Hersteller_Manley
Test
2
21.05.2015

Manley Force Test

Vierkanaliger Röhren-Mikrofonvorverstärker

US-Sound plus Detailtreue

Der neue Vierfach-Mikrofonvorverstärker Manley Force ist bei bonedo zum Test eingetroffen – unser Testgerät trägt die Seriennummer 001. Auf der NAMM 2015 wurde der Röhren-Preamp angekündigt, auf der Musikmesse 2015 war das erste Gerät in Europa zu bewundern - und wir durften es direkt einsacken. Es geht gewiss nicht um irgendeinen Tube-Pre, sondern um ein Gerät eines mehr als renommierten Herstellers:

Manley genießt seinen hervorragenden Ruf vor allem wegen seines EQs Massive Passive, aber auch der Slam! und das Reference Gold, ein Großmembran-Kondensatormikrofon, sind äußerst angesehene Werkzeuge bei professionellen Tontechnikern weltweit. Dass nun vier Preamp-Kanäle zum zwar nicht günstigen, aber immerhin nicht exorbitant hohen Preis angeboten werden, macht natürlich neugierig!

Details

Viermal das Gleiche

Der Force kommt im nicht gerade grazilen Gewand: Die massige Frontplatte des 2HE/19“-Gehäuses ist eine klare Aussage. Optisch voneinander getrennt sind die vier identisch ausgestatteten Kanäle über die Front verteilt. Jede dieser Abteilungen besitzt mit Gain, High-/Low-Gain-Schalter, Signalinvertierung, Phantomspeisung und 120Hz-Hochpassfilter die gleichen Bedienelemente, ebenso verfügen alle vier Preamps über einen Instrument-Input und ein LED-Meter mit sieben Segmenten. 

300 V DC

Rückseitig findet man XLR-I/Os sowie den Anschluss für das interne Netzteil. Dieses transformiert unter anderem auf 300 Volt Gleichspannung hoch – eines der Hauptargumente für den Verstärker. Getreu der simplen Rechnung „höhere Spannung = höhere Dynamik“ lässt Manley im Force die Bauteile spannungsmäßig nicht verhungern, sodass die Doppeltrioden (12AX7WA) in Spannungsbereichen arbeiten können, die ihre Fähigkeiten auch vollkommen ausnutzen. Für den Klangcharakter des Force wird im Wesentlichen aber der speziell angefertigte, handgewickelte Eisenkern-Übertrager an jedem Input verantwortlich sein, dessen Aufdruck „Iron“ sogar durch die Lüftungsschlitze des geschlossenen Gehäusedeckels hindurch erspäht werden kann. 

Wenig Gain

Der Frequenzgang bewegt sich innerhalb der klassischen Grenzen (20 Hz bis 20 kHz) in einem nur geringen Abweichungsbereich von +/-0,4 dB, mit Rauschen hat man so gut wie nichts an den Füßen, wenn man bedenkt, dass es sich um ein Röhrengerät handelt: -85 dB im Low-Gain-Setting. Im Low-Gain-Modus beträgt die maximale Verstärkung nur 40 dB, im höheren Setting 50 dB. Das ist sehr wenig! Ein interner Jumper kann beide Werte um je zehn Dezibel erhöhen, aber dennoch bleibt das sehr gering im Vergleich mit manchen Preamps, die 76 oder gar über 80 dB Verstärkung ermöglichen. Die Eingangsimpedanz ist mit 1,25 kOhm nicht besonders hoch.

Optisches

Während der Massive Passive noch ganz gut aussieht, ist der Channel-Strip Manley Core aus europäischer Sicht eine Beleidigung des Ästhetikempfindens, vom Mikrofon Reference Gold ganz zu schweigen. Der Manley Force liegt irgendwo dazwischen, glücklicherweise ist er gestalterisch nicht weiter auffällig. Ich denke allerdings, dass der Verzicht auf die beiden Schwünge der schwarz abgesetzten Kanaleinheiten und auf die „total crazy“ abgeknickten Meter dem Force etwas Zeitloses gegeben hätte, was ihm nun fehlt. Gut, wir sind kein Magazin für Produktdesigner, sondern Musiker und Tontechniker.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare