Test
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03.10.2018

MasterSounds Linear 4V Test

DJ-Mixer

Analoger Mischer mit Röhrenverstärkung

Kaum ein Jahr ist es her, da stellte die Mischpultschmiede MasterSounds aus Großbritannien einen Vierkanal-Mixer für Rotary-Fans vor, den mit analogem Schaltungsdesign und adretter Optik bei uns im Test für gut befundenen Radius 4. Bald darauf folgte eine zweikanalige Ausgabe. Nun hat man sich seitens des Herstellers entschlossen, das Portfolio mit einem Fader-Pult abzurunden, das on-top mit vier Röhrenverstärkern ausgerüstet wurde. Der Name ist Programm: Linear 4V (V steht für Valve). Klar, dass auch eine Rotary-Version nicht fehlen darf.

Integrierte Effekte haben diese Mischpulte nicht anzubieten, folglich serviert der Hersteller seine eigene externe Effektbox „MasterSounds FX“ (hier im Test), die sich als Erweiterung für sämtliche Radius-Mixer, aber auch für Pulte der Konkurrenz empfehlen möchte. Preislich ordnen sich die Produkte in der DJ-Oberklasse ein. 1.985,– Pfund Sterling sind für den Mischer zu entrichten, wohingegen das FX mit 495,– Tacken zubuche schlägt. Macht summa summarum rund 2.800 Euro plus Shipping, ein stolzes Sümmchen, so ist das wohl bei handgefertigten Produkten. Gelingt es MasterSounds, den Rotary-Analog-Hype auf ihr erstes Fader-Konzept zu übertragen?

Details

Der MasterSounds Linear 4V kommt in einer einfachen Kartonage gut in Styroporformteile verpackt zum Test. Brauner Karton mit Logo – kein Schnickschnack, das Mischpult ist die schwarze Edition, es gibt auch eine silberne Variante im Online-Store des Herstellers. Der DJ-Mixer mit dem herrlich schönen „oldschool meets nuschool“-Design legt partielle Anlehnungen an die Xone-Mixer-Serie an den Tag, zum Beispiel die Schalthebel, die der Crossfader-Zuweisung dienen oder die V6-ähnlichen Knobs. Dazu statt Master-LED-Ketten zwei VU-Meter, das sieht schon klasse aus.

Das Pult selbst ist 35 Zentimeter breit und 28 Zentimeter tief. Es kommt auf eine Höhe von 8 Zentimetern, wiegt 4,75 kg und steht auf vier fest verschraubten, mit 35 Millimetern Durchmesser recht groß geratenen Standfüßen sehr sicher. Zum Lieferumfang gehören neben dem Pult ein externes Netzteil und eine Betriebsanleitung. MasterSounds Linear 4V legt eine solide, wertige Verarbeitung an den Tag und fasst sich gut an, ist aber aufgrund der integrierten Röhren sicher etwas, was sich nicht unbedingt für den rauen On-the-road-Transport empfiehlt.

Die Firma Union Audio wurde 2014 von Andy Rigby-Jones, der bis dahin mehr als ein Jahrzehnt als Designmanager für die Xone-Serie bei Allen & Heath tätig war, ins Leben gerufen. Er war auch am Prototypen des Richie Hawtin Mixers Model One beteiligt.  Ryan Shaw von MasterSounds vertreibt Turntable-Zubehör und baut Technics-Plattenspieler um, die dann als MasterSounds SL Edition angeboten werden. Ferner sind auch analoge Mischpulte im Online-Store erhältlich wie der Radius 2 und der Radius 4, die wir hier bereits getestet haben.

Front und Backpanel

An der Vorderseite ist lediglich ein Kopfhöreranschluss in Form einer Standardklinke auszumachen. Etwas mehr los ist hinten am Backpanel. Dieses offenbart eingangsseitig vier Paar vergoldete Cinch-Buchsen, je einmal zum Anschluss von Phono- und Line-Gerätschaft. Jeweils zwei der vier Kanäle teilen sich eine Erdungsschraube, die groß und griffig geraten ist. Außerdem sind hier zwei XLR-Mikrofoneingänge vorzufinden. Zur Verbindung mit PA, Monitorboxen oder der heimischen DJ-Anlage stehen XLR und Klinke zur Auswahl, die separat geregelt werden können. Dazu gesellt sich ein vom Master-Pegel unabhängiger Record-Out bei -6 dBU. Schließlich wäre hier noch der Send/Return/Insert-Bus mit der Insert-On-Taste für das passende „MasterSounds FX“-Effektgerät zu nennen, dazu später mehr. Eine Buchse für das externe 18-V-Netzteil mit Power-Schalter beendet den Rundgang über das rückseitige Anschlussfeld.

Hauptkanäle und das rechte Mixerdrittel

Jeder der vier Hauptkanäle erwartet einen zuoberst mit dem Aux-Send und Trim-Regler (+10dB), gefolgt von einem Dreiband-EQ. Das ist gegenüber Radius 2 und 4, die in den Einzel-Kanälen lediglich eine Hochpassfilterung zur Klangregelung anbieten, schon ein beträchtlicher Unterschied in Sachen Klanganpassung. Rot illuminierende Vorhörtasten schicken den jeweiligen Kanal auf die Cue-Schiene. Ein silberner Kippschalter weist die Crossfader-Seiten zu oder schließt den Kanal davon aus. Die Channelfader sind mit „Studiocaps“ besetzt und lassen sich sehr grazil bewegen. Den anliegenden Pegel visualisiert ein neunsegmentiges LED-Meter (–25 bis +9 dB) in grün-orange. Die zehnte PK-LED signalisiert Übersteuerung. 

Sämtliche vier Kanäle sind mit Ausnahme der Mikrofonschaltung an 1 und 2 funktional identisch ausgerüstet. Wie gehabt findet sich in der Master-Sektion der Dreiband-Master-EQ/Isolator. Es gibt separate Master- und Booth-Ausgänge und Regelmöglichkeiten. Die Kopfhörersektion wartet mit Split-Funktion und Add-Mix-Regler (Cue-Mix) auf für die Blende zwischen Ausgabe und Vorhörsignal. Der Kopfhörerverstärker ist schön laut und dazu transparent im Sound. Ein EQ noch an dieser Stelle und es gäbe Szenenapplaus.

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