Test
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19.04.2017

Keith McMillen K-Mix Test

Audiointerface und programmierbarer MIDI-Controller

Der Tausendsassa für überall

Auf seiner Website erklärt Firmenchef Keith McMillen das Produkt K-Mix zur persönlichen Chefsache: „Ich brauchte einen sehr speziellen Mixer, der so nicht existierte: einen voll programmierbaren, MIDI-kontrollierten, sehr hochwertigen, tragbaren Mixer, mit allen nötigen Eingängen und USB-Anschluss, der als vollwertiges Bühnenmischpult fungieren kann.“

Also hat sich Keith McMillen selbst einen geschnitzt und heraus kam: der K-Mix. Welche Tricks das Gerät von der Größe eines iPads wohl drauf hat?

Details

Der K-Mix wird in einem kleinen Papp-Case mit Sichtfenstern geliefert, die schon im Geschäft einen Blick auf das Innere zulassen. Dezent wird die Packung von einem Magneten verschlossen. Das sieht schön stylish aus, aber umweltfreundlich verpacken geht 2016 anders. In der Box befinden sich ein USB-Netzstecker und vier verschiedene Aufsatzstecker für Europa, UK, Australien und USA/Japan, ein Mini-USB-Kabel, ein Micro-USB-Kabel, ein Quickstart-Beipackzettel und das Gerät selbst.

Was sofort auffällt: Der K-Mix ist klein, wirklich klein, ungefähr wie eine Roland AIRA TB-3. Und das soll ein ausgewachsener Mixer sein? Um es vorwegzunehmen: Es ist ganz erstaunlich, wie viel Funktionalität Keith McMillen in diese kleine Box hineingepackt hat. Und wie so oft konkurriert die Funktionsfülle mit der Übersichtlichkeit und Intuitivität einer Anwendung. Wir wollen sehen, wie der K-Mix diesen Spagat hinbekommt.

Bedienfeld

Das Gerät hat keinerlei bewegliche Teile. Alle Funktionen werden über neun weiße, berührungsempfindliche Silikon-Touchstrips, vier weiße, kreisrunde Touchpads, 27 farbig hintergrundbeleuchtete Gummitasten sowie das sogenannte „Diamond Pad“ bedient, ein vierteiliges Karo. Dabei wirkt der K-Mix sehr robust und wertig gewichtig, aufgrund der geringen Größe von 24 x 28 x 4 Zentimeter mit knapp über 700 Gramm aber dennoch schön leicht.

Das Herz des Geräts sind die neun 75 Millimeter langen Volumefader. Sie ragen leicht gewölbt aus der Oberfläche hervor und sind dadurch sehr intuitiv bedienbar. Sie sind ein guter Kompromiss zu herkömmlichen Schiebereglern und fungieren je nach angewähltem Modus als Volumeregler, Effekt-Sends oder rudimentäres VU-Meter.

Die Fader sind berührungssensitiv, aber keine Mimosen: Man muss schon etwas drücken, um eine Funktion zu erzeugen, durch versehentliches Darüberstreichen wird noch nichts verstellt. Der Clou ist, dass die Touchstrips dreifarbig hintergrundbeleuchtet sind. Im normalen Modus zeigen sie die „Fader-Position“ an und im „VU-Modus“ dienen sie als „LED-Ketten“. Nicht super-präzise, aber zur Level-Kontrolle völlig ausreichend. Das ist gut durchdacht und gut gemacht.

Am oberen und unteren Ende weisen die Touchstrips leichte Erhöhungen auf. Drückt man bei gehaltener Shift-Taste oben drauf, wird der Kanal solo geschaltet. Nach unten gedrückt, wird der entsprechende Kanal gemutet.Über den Touchstrips befinden sich acht hintergrundbeleuchtete und von eins bis acht durchnummerierte Taster, mit denen die einzelnen Kanäle angewählt werden. Über diesen fallen vier runde weiße Kreise ins Auge. Hier werden je nach angewähltem Modus die Parameter für Panorama, EQ, Reverb, Kompressor/Limiter und Gate eingestellt und deren Werte mittels roter LEDs auch angezeigt.

