Gitarre Hersteller_Marshall
Test
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30.05.2016

Marshall Code25 Test

E-Gitarren-Combo

Twentysomething

Die Marshall Code Amps standen auf der Winter-NAMM beim britischen Traditionshersteller auf dem Präsentierteller, und mit dem Code25 wagt sich nun auch das kleinste Modell der Serie in die Öffentlichkeit. Der 25 Watt starke Combo kommt mit Digital-Endstufe und besitzt wie seine Geschwister eine digitale Klangerzeugung, die in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Software-Spezialisten Softube entwickelt wurde. Eine sehr produktive Verbindung, wie bereits die letzten Jahre zeigten, denn die Schweden sind auch für die Marshall-Plug-Ins auf der UAD-Plattform verantwortlich, und dort haben sie bekanntlich ganze Arbeit geleistet.

14 Amp-Modelle und 24 Effekte sind integriert und der kleine Combo ist mit einem 10 Zoll Lautsprecher ausgestattet. Und weil in den Code Amps die Technologie von Softube steckt, stellt sich ganz automatisch die Frage, ob sich die Klangqualität der Plug-Ins auch in unserem Kandidaten wiederfindet, denn der Verstärker ist tatsächlich günstiger zu haben als das Marshall Legends Bundle im Universal Audio Online-Store.

Details

Gehäuse/Optik

Der Code25 kommt im kompakten Würfel-Format mit den Maßen 350 x 340 x 215 mm (B x H x T) und bringt gerade einmal 6,2 kg auf die Waage. Das Gehäuse ist mit schwarzem Tolex umhüllt und der 10" Speaker wird von ebenfalls schwarzem Bespannstoff mit weißem Marshall Logo verdeckt. Auf der Oberseite ist mittig der Griff angebracht, an ihm lässt sich der Amp auch längere Strecken stressfrei und gut ausbalanciert tragen. Und weil der Amp als Toploader konzipiert ist, liegt das Bedienfeld direkt dahinter - eine sinnvolle Lösung, denn wenn der Verstärker auf dem Boden oder leicht erhöht steht, hat man mit dieser Konzeption die beste Übersicht zum Einstellen des Sounds. Man findet auf dem Panel sämtliche Regler und Anschlüsse, die Rückseite ist komplett dicht und leer, lediglich der Anschluss für das Netzkabel ist hier vorzufinden. Stabilen und rutschfesten Halt bekommt der Code25 durch vier Gummifüße. Der Amp macht rein optisch einen guten Eindruck, er wirkt schlicht und schnörkellos.

Bedienfeld

Das Bedienfeld ist in zwei Reihen aufgeteilt, in der unteren sind sieben Regler zu finden und darüber insgesamt acht Taster im schwarz unterlegten Feld. Dazu kommt ein kleines Display, mit dem der Preset-Name und die Parameter beim Editieren angezeigt werden können. Der Code25 hat zwei Eingänge, einen für die Gitarre mit einem 6,3 mm Klinkenanschluss und einen Miniklinken-Anschluss, der mit einem iPod Symbol gekennzeichnet ist. Hier können Zuspieler mit Line-Pegel angeschlossen werden - zum Beispiel ein Smartphone mit der bonedo-App, mit der ihr zu unseren Jamtracks spielen könnt. Damit ihr dabei euren Mitbewohnern nicht auf den Keks geht, steht ein Kopfhörer-Ausgang im Stereo-Miniklinkenformat bereit. Ist dieser belegt, schaltet sich der interne Speaker aus. Ein Anschluss für einen externen Fußschalter ist auch an Bord, den gibt es als Vierfach-Leiste extra für knapp unter siebzig Euro und der schaltet dann die Presets um und zeigt den Tuner an. Wer den Amp als Audio-Interface nutzen möchte, der verbindet seinen Rechner über den USB-Anschluss mit dem Code25 und befördert so die Modeling-Sounds direkt auf die Festplatte.

