Test
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20.12.2013

Lewitt DTP 640 Rex Test

Tauchspulen-/Kondensator-Bassdrummikrofon

Buy one, get one free!

Das Bassdrum-Mikrofon Lewitt DTP 640 Rex im bonedo-Test – Als Standard für die Abnahme einer Bassdrum hat sich – besonders dann, wenn im Inneren des Instruments mikrofoniert wird – das dynamische Wandlerprinzip durchgesetzt. Üblicherweise werden Tauchspulenmikrofone mit einer recht großen Membran verwendet, deren akustische Eigenschaften meist baulich/mechanisch so weit wie möglich zu einer ordentlichen Bassempfindlichkeit gezüchtet und für einen knackigen Attack optimiert sind. Moving-Coil-Mikrofone sind zwar schön pegelfest, besitzen durch die aufgeklebte Schwingspule eine zu hohe Membranmasse, um so fein, linear und auch “schnell” arbeiten zu können wie Kondensator- oder Bändchenmikrofone.

Hier kommt der österreichische Hersteller Lewitt mit dem DTP 640 Rex ins Spiel. Dieses Mikrofon hat unter seinem Korb nämlich zwei Kapseln, eine Tauchspulen- und eine Kondensatorkapsel. Damit, diese Idee zuerst gehabt zu haben, dürfen die Wiener aber nicht angeben: Das Audio-Technica AE2500 macht es genauso. Das soll uns bei bonedo aber nicht davon abhalten, das Mikrofon zum Casting zu bitten.

Details

Live-Tauglichkeit auf den ersten Blick

Das Metallgehäuse ist das, wofür es im englischen das Adjektiv “sturdy” gibt. Das ganze Mikrofon macht einen soliden, geradezu bulligen Eindruck. Der Korb kommt ohne äußerliche Verstärkung aus, zum Fuß des 640 gibt es ein Gelenk. Der genannte untere Teil des Mikros aus Lewitts DTP-Serie nimmt den Stativanschluss auf sowie die Ausgangsbuchse. Schraubt man den großen Korb ab, wird der Blick auf die beiden übereinander angeordneten Kapseln freigegeben. Zwar sind sie leicht unterschiedlich hoch gebaut, doch ist davon auszugehen, dass die eigentlichen Memrbranen exakt auf der gleichen Ebene liegen, wodurch zumindest exakt frontal eintreffender Schall keinen Laufzeit- und somit Phasenunterschied erfährt. 

Unterschiedliche Kapseln – bis hin zur Impedanz

Beide Wandlereinheiten sind Nierenkapseln, die obere ein Backplate-Elektret-System mit einem etwas kleineren Membrandurchmesser als bei den meisten Großmembranern, genauer: 0,88”. Das dynamische Pendant ist mit 1,25” typisch für ein Bassdrum-Mike. Dessen Frequenzgang ebenso: Die 20kHz-Marke wird mit fast 10 dB Pegelabfall durchlaufen, Peaks liegen bei etwa 4 und 12 kHz, im Bassbereich macht sich ein Anstieg hin zur unteren Grenzfrequenz bemerkbar. Es sind keine Messabstände verzeichnet, doch wird dieser Zusammenhang auf den Nahbesprechungseffekt des Gradientenempfängers zurückzuführen sein. Neben dem Abstand wird übrigens auch die Wahl des Mikrofonvorverstärkers (oder falls vorhanden: seiner Settings) Einfluss auf den resultierenden Frequenzgang des Mikrofons haben. Mit “weniger als 500 Ohm” bezeichnet, ist die Impedanz des Tauschspulensystems ziemlich hoch, üblich wären unter 200 Ohm (wie es bei der Kondesatorkapsel des 640 auch der Fall ist). Bei einem Preamp wie dem in aktuellen UA-Geräten verbauten Universal Audio 610ern kann die Umschaltung von 500 auf 2000 Ohm klanglich einiges bewirken!

Verzerrungen? Keine Chance!

Mit 0,4 mV/Pa Empfindlichkeit ist der dynamische Teil des Mikrofons ausgesprochen schwach: Ein AKG D112 hat fast 2 mV/Pa, selbst das für seinen geringen Output berüchtigte Bändchen Coles 4038 kommt auf 0,56 mV/Pa. Allerdings bekommt natürlich das Lewitt DTP 640 deutlich höhere Pegel zur Konsumierung. Beim Kondensatorelement zeigt sich die Bassdrum-Optimierung deutlich, denn mit 28 dB(A) ist es zwar unter Laborbedingungen verhältnismäßig rauschig, doch mit 150 dB(SPL) (für 0,5% THD!) außerordentlich pegelfest. Sollten in der Bassdrum kurzzeitige Wellenfronten generiert werden, die einen Pegelmesser über 150 dB(SPL) schnellen lassen, kann mit einem 10dB- oder sogar 20dB-Pad gegengesteuert werden. 170 dB(SPL) – das Mikro kann also etwa einen Meter neben einem startenden Düsenflugzeug aufgebaut werden, selbst die Kondensatorkapsel überträgt das dann noch so gut wie verzerrungsfrei. Aber wenn ihr das vorhabt, denkt bitte daran, das Pad einzuschalten… 

Pre-Shaping

Dass das 640 Rex kein Mikrofon ist, das einen spezifischen Sound liefert und sonst nichts, das dürfte alleine aufgrund des Dualkapselprinzips nachvollziehbar sein. Allerdings wird dem Engineer oder Musiker noch weit mehr an die Hand gegeben. Auf der Oberseite des Korpus findet man neben der Vordämpfung die Möglichkeit, den Frequenzgang beider Kapselelemente zu verändern. Genaugenommen werden allerdings nicht die Kapseln verändert (dies erfordert zusätzliche feine Mechanik, was nicht so einfach zu realisieren ist), sondern werden die Frequenzgänge in der nachfolgenden Schaltung elektrisch verändert – im Grunde also ein EQ, wie es im Lauten Atlantis der Fall ist. In der oberen Schaltstellung (als Icon nicht jedem sofort ersichtlich “=//=” gekennzeichnet) durchlaufen die Frequenzgänge keiner Änderung, eine Schaltstellung darunter (“+//=”, im Manual “Dynamic EFR” betitelt) wird der Tauchspulenteil des Bassdrum-Mikrofons mit einem Bell-Peak mit Mittenfrequenz von etwa 50 Hz versehen. “Dual EFR” (“+//+”) hingegen senkt den Tiefenanteil des dynamischen Wandlers stark ab, verändert aber ebenfalls sehr extrem den Frequenzgang des Kondensatorelements: Dessen Ausgang wird bei 70 Hz stark geboostet, um zu 20 Hz und 20 kHz stark und kontinuierlich abzufallen – dort beträgt der Pegel jeweils etwa 30 dB weniger als auf dem Peak!

Adapterkabel

Da ja das Lewitt DTP 640 Rex im Grunde zwei Mikrofone in einem ist, müssen diese Signale natürlich auch getrennt aus dem Gehäuse herausgeführt werden. Ein übliches dreipoliges XLR-Kabel reicht dafür nicht aus: An der Unterseite des Mikros findet man eine XLR-Buchse mit fünf Pins, im Lieferumfang ist ein kleines Adapterkabel, dessen XLRm-Stecker mit “Condenser” und “Dynamic” beschriftet sind. “Condenser” benötigt natürlich Phantomspeisung zum Betrieb, sollte diese blockweise geschaltet werden: Tauchspulenmikros vertragen diese im Regelfall (außer bei einem Kabeldefekt!). Eine Kiste zur Aufbewahrung gibt es nicht, eine Tasche befindet sich im Lieferumfang. Zwar sollte man Adapterkabel und Mikrofon gemeinsam aufbewahren, doch sollte man sich in diesem Fall darauf einstellen, dass es zu Abrieb kommen kann, wenn Metall Metall berührt. Klar: Eine vernünftiger Koffer wie beim Lewitt LCT 940 wäre besser gewesen, doch bis sich der Umkarton “verflüchtigt”, tut er es auch als Heim für Mikrofon und Beiwerk: Er verfügt über passend geformte Aussparungen. 

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