Die verschiedenen Modi können über zwölf blau hintergrundbeleuchtete, kleine, runde Gummitaster angewählt werden, die sich zwischen den Kanalzügen und dem Masterregler befinden und sehr klein beschriftet sind. Nach kurzer Eingewöhnungsphase sind die Positionen der meistgenutzten Ebenen aber verinnerlicht. Über den Mode-Buttons befindet sich ein breiter „Preset“-Schalter. Ist dieser gedrückt, dienen die Mode-Buttons zum Speichern und Abrufen von zwölf Presets. Über dem Preset-Schalter thront das schon erwähnte „Diamond Pad“, das unter anderem für die Transportfunktionen der DAW zuständig ist

Editor

Zur übersichtlichen Kontrolle gibt es für Mac ab OSX 10.7 den Editor als kostenlosen Download. Einige seltener genutzte Funktionen des K-Mix können nur über diesen Editor bedient werden. Die Software bildet auch stets die exakten Reglerpositionen der Hardware ab. Auch kann man den Mixer per Editor fernbedienen und die Presets verwalten. Die aktuelle Einstellung wird im Edit-Buffer des K-Mix auch nach dem Ausschalten zwischengespeichert, aber nur, wenn das Gerät auch tatsächlich per Power-Knopf ausgeschaltet wird. Man sollte den Mixer also nicht einfach von der Stromversorgung trennen.

Richtig Freude machen mir dann so kleine feine Details wie die View-Linking-Funktion, die in den Preferences des Editors aktiviert werden kann, sodass der Editor stets den angewählten Modus der Hardware spiegelt. Schaltet man in die Reverb-Ebene, zeigt auch der Editor das Reverb-Fenster an. Ob der Editor nun als Fernbedienung für den K-Mix oder die Hardware-Oberfläche als Remote Control für den Editor agieren soll, entscheidet der User.

Kanalzug

Der K-Mix verfügt pro Kanal über einen Dreiband-EQ mit zusätzlichem Trittschallfilter, einen Kompressor/Limiter, ein Noise Gate und Routing für die drei möglichen Aux-Wege. Jeweils zwei nebeneinander liegende Kanäle können zu Stereokanälen verlinkt werden.

EQ

Der Dreiband-EQ kommt mit semiparametrischen Höhen und Bässen sowie einem vollparametrischen Mittenband. Allerdings lassen sich nur vier der EQ-Parameter über die Oberfläche des K-Mix bedienen: die drei EQ-Level mit je 18 dB Boost oder Absenkung sowie die Eckfrequenz der Mitten. Alle anderen Parameter sind allerdings über den Software-Editor zugänglich. Die EQs klingen nüchtern und präzise. Nicht sexy, aber nützlich.

Compressor/Limiter und Gate

Ebenfalls pro Kanal bietet der K-Mix einen Kompressor/Limiter und ein Gate, um störende Hintergrundgeräusche auszublenden. Das klappt auch gut. Alle wichtigen Parameter sind wieder über die K-Mix Hardware bedienbar. Allerdings sind die „Powerschalter“ für die einzelnen Kanalmodule wie Trittschallfilter, EQ, Kompressor/Limiter und Gate nur über den K-Mix-Editor zu erreichen.

Sind die Module nicht aktiviert, kann man noch so fleißig am K-Mix herumschrauben, es wird nichts nutzen. Also aufpassen beim Erstellen und Abspeichern der Presets, wenn man das Gerät mal standalone nutzen möchte.

Reverb

Das Reverb ist ein Send-Effekt und wird pro Kanal beschickt. Es ist natürlich kein Lexicon, aber eine schöne Dreingabe. Klingt ziemlich schepperig mit ausgeprägter Pre-Delay-Charakteristik. Ein richtiges Delay hätte mir wahrscheinlich besser gefallen. Insgesamt vier Parameter stehen zum Editieren zur Verfügung.

Audio

Auf der Rückseite des K-Mix befinden sich jeweils acht symmetrische Audio-Ein/Ausgänge. Die Outputs weisen laut Hersteller eine Lautstärke von +2,6 dBV @ 0 dBFS auf. Wer noch mehr Ausgänge benötigt, kann im Editor auch die Outputs 9 +10, die den vorderseitigen Kopfhörerminiklinkenausgang bespeisen, als unsymmetrischen Stereoausgang konfigurieren. Auf die µPre Preamps ist man bei KMI besonders stolz. Die ersten beiden Eingänge sind mit Kombi-XLR-Anschlüssen versehen. Line-Signale, Hi-Z-Instrumente (Klinke) und Mikrofone (XLR) können hier angeschlossen werden.

