Genre_Metal Hersteller_Marshall
Test
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04.12.2010

Praxis

Der mitgelieferte Vierfach-Fußschalter macht einen unverwüstlichen Eindruck und bietet zwei Betriebsarten: Im Switch Store Mode lässt sich jeder einzelne der vier Fußtaster so konfigurieren, dass er die Funktionen eines beliebigen Frontplattenschalters übernimmt. Im Preset Store Modus kann jeder Fußtaster so konfiguriert werden, dass er den momentanen Ampstatus speichert. Damit kann sich der Musiker seinen Fußschalter an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Genug der Worte, die Röhren glühen bereits und das SM57 hat Platz vor dem Lautsprecher genommen.

Wie immer gehts mit den Cleansounds los und die Einstellung des EQs ist für alle Kanäle in der Mittelstellung. Dasselbe gilt natürlich auch für die Gainregler. Die drei Modi jedes Kanals werden analog zur LED-Anzeige Green, Orange und Red genannt. Im Green Mode des Clean/Crunch Kanals wird der Volumenregler aus dem Signal genommen, um ein möglichst unverfälschtes Signal zu erhalten, ganz in der Tradition klassischer Röhrenamps, die ihren eigentlichen Sound aus der Endstufe beziehen. Das ist der einzige Modus, bei dem dies übrigens der Fall ist.

Für das Audio-File habe ich eine Telecaster in der Halsposition verwendet.

Die Akkorde klingen voll und sind nicht so superclean, was ich durchaus reizvoll finde. Es klingt typisch nach Marshall, eine gewisse Rauheit lässt sich nicht leugnen.

Ich schalte jetzt in die Stegposition.

Natürlich ändert sich schlagartig das Klangbild und die Tele zeigt Zähne. Durch die Klangcharakteristik des Combos bekommt diese Spielweise die Portion Schmutz, die sie benötigt. Die Attacks werden sehr schön herausgearbeitet, jedoch habe ich das Gefühl, als ob ein Compressor ganz leicht seine Hände über das Klanggeschehen gelegt hat, was natürlich nicht der Fall ist, denn wir wollen ja hören, wie der Amp unverfälscht klingt.

Der Orange-Mode ist angelehnt an die Vorstufendesigns der klassischen Marshall JTM 45 und des 1959 Plexi. Und das klingt mit der Tele in der Halsposition so:

Augenblicklich wird der Sound rauer und heraus kommt ein wundervoll satter Crunchsound. Breitbeinig macht der kleine Combo auf sich aufmerksam und macht klar, warum Marshall vorne draufsteht. Die Mitten treten etwas mehr in den Vordergrund und der Sound wird kompakter, ohne seine Luftigkeit zu verlieren.
Toll!

Mal hören, ob sich die Les Paul ähnlich wohlfühlt.

Jawoll, das tut sie. Bauartbedingt klingt eine Paula nun mal fetter und etwas komprimierter und das ist auch gut so! Der JVM arbeitet den klassischen Rocksound hervorragend heraus und wandelt das Signal sehr dynamisch um. Der Celestion G12B zeigt hier zu Recht, warum er lange Zeit der Speaker in Marshall Cabinets war und deshalb auf unzähligen Platten zu hören ist. Die Art und Weise, wie der Speaker Obertöne herausarbeitet, ist absolut stilprägend.

Im Red Modus lehnt sich der Combo an den JCM800 Modell “2203“ an.
Ohne übertreiben zu wollen, kann man behaupten, dass der JCM 800 der Rockamp schlechthin war/ist und auf Scheiben von Guns´n´Roses über Slyer und allen denkbaren Schattierung dazwischen vertreten ist. Mal hören, ob der JVM wirklich herankommt.

Ich würde sagen, das ist schon ziemlich nah dran! Natürlich bietet eine 1x12“ Box nicht das Fundament und die Luftigkeit einer 4x12“ Box, aber der Grundsound ist ganz klar an den Klassiker angelehnt. Wer es braucht, kann problemlos eine größere Box anschließen. Übrigens, kennt eigentlich noch jemand dieses Riff?

