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25.02.2018

Kaufberatung Akustik-Gitarren

Welche Akustik-Gitarre soll ich kaufen? - Die wichtigsten Infos auf einen Blick

Tipps für den Akustik-Gitarren-Kauf

Kaufberater Akustik-Gitarren - Das große Angebot an Akustikgitarren lässt sich ganz grob in zwei Kategorien einteilen, und damit steht dem Anfänger schon vor dem Einstieg in den Übungsalltag eine grundsätzliche Entscheidung ins Haus: Kaufe ich mir eine Westerngitarren, die mit Stahlsaiten bezogen ist, oder ist eine Konzertgitarre mit Nylonsaiten das richtige Instrument für mich?

Und immer dann, wenn es darum geht, sich zwischen zwei Dingen entscheiden zu müssen, hilft eines ganz gewiss: Information.

Die Geschichte der Akustikgitarre – Ein kleiner Abriss

Selbst Experten können den genauen Ursprung der Gitarre nicht exakt benennen. Man geht inzwischen davon aus, dass er bis zu 5000 Jahre zurückreicht und die ersten echten Vorfahren unserer Gitarre in Mesopotamien ihren Ursprung hatten. Von dort fanden sie ihren Weg zu den Hethitern, wo Saiteninstrumente mit einem gitarrenförmigen Korpus und bundiertem Hals auf Steinmalereien schon ca. 1400 v. Chr. abgebildet sind. Reliefs aus der Pharaonenzeit zeigen, dass bereits zwischen 1700 und 1200 v. Chr. auch dort Instrumente gespielt wurden, die unserer heutigen Gitarre verblüffend ähneln. Diese Instrumente und ihre Nachfahren werden allgemein als Lauten bezeichnet. In den ersten Jahrhunderten nach Christus bildeten sich aus den diversen vorangegangenen Entwicklungsstufen mit Oud und Rabab die eigentlichen Vorgänger der Gitarre. Während die kleinere Rabab heute als Vorläufer der Geige gilt, lieh die Oud auch mit ihrer arabischen Bezeichnung "al-Oud" der Instrumentengattung "Laute" ihren Namen. Die Oud schaffte über Ägypten schließlich mithilfe der Mauren vermutlich im 8. Jahrhundert den Sprung über das Mittelmeer nach Spanien, wie möglicherweise auch andere gitarrenähnliche Instrumente.

Erst im 13. Jahrhundert wird die Gitarre in einem spanischen Text erwähnt, wobei der Name "guitarra" sich aus dem griechischen "Kithara" ableitet. Das gleichnamige antike Saiteninstrument hatte allerdings optisch und konstruktionsmäßig wenig mit einer Gitarre zu tun, eher mit einer Leier oder Zither, der es übrigens auch zu ihrem Namen verhalf.

Während sich im Rest Europas die Laute durchsetzte, war es in Spanien die sogenannte Vihuela, ein der Gitarre ähnliches Saiteninstrument, das entweder gezupft oder mit dem Bogen gestrichen wurde. Vielen gilt die Gitarre als Parallelentwicklung und nicht als Nachfolger der Vihuela, denn Mitte des 14. Jahrhunderts wird zum ersten Mal die Gitarre explizit als Volksinstrument in Konkurrenz zu Vihuela und Rabab genannt, die offensichtlich eher von den gehobenen Schichten gespielt wurden. In England waren es die Gittern und im heutigen Deutschland die Quintern, die im 16. und 17. Jahrhundert vorwiegend zur Liedbegleitung herangezogen wurden. Viele Barockgitarren waren Anfang des 18. Jahrhunderts noch mit vier Doppelsaiten und einer einzelnen Basssaite versehen, aber ab Mitte des Jahrhunderts erlebte das Instrument die ersten Wandlungen zur modernen Gitarre. Es erhielt eine weitere Basssaite und wurde mit sechs einzelnen Saiten bespannt, Metallbünde unterteilten das Griffbrett, umsponnene Saiten kamen zum Einsatz und diverse konstruktionsbedingte Änderungen fanden Einzug, die für größere Stabilität, dünnere Decken und größere Lautstärken standen. Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickelte Antonio de Torres Mitte des 19. Jahrhunderts ein Konzept, das auch für die meisten heute erhältlichen Konzertgitarren noch Gültigkeit hat. Durch die Vergrößerung der bis zu diesem Zeitpunkt recht kleinen Gitarren erreichte der spanische Gitarrenbauer ein größeres Durchsetzungsvermögen, mehr Dynamik und eine intensivere Klangfärbung. Die Gitarrengemeinde war begeistert und das neue Instrumenten-Design etablierte sich als quasi "ewiger" Standard, der heute immer noch so aktuell ist wie damals. Bespannt waren die Gitarren seinerzeit mit blanken Saiten aus Schafsdarm, während die Bass-Saiten aus metallumsponnener Seide bestanden. Es war der weltbekannte Gitarrenvirtuose Andrés Segovia, der den legendären Saitenpapst Albert Augustine in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts dazu brachte, die hohen Saiten der Konzertgitarre aus Nylon zu fertigen. Segovia hatte von den klimaempfindlichen Eigenschaften der Darmsaiten und ihrer mangelnden Haltbarkeit schlichtweg die Nase voll und suchte nach einer "Bespannung", die möglichst die gleichen Klangeigenschaften wie Darmsaiten aufweisen, dabei aber unkomplizierter in der Handhabung und widerstandsfähiger sein sollte. Heute ist Nylon der Standard bei der Fertigung der glatten Saiten eines Konzertgitarren-Saitensatzes.

Und hier kommen wir zu einem entscheidenden Unterschied zwischen Konzert- und Westerngitarren. Die Saiten der Westerngitarren bestehen nämlich durchweg aus Metall. Die Bass-Saiten moderner Westerngitarrensätze besitzen einen Stahlkern, der mit einem Wickeldraht aus Bronze oder Phosphor-Bronze umsponnen ist. Vorreiter beim Bau stahlbesaiteter Akustikgitarren war übrigens ein Deutscher: Der 1796 in Markneukirchen geborene und 1833 in die USA ausgewanderte Christian Friedrich Martin. Martin entwickelte das sogenannte X-Bracing, ein Beleistungsverfahren, das der Decke der Gitarre mehr Stabilität gibt und in der Folge den Einsatz von Stahlsaiten auf akustischen Gitarren erst möglich machte. Nicht umsonst basieren nahezu alle modernen Stahlsaitengitarren-Typen auf den von C.F. Martin und seinem Sohn C.F. Martin jr. entwickelten Konzepten. Den eigentlichen Siegeszug traten die sogenannten Steelstring-Akustikgitarren im 20. Jahrhundert an. Doch zunächst galt es, ein weiteres Problem zu bewältigen: Der erhöhte Zug der Stahlsaiten zerrte nicht nur an der Decke. Auch der Hals wurde in Mitleidenschaft gezogen. Um dem entgegenzuwirken, waren die Hälse früher Stahlsaiten-Gitarren noch relativ dick. Erst der Einsatz stabilisierender Stahleinlagen im Hals ab Mitte der 30er Jahre machte dann endlich auch wesentlich dünnere und entsprechend komfortabler zu spielende Hälse möglich.

Stilistische Einsatzgebiete

Westerngitarren

Die Gitarre, die bei uns landläufig den Namen Westerngitarre trägt, findet man auch unter diversen anderen Bezeichnungen. So grenzt sie sich als Stahlsaitengitarre oder dem englischen Pendant Steelstring von der Konzertgitarre ab, und auch bei der Folk-Gitarre handelt es sich um nichts anderes als unsere gute alte Westerngitarre. Nicht selten steht sogar der Begriff Akustikgitarre schlicht für die typische Westerngitarre und nicht etwa als Oberbegriff für akustische Gitarren, was er eigentlich ist. In dem Fall heißt es, genau hinzuschauen, was sich dahinter verbirgt.

Am weitesten verbreitetet sind Westerngitarren mit flacher Decke, die sogenannten Flattops. In Bauformen wie Dreadnought, Jumbo, OM oder Grand Auditorium spielen sie in der populären Musik unserer Zeit die erste "Geige". Egal ob Folk, Pop, Rock, Bluegrass oder Blues: Westerngitarren machen in jeder der genannten Stilistiken ein gute Figur. Stahlsaiten-Gitarren decken (abhängig von der Bauform) einen breiten Frequenzbereich ab und sind, dank ihrer Durchsetzungskraft, ideale Begleitinstrumente. Aber auch im Solospiel und im sensiblen Fingerstyle fühlen sich Steelstrings richtig wohl.

Kaufempfehlung Westerngitarre Dreadnought

Preisklasse bis 200,- Euro

Fender Squier SA-105CE BK (Produktseite auf thomann.de)

Harley Benton HBD-120NT (Produktseite auf thomann.de)

Fender CD-60S BLK (Produktseite auf thomann.de)

Ibanez V50NJP-NT Jam Pack (Produktseite auf thomann.de)

Fender FA-125 Natural (Produktseite auf thomann.de)

Preisklasse 200,- bis 600,- Euro

Fender CD-60 SCE NT (Produktseite auf thomann.de)

Ibanez AW65ECE-LG (Produktseite auf thomann.de)

Cort MR 71F NS2 (Produktseite auf thomann.de)

Epiphone Hