test

Kinderschlagzeug Komplett-Set

New Kid in Town

Der Nachwuchs zeigt rhythmisches Talent, da wäre doch ein Instrument angebracht, das aufzeigt, ob da noch etwas mehr als das Geklopfe auf den heimischen Kochtöpfen dahinter steckt?! Mit dem Millenium Focus gibt es jetzt ein Schlagzeug-Komplettset für unter 150 Euro, das sich speziell an Kinder ab dem Vorschulalter richtet. Wir checken mal, ob der Spagat zwischen Spielzeug und Musikinstrument gelungen ist. 

Details & Praxis

Das Focus Junior Set wird vom Paketboten in einem 27 kg schweren Karton in meinen Hausflur gewuchtet. Darin enthalten sind jede Menge Utensilien. Neben den ineinander gestapelten Trommeln und Becken gibt es einen kompletten, einzeln in Kartons verpackten Hardware-Satz und sogar einen Drumhocker. Bevor es losgehen kann, muss aber erst einmal zusammengebaut werden. Dazu muss als erstes die Bassdrum und das Standtom mit Fellen, Spannreifen und Spannschrauben bestückt werden. Für die kleine 16“ x 10“ Bassdrum liegt ein Dämpfungskissen bei, das vor dem Anbringen der Felle im Bassdrumkessel mit einem aufgeklebten Klettstreifen befestigt wird. Die übrigen Trommeln messen 8“ x 5“ und 10“ x 6“ bei den Toms, außerdem ist ein 13“ x 11“ Standtom sowie eine 12“ x 5“ Snare enthalten.

Die Kessel bestehen laut Herstellerangabe aus „Hartholz“ – ich tippe auf Pappelholz – und sind sieben Millimeter stark. Alle Kessel haben sehr wenig Untermaß, das heißt, die mitgelieferten Felle sitzen allesamt eher stramm. Allzu hohe Ansprüche sollte man in dieser Preisklasse nicht an die Fertigungsqualität stellen, es gibt aber bei den Kesseln keine groben Ausreißer zu vermelden, die Gratungen sitzen sehr weit außen, sie sind plan, und auch die schwarze Folie ist sauber verklebt.

Volle Ausstattung mit Kompromissen bei den Hardware-Details

Schauen wir uns die Kesselhardware etwas genauer an. Alle Trommeln haben so genannte Center Lugs, das heißt ein mittig angeschraubtes Spannböckchen nimmt die Stimmschrauben von beiden Spannreifen auf. Alle Spannböckchen sind im Inneren nicht isoliert, das heißt, die Schrauben und Gewinde in den Böckchen rappeln leicht mit, dies ist bei den Hörbeispielen im Praxisteil gut zu hören, wenn der Teppich der Snaredrum abgespannt ist. 

Während der Zusammenbau der Bassdrum schnell und unkompliziert verläuft, muss ich beim Standtom etwas umsichtiger schrauben und stimmen, da die 1,6 Millimeter Spannreifen an Snare und Toms alle sichtbar unrund sind. Ansonsten drehen sich aber alle Schrauben ohne Probleme in den Gewinden. Für die Bassdrum stehen sechs Schrauben pro Seite zur Verfügung, während das Floortom mit fünf, die zwei kleinen Toms und die Snare mit vier Schrauben auf Spannung gebracht werden. Bei der 12“ Snare, die man generell gern etwas höher stimmt, erscheint mir das recht sparsam. Die Snaredrum hat einen 20-spiraligen Snareteppich, bewegt wird er von einer seitlich abklappbaren Abhebung.  

Bei den mitgelieferten Fellen handelt es sich durchgehend um einlagige Ausführungen recht einfacher Machart, die aber zumindest für die erste Zeit ein paar Schläge wegstecken können. Durch die unrunden Spannreifen stecken die Schlagfelle der kleinen Toms und der Snare regelrecht in den Reifen fest, wie ich bei einem späteren Wechsel der Schlagfelle zu Markenfellen bemerke.

Die beiden kleinen Toms werden mit zwei Tomhaltern auf der Bassdrum befestigt. Hat man eine gewünschte Neigungseinstellung gefunden, lässt sich diese mit dem Stimmschlüssel an den Memory Clamps absichern. Eine  Hürde sind allerdings die etwas zu groß dimensionierten Flügelschrauben auf der Oberseite der Tomhalter. Diese schrappen bei unserem Testset leicht am oberen Spannreifen der beiden Toms. 

Die Hardware ist einstrebig und recht leicht. Das Beckenstativ ist augenscheinlich für Kinder dimensioniert, da es nicht besonders hoch ausziehbar ist, auch den Hocker finde ich recht wackelig. Bei meinen 80 Kilo Gewicht greife ich für die Soundfiles dann lieber auf meinen eigenen Sitz zurück. Sicher ist sicher! Die zarte Hi-Hat-Maschine hat beim Treten eine angenehme Federspannung, die schwache Feder des kleinen Bassdrum-Pedals erzeugt dagegen nur sehr wenig Rückprall, hier ließe sich mit einem anderen Pedal – wie im zweiten Teil der Soundfiles zu hören – oder zumindest mit einer strammeren Feder noch mehr herausholen. Während die 10“ Messing Hi-Hat eher blechig klingt, ist der Klang des 12“ Crash-Rides durchaus akzeptabel. Insgesamt hat man aber erst einmal eine vollständige Ausstattung und kann lostrommeln. 

Das Focus Junior klingt kompakt und kann durchaus für Spaß sorgen

Nachdem ich alles zusammengefügt habe, bin ich jetzt natürlich sehr gespannt, wie das Set klingt. Aus meiner Erfahrung aus dem Test mit dem Pearl Roadshow Junior, das recht ähnlich dimensioniert und ausgestattet ist, weiß ich ja ungefähr schon, was mich erwartet.

Die kleinen Toms lassen sich recht leicht und sauber stimmen, die Bassdrum erzeugt einen mittigen Ton, der dank des eingelegten Kissens relativ kompakt bleibt. Auch die Snaredrum hat einen guten Bauch, kommt aber mit den vier Stimmschrauben über eine mitteltiefe bis mittlere Stimmung nicht hinaus. Wer es knackig und funky mag, wird hier nicht fündig. Die Toms klingen nicht zu allzu lange aus und sind mit den günstigen Werksfellen etwas glasig im Gesamtklang, aber durchaus passabel. Etwas ungewöhnlich für mich als Erwachsenen ist die geringe Einstellhöhe des Crash-Rides – wie man im oben verlinkten Video sehen kann, ragt es nur leicht über das Floortom hinaus.

Fellwechsel ist angesagt!

Im zweiten Durchgang wechsle ich sämtliche Schlagfelle, die Bassdrum bekommt ein 16“ Remo Pinstripe verpasst, die kleinen Toms und die Snare je ein Remo Ambassador Coated und das 13“ Standtom ein Remo Emperor Coated. Zusätzlich wechsle ich das Bassdrum-Pedal aus, benutze aber weiterhin den Beater der Millenium-Fußmaschine. Statt der mitgelieferten Kinder-Drumsticks verwende ich jetzt meine Vic Firth 55A Modelle. Wie ihr hören könnt, klingt das Set so wesentlich bassiger, satter und auch etwas lauter. Ein Fellwechsel macht das Set also nicht nur robuster, die Markenfelle holen auch noch einmal deutlich mehr Klangpotential aus den Kesseln heraus.

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