So, jetzt schultere ich die Düsenberg Starplayer und füttere den Combo mit ein paar Rock 'n' Roll Riffs. Ich muss sagen, das macht wirklich Spaß. Wie gesagt, es handelt sich hier ja um einen Combo und dementsprechend wird der Sound etwas nasaler, aber ich finde, das hat durchaus seinen Reiz und gefällt mir ausgesprochen gut!

Kommen wir zum zweiten Kanal.

Im Overdrive-Kanal bildet ein getunter JCM 800 die Grundlage des Green Modus, der die Grundcharakteristik des Red Channels im ersten Kanal hat, jedoch mehr Zerrintensivität besitzt.

Für das Soundfile habe ich eine PRS Starla verwendet. In der Tat ist die Grundcharakteristik wie die des ersten Kanals im Red Mode, nur mit einer Extraportion mehr Gain. Das Höhenbild wird etwas präsenter und durch die größere Zerre fließen die Töne mehr zusammen, perfekt für dreckige Blues- oder auch Rockriffs, bei denen auch soliert wird.

In Verbindung mit der Düsenberg wird deutlich, wie feinfühlig der JVM 215C auf unterschiedliche Gitarren reagiert. Die Charakteristik verändert sich merklich und die Düse mutiert zum Riffmonster.

Ich schalte jetzt einmal das Reverb ein und greife wieder zur PRS.

In diesem Fall habe ich den Hall bewusst weiter aufgedreht, um den Effekt deutlicher herauszuarbeiten.

Sehr feinfühlig legt er sich um die Töne und verdichtet sie. Das Reverb klingt ausgesprochen gut und plastisch, ich habe in keiner Sekunde das Gefühl, dass es sich hier um eine digitale Variante handelt.


Der Orange Mode basiert auf dem Green Mode, jedoch wird eine Vorstufenröhre zugeschaltet und sorgt damit für einen gehörigen Gainschub.

Für die Soundfiles habe ich eine Les Paul verwendet, einmal mit dem Hals- und einmal mit dem Steg-PU.

In der Stegposition erzeugt der Amp den typischen Marshall Heavy-Sound, sehr formbar, leugnet aber zu keinem Zeitpunkt seine Herkunft. Der Klang bleibt trotz hoher Zerrintensität straff und quittiert jeden Anschlag mit einem fetten Schmatzen. Durch seine 50 Watt mischt sich hier auch die Endstufe ins Geschehen ein und trägt ihren Teil zum Sound bei. Gerade im Bassbereich ist das bei den Achteln sehr schön herauszuhören. Die Töne “federn“ zwischen den Anschlägen und erzeugen so eine Wuchtigkeit, die für diese Spielweise unabdingbar ist.

Interessant wird es mit dem Hals Pickup. In der Regel tendieren Amps mit hohem Zerrgrad in dieser Einstellung zum Matschen. Das Gegenteil ist hier der Fall! Jeder Ton ist wunderbar herauszuhören, gerade die Anschläge machen eine Menge Obertöne frei, die den Attacks ihre Durchsetzungskraft verleihen.

Als Letztes hören wir den Red Mode. In diesem Mode werden im Grunde aktuelle Marshall-Sounds mit großem Gain-Potenzial generiert.
Hier muss man schon wirklich aufpassen, da selbst Gitarren, die sonst feedbackresistent sind, gehörig ins Pfeifen kommen. Ich empfehle aus diesem Grund, den Amp auf dem Boden stehen zu lassen, ist eh gesünder :-)

Hier habe ich eine Les Paul mit dem Steg-Pickup verwendet.

Die Zerrintensität ist schon unglaublich. Hier bleibt kein Auge trocken, Shredder fühlen sich hier genau so wohl wie gestandene Rocker, kein Wunder, dass Joe Satriani sich für diese Amp-Serie entschieden hat. Auch hier ist das Klangbild typisch Marshall, sprich, jede Menge Mitten, viele Obertöne und der klassische britische Sound, den EL34 Endstufenröhren erzeugen.

Im letzten Beispiel kommt eine Strat mit Jeff Beck Humbucker zum Einsatz.

Der Sound wird im Gegensatz zur Paula schlanker und spritziger. Wie gesagt, an der Einstellung habe ich nichts verändert. Jeder Ton ist selbst bei schnelleren Pickings sehr akzentuiert herauszuhören, auch hier verwischen die Töne nicht oder werden von irgendwelchen Frequenzen überschattet.



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