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05.07.2013

Pro Tools 2019 Workshop #5: Playlists

Comping, Playlists bei Multitrack-Aufnahmen, Edit-Groups, Commands-Keyboard-Focus-Mode

Mit den Playlists bietet Pro Tools ein unglaublich starkes Feature, das allerdings vielen Anwendern kaum bekannt ist. An zwei konkreten Beispielen zeige ich in dieser Folge, wie effektiv man mit Playlists arbeiten kann.

Was ist eigentlich eine Playlist?

Eine Playlist wird ganz einfach mit "Abspielliste" übersetzt: Sie trägt die Informationen über die Anordnung von Clips (früher „Regions“ genannt) auf einer Spur. Wenn ich zum Beispiel Vocals auf einem Audiotrack habe, die aus den Clips Vers, Bridge, Chorus besteht, spielt die Spur „Vocals“ diese Clips in der Reihenfolge ab, in der sie angeordnet sind. Klicke ich jetzt im Edit-Fenster auf das Pfeil-Symbol neben dem Track-Namen, kann ich für diese Spur eine neue Playlist anlegen. Das Edit-Fenster zeigt dann auf diesem Audiotrack keine Clips mehr an und bei der Wiedergabe ist auf dieser Spur auch nichts zu hören. Denn: Pro Track kann immer nur eine Playlist aktiv sein. Über das Playlist-Menü, das ich eben zur Erzeugung einer neuen Playlist benutzt habe, kann ich aber jederzeit wieder auf die ursprüngliche Playlist zurückschalten. So eignen sich Playlists für alle Aufnahmen, bei denen man verschiedene Takes des eingespielten Materials behalten will, um daraus nachher den perfekten Take zusammenzuschneiden. Playlists dienen vor allen Dingen der Übersichtlichkeit im Edit-Fenster, denn die Regions werden sozusagen in der z-Ebene eines Koordinatensystems „aufbewahrt“ und nicht auf der y-Achse wie bei vielen anderen Sequencern.

Comping-Basics

Die einfachste und naheliegendste Anwendung für Playlists ist die Aufnahme von Einzelspuren wie Vocals oder Gitarren inklusive anschließendem Comping ("Zusammenstellen") der besten Abschnitte. Und das ist wirklich sehr einfach:

Vor der ersten Aufnahme wird eine neue Playlist für den Track erstellt, dem ursprünglichen Track-Namen wird dabei die Extension „.01“ angehängt. Dieses Vorgehen bietet folgenden Vorteil: Die bei der Aufnahme erzeugten Audiofiles sind nach den Track-Namen benannt und besitzen ebenfalls eine Extension nach der Take-Nummer. So heißt zum Beispiel ein Audiofile, das auf der Spur mit dem Namen „Vocal“ erzeugt wird „Vocal_01“. Die Playlist heißt aber nur „Vocals“. Damit die Take-Nummern mit den Playlist-Nummern übereinstimmen, ist es sinnvoll, direkt vor der Aufnahme eine neue Playlist zu erzeugen.Wie die File-Namen der resultierenden Audio Clips  zu lesen sind, seht Ihr in dieser Abbildung:

Comping im Loop

Falls man im Loop aufnimmt, verkompliziert sich der Dateiname noch ein bisschen. Ein File heißt dann zum Beispiel „Vocal.01_01-03“. Der Namensanfang „Vocal.01“ zeigt an, dass die Playlist „Vocal.01“ zum Zeitpunkt der Aufnahme aktiv war. Der Zusatz „_01“ teilt mit, dass es sich um den ersten Aufnahme-Take auf dieser Spur handelt und die „-03“, dass dieser Clip im dritten Durchlauf des Loop-Recordings erzeugt wurde:

Record Ready!

Wenn Ihr mit den Vorbereitungen fertig seid, könnt Ihr mit der Aufnahme beginnen, egal ob in einzelnen Takes oder im Loop. Um die Clips oder Abschnitte aus Clips zum perfekten Take zu kombinieren, muss man zunächst die Spuransicht von „waveform“ auf „playlists“ umstellen. Schon entfalten sich die einzelnen Takes auf der y-Achse des Edit-Fensters. Wählt anschließend die Haupt-Playlist (in meinem Beispiel „Vocal“) für die Spur aus. Sobald Ihr jetzt in einem der Clips unten einen Bereich markiert, wird der Pfeil unter dem Playlist-Namen aktiv. Sobald man auf diesen Pfeil klickt, wird der ausgewählte Abschnitt nach oben in die Haupt-Playlist kopiert. Wie das aussieht, zeigt das kleine Video:

Playlists bei Multitrack-Aufnahmen einsetzen

Für eine Aufnahme-Session mit 15 Streichern und drei Holzbläsern, die alle gleichzeitig im Aufnahmeraum spielten, konnte ich die Playlists kürzlich ebenfalls sehr gewinnbringend einsetzen. Dieses Beispiel lässt sich aber auch auf jeden anderen multi-mikrofonierten Klangkörper wie eine komplette Band oder ein Drumkit übertragen. Das Setup war so mikrofoniert, dass bei jedem Take insgesamt sieben Audiospuren entstanden, sechs in Mono (Stützmikrofone für die einzelnen Instrumentengruppen) und eine Raummikrofonierung in Stereo. Arbeitet man bei einer solchen Produktion auf der y-Achse, schiebt also alle Takes nach der Aufnahme „nach unten“ weg, hat man schnell ein relativ unübersichtliches Edit-Fenster. Im übrigen ist es in Pro Tools bei einem gemischten Setup aus Mono- und Stereo-Spuren gar nicht so einfach, die Takes „nach unten“ abzulegen. Dort müssen immer wieder Sets mit dem gleichen Aufbau (in diesem Fall sechs Mono- und ein Stereo-Track) vorhanden sein. Da der musikalische Leiter der Produktion sich während der Aufnahmen die Nummern der Takes aufschrieb, in denen er gute Passagen gehört hatte, ging es auch darum, dass die Takes die richtigen Playlist-Namen besaßen. So konnte ich am Ende der Session mithilfe der Playlist-Verwaltung ganz einfach die perfekten Takes zusammenschneiden.

Das richtige Setup für Multitrack-Aufnahmen

Für die Aufnahme dieses Klangkörpers habe ich die sieben beschriebenen Spuren erzeugt, die ordentlich benannt wurden. Diese Spuren habe ich anschließend zu einer Edit/Mix-Group zusammengefasst, indem ich links unten im Edit-Fenster den Eintrag „New Group“ aus dem Edit-Groups-Menü ausgewählt habe. Ich habe ihr den Namen „Rec-Group“ gegeben. Das Zusammenfassen zur Group hat den Vorteil, dass alle Edit-Arbeiten wie das Selektieren aber auch das Erzeugen neuer Playlists von nun an für alle Tracks in einem Rutsch erledigt wird. Im Handling unterscheidet sich das Multitrack-Setup daher nicht mehr von einer Einzelspur.

Nachdem ich den ersten Take aufgenommen hatte, habe ich neue Playlists erzeugt (Extension „.02“) und anschließend den zweiten Take aufgenommen. Solange man für jeden Take eine neue Playlist erzeugt, bleiben die Playlist- und Take-Nummern in Balance. Und man kann unendlich viele Takes aufnehmen, ohne dass man sich das Edit-Fenster zumüllt.

Zusammenstellen der finalen Version ohne Schnitt

Sofern man – wie ich in diesem Fall – im Taktraster arbeitet, bietet das Vorgehen mit den Playlists noch einen weiteren Vorteil beim Editieren: Der musikalische Leiter hatte sich in seinen Noten die Take-Nummern aufgeschrieben, die er für die jeweilige Passage verwenden wollte. Wollte er zum Beispiel von Takt 1 bis 3 Take 14 benutzen, hörten wir die Passage zunächst durch die Auswahl der Playlists mit der Nummer 14 ab; wenn er sie für gut befand, wurde dieser Abschnitt einfach markiert (passiert genau wie die Auswahl der Playlists in einer Edit-Group für alle Tracks gemeinsam). Da ich den Commands-Keyboard-Focus-Mode eingeschaltet hatte (a...z-Symbol oberhalb der Timeline) musste ich lediglich „c“ drücken, um diesen Abschnitt in den Zwischenspeicher zu kopieren. An dieser Stelle kam dann wieder die Haupt-Playlist zum Einsatz, die ich am Anfang übergangen hatten: Ich wählte sie aus, drückte zum Einfügen die Taste „v“ und schon war dieser Abschnitt im „Master-Take“ – ohne dass ich auch nur einen Schnitt ausführen musste! Dieses Vorgehen funktioniert am besten, wenn das Material zu einem Click eingespielt wurde.

Shortcuts zum Comping/für Playlists

Wer mit den Playlists möglichst flüssig umgehen möchte, sollte sich das eine oder andere Tastaturkommando zum Playlist-Erzeugen einprägen. Es gibt jedoch einen Haken: Das funktioniert nur mit einer englischen Tastatur, wie etwa dem Pro Tools Custom Keyboard. Auf der deutschen Tastatur ist die Taste „|\“ nämlich nicht vorhanden, von der bei den Playlist-Kommandos reichlich Gebrauch gemacht wird. Also hier die wichtigsten Kommandos beim Comping:

Aktion Mac Windows
Die Playlist mit dem Edit-Cursor auf Solo schalten Shift+S Shift+S
Ausgewählten Bereich in die Haupt-Playlist kopieren Option+ Control+V Alt+Start+V
Neue Playlist für ausgewählten Track Control+l\ Start+\

Um für alle Tracks der Session eine neue Playlist zu erzeugen, wird zusätzlich die Taste Option/Alt gedrückt. Wenn nur alle selektierten Spuren eine neue Playlist erhalten sollen, muss zusätzlich die Shift-Taste gedrückt werden.

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