Bedienung

Das Bedienkonzept ist recht logisch aufgebaut: Mit dem Preset-Regler, einem Endlos-Rasterpoti, werden die einzelnen Speicherplätze aufgerufen, von denen insgesamt 100 zur Verfügung stehen. Diese sind ab Werk schon mit vorgefertigten Sounds belegt, die allesamt nach Belieben verändert werden können. Dafür sind vordergründig die Regler zuständig, die das typische Amp-Panel mit Gain, Bass, Middle, Treble und Volume abbilden und für den direkten Zugriff bereitstehen. Dreht man an einem Regler, wird im Display der aktuelle Wert auf der linken Seite angezeigt, der ursprüngliche Wert steht rechts. Gute Sache, denn so ist man auf jeden Fall ein wenig davor gefeit, unter Umständen aus Versehen ein gutes Setting zu vernichten. Der Master-Regler auf der rechten Seite bestimmt die Gesamtlautstärke des Amps und ist nicht speicherbar. Will man nun ins Detail und am Finetuning und den Effekten feilen, sind die Taster in der zweiten Reihe angesagt, wo folgende Parameter verfügbar sind:

  • PRE FX - Die Effekte vor der Amp-Sektion (Wah, Distortion, Compressor, Pitch Shift)
  • AMP - Die Parameter des Amps (14 verschiedene Amp-Typen, Einstellungen des Noise-Gates)
  • MOD - Modulationseffekte (Chorus, Phaser, Flanger, Tremolo)
  • DEL - Delay (Vintage, Multi, Reverse, Studio)
  • REV - Reverb (Spring, Stadium, Room, Hall)
  • POWER - Endstufe (Classic, Vintage, British, American)
  • CAB - Cab Simulation (8 verschieden Cab-Typen)

Die einzelnen Sektionen können durch einfaches Drücken des jeweiligenTasters ein- und ausgeschaltet werden. Wird ein Taster für einen kurzen Moment gedrückt gehalten, ist der Edit-Mode für die betreffende Sektion aktiviert. Drücke ich nun zum Beispiel auf PRE FX, kann ich mit dem ersten Fenster den Effekt-Typ auswählen (Distortion, Compressor, Auto Wah, Pitch Shift). Dies geschieht durch Drehen am Preset-Poti. Drücke ich dann auf das Poti (Schaltfunktion), kann ich den ersten Parameter des Effektes editieren, bei erneutem Drücken den Zweiten und so weiter. Das ist zwar nicht so komfortabel wie mit mehreren Multifunktions-Reglern, aber es erlaubt auf jeden Fall eine feinere Einstellung der Effekte. Bei kleinen Übungsamps hat man sonst oft nur einen Regler für die Effektsektion, mit dem gerade einmal der Effektanteil eingestellt werden kann. So gesehen ergeben sich hier erheblich mehr Möglichkeiten.

Etwas komfortabler gestaltet sich die Steuerung und das Editieren des Amps mit der Marshall Gateway App. Sie bietet auf dem Smartphone oder besser noch auf einem Tablet eine wesentlich übersichtlichere Darstellung der Parameter. Auch Audiodateien aus der Musikdatenbank des Smartphones/Tablets lassen sich hiermit über den Code 25 abspielen - wenn es funktioniert, eine richtig feine Sache ...

Die Software Version 0.8.0 war die aktuellste zum Zeitpunkt des Tests, aber die gibt im Moment nur einen Einblick in die grafische Darstellung des Ganzen. Die Verbindung über Bluetooth mit dem Amp hat leider noch nicht geklappt, deshalb kann ich keine Aussagen zur Funktionalität dieser Bedienungsform machen. Da man davon ausgehen kann, dass in absehbarer Zeit eine funktionierende Version veröffentlicht wird, werde ich das nicht als Negativ-Punkt im Test werten. Sobald eine testfähige Version am Start ist, wird das Ganze noch einmal überprüft und in einem Update hier veröffentlicht.

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