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Test
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20.06.2017

Komet 29 Top und AmbiKab Box Test

Röhren-Topteil und Lautsprecherbox

Ehrlich, direkt, kompromisslos … und laut!

Mit dem Komet 29 Topteil und der AmbiKab Lautsprecherbox haben wir heute einen Leckerbissen aus der Riege der Boutique-Röhrenamps Made in USA im Test. Der Hersteller Komet ist hierzulande noch recht unbekannt, aber schon einige Jahre im Business. Hinter dem Namen Komet Amplification stehen Holger Notzel und Michael Kennedy, die seit 1998 eine Reparaturwerkstatt für Vintage-Gitarren und Röhrenverstärker in Baton Rouge (Louisiana) betreiben. Dort wurden auch die ersten Komet-Amps entwickelt, das Ganze unter Mithilfe des legendären Amp-Designers Ken Fischer (Trainwreck), dessen Original-Trainwreck-Schaltung auch im Komet 60 steckte.

Die Bezeichnung Boutique trifft für den Fertigungsstandard auf jeden Fall zu: Jeder Komet-Verstärker wird in Baton Rouge sorgfältig von Hand gebaut und jedes kleinste Detail eingehend geprüft, bevor er die Produktion verlässt. Die Amps werden mit versilbertem und verzinntem Teflon-Draht von Hand verlötet und die Chassis der Verstärker aus Flugzeugaluminium lasergeschnitten und verschweißt. Laut Hersteller werden bei jedem Amp ausschließlich 2-Watt-Potentiometer höchster Qualität verwendet, genauso wie Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben aus Edelstahl. Das Bedienfeld, die Kondensatoren sowie die Schalter der Amps sind ebenfalls höchster Standard. Weiß man um diese Markenphilosophie, dann kann man sich denken, dass man bei diesen Zutaten etwas tiefer in die Tasche greifen muss. Unser Testmodell, das Komet 29 Topteil, liegt bei einem UVP von satten 3899 Euro. Ob man außer den erlesenen Bauteilen auch entsprechende Ansprüche an den Ton des Amps stellen darf, erfahrt ihr gleich. Außerdem präsentiert sich zusammen mit dem Verstärker die AmbiKab-Box, eine sehr interessante Kombination aus einem passiven 2 x 12" Cabinet und einer aktiven Stereo-Lautsprecherbox mit 80 Watt, die über zwei 8-Zoll-Lautsprecher ausgegeben werden. Ein Stereo-Wet-Dry-Wet-System zum Einsatz für Amps ohne Effektloop und ein sehr innovatives Konzept, das auch noch richtig gut klingt, so viel schon vorab.

Details

Gehäuse/Optik

Schlichte, aber feine Optik ist beim Komet 29 Topteil angesagt. Der Amp kommt in recht kompakten Maßen von 440 x 230 x 225 mm (B x H x T) und einem Gesamtgewicht von 13,6 kg. Das Holzgehäuse (Birkensperrholz) ist mit weißem Tolex überzogen, es steht rutschfest auf vier Gummifüßen und kann an einem stabilen Kunstledergriff gut ausbalanciert getragen werden. Auf der Frontseite lacht uns das große dreieckige Logo entgegen, darunter befindet sich das silberfarbene und recht überschaubare Frontpaneel mit Bedienelementen in Form von Schaltern und Chickenhead-Reglern. Drei Potis und ein Schalter stehen zur Einstellung des Sounds zur Verfügung, dazu kommen die Eingangsbuchse, Status-LED in Rot sowie Power- und Standby-Schalter. Schon beim ersten Kontakt wird klar, dass es sich tatsächlich um hochwertiges Material handelt. Alles ist solide gefertigt und stabil befestigt, kein Bauteil macht den Eindruck, dass es irgendwann den Dienst quittieren könnte. Den hohen Standard der Teile und der Fertigung kann ich eindeutig bestätigen. Im Inneren glühen zwei 12AX7 Röhren in der Vorstufe und vier EL84 in der Endstufe.

Bedienfeld

Der Amp ist als klassischer Einkanaler konzipiert mit einem Volume- und einem Tone-Regler für Lautstärke und Klangfarbe. Der Zerrgrad ist abhängig vom dritten im Bunde, dem Thrust-Regler. Bei niedrigen Einstellungen hat man höhere Clean-Reserven, je weiter man den Thrust-Regler aufdreht, desto mehr wird der Amp zum Übersteuern gebracht. Daneben findet sich ein dreistufiger Bright-Schalter, der den Frequenzgang im Höhenbereich beeinflusst. Genaueres dazu erfahrt ihr selbstverständlich im Praxisteil.

Rückseite

Die Rückseite präsentiert sich ebenso unspektakulär. Es stehen zwei Speaker-Outs zur Verfügung und zur Anpassung an die verwendete(n) Lautsprecherbox(en) lässt sich die Impedanz mit einem Rasterpoti mit Chickenhead-Knopf auf 4, 8 oder 16 Ohm einstellen. Außerdem finden sich dort zwei Sicherungen und die Buchse für das Kaltgeräte-Kabel.

AmbiKab Lautsprecherbox

Die AmbiKab Box erfreut Gitarristen, die ihre Effekte bevorzugt in Stereo hören möchten. Ich hatte es eingangs erwähnt, unser Testmodell ist eine neue, innovative Konzeption und Kombination aus passivem Cabinet und aktiver Stereo-Lautsprecherbox. Bestückt ist die AmbiKab mit einem 12" Celestion A-Type und einem 12" Celestion G12H 30 im unteren Bereich, nebeneinander angeordnet. Hier wird das pure Ampsignal ausgegeben, der Speaker Out des Amps wird mit dem Speaker Input (16 Ohm) der Box verbunden. Über den beiden 12" Speakern befinden sich zwei 8" Celestion Speaker, die an die integrierte Stereo-Endstufe angeschlossen sind.

Um in den Genuss des Stereosounds zu kommen, sollte folgende Verkabelung vorgenommen werden: Der Effects-Send an der Rückseite liefert eine Line-Ausgabe des Signal, das vom Speaker-Input abgegriffen wird. Das wird an die Effektbatterie (Modulation, Delay, Reverb) geschickt, die normalerweise im Einschleifweg geparkt wird. Zurück geht es dann aus den Effekten natürlich in Stereo in den Left- und Right-Effects-Input. Per Effects Volume-Regler wird die Lautstärke des Effektsignals justiert und zu hören ist das Ganze dann nur über die beiden oberen 8" Lautsprecher, natürlich wiederum in Stereo. Ein optionaler Fußschalter, der an die Effects-Kill-Buchse angeschlossen wird, schaltet das Signal an den beiden 8" Speakern bei Bedarf stumm. Resultat ist ein astreines Wet-Dry-Wet-System, bei dem man nicht einmal einen Amp mit Einschleifweg benötigt, denn das benötigte Line-Signal für die Effekte wird aus dem Speaker-Signal generiert. Eine feine Sache, wenn man alles in einem Kasten unter Dach und Fach hat. Naturgemäß benötigt man aber für den Transport trainierte Muskeln oder noch besser einige tatkräftige Helfer, denn die AmbiKab Box bringt stattliche 33 Kilogramm auf die Waage, und das ohne Rollen. Und auch beim Preis geht es schwergewichtig zu, die Box wird für einen UVP von 2699,00 Euro in den Laden kommen.

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