Es gibt keine Pad- oder Hi-Z-Schalter: Der Gain-Bereich der Kanäle ist so weit gewählt, dass alle Eingangsimpedanzen abgedeckt werden sollen, von +1,50 bis +58 dB. Auch Kondensatormikrofone können angeschlossen werden, die Phantomspannung kann im Editor zwischen 48V und 12V für beide Eingänge umgeschaltet werden. Erstaunlich, dass allein 5V Arbeitsspannung ausreichen, um 48V Phantomspannung zu erzeugen. Denn der K-Mix wird nur via USB mit Strom versorgt.

Die ebenfalls symmetrischen Eingänge 3 - 8 weisen einen Gain-Bereich von -18,50 bis +39 dB auf. Im Editor können sie auch auf Phono-Vorverstärkung der Line-Inputs zum Anschluss von Plattenspielern geschaltet werden. Mal schnell eine Vinylschallplatte in den Rechner überspielen? Kein Problem!

Nein, als DJ-Mixer taugt der K-Mix natürlich nicht und zum Anschluss von Plattenspielern braucht ihr außerdem einen Cinch-auf-Klinke-Adapter, aber dass Keith McMillen überhaupt dieses Feature dazugelegt hat, spricht für den universellen Ansatz des K-Mix, Lösungen für fast jede erdenkliche Audioaufgabe anzubieten. Braucht man das? Vielleicht, aber gut, dass der K-Mix das alles kann.

Der K-Mix klingt gut. Sehr sauber und rauscharm. Ich würde ihn klanglich mindestens im Segment von MOTU und Focusrite ansiedeln. Allein als reines Audiointerface würde der K-Mix im Projektstudio schon sinnvoll sein und hätte im Bonedo Mittelklasse-Audiointerface-Test gut abgeschnitten. Dazu kommen dann aber noch die vielen anderen Einsatzoptionen.Die internen Latenzen des digitalen K-Mix sind ebenfalls Mittelklasse, bei 96 kHz ca. 2,5 ms, bis zu 5,5 ms bei 44,1 KHz. Der dynamische Umfang der AD/DA-Konverter ist mit 110 dB angegeben. Im Standalone-Modus arbeitet der K-Mix generell mit 96 kHz.

Power + MIDI

Strom kommt ausschließlich via USB: entweder vom angeschlossenen Computer oder vom USB-Netzteil, das die rückwärtige Micro-USB-Buchse mit Strom versorgt. Die danebenliegende Mini-USB-Buchse kann ebenfalls als Stromzufuhr dienen, erfüllt jedoch noch einen weiteren Zweck: Hier kann der optional erhältliche Keith McMillen MIDI Expander angeschlossen werden. Der kostet mit 69 Euro nicht die Welt und passt zum SoftStep, 12 Step, QuNeo, QuNexus, und – natürlich –  dem K-Mix. Als Verbindung dient praktischerweise ein handelsübliches Micro-USB-Kabel.

Formfaktor

Der Formfaktor ist genial gewählt: groß genug, um sinnvolle Bedienbarkeit zu gewährleisten, klein genug, um noch in jeden Rucksack reinzupassen. Dass keine hohen Knöpfe aus der Oberfläche hervorragen und keine beweglichen Teile in Mitleidenschaft gezogen werden können, ist da natürlich von Vorteil. Das Chassis des K-Mix fühlt sich leicht angeraut an, nicht unangenehm, sondern wertig. Die Knöpfe haben ebenfalls keine beweglichen Teile, man muss sie wie die Fader etwas beherzter drücken, um die jeweilige Funktion auszulösen, aber dadurch ist man auch vor versehentlichen Fehlbedienungen gefeit.

Standalone

Die meisten digitalen Mixer mit Monitor-Software kann man prinzipiell auch Standalone betreiben: über winzige Knöpfe und ein Mini-Display. Das macht eigentlich kein Mensch. Der K-Mix fühlt sich auch standalone wohl. Ohne Computer-Anbindung mixt er acht Eingänge auf bis zu zehn Ausgänge, ist relativ simpel zu bedienen und klingt gut. Probleme mit defekten oder verlorenen Netzteilen gibt es auch nicht, denn ein Micro-USB-Kabel und einen USB-Stromstecker findet man praktisch überall, wo Mobiltelefone benutzt werden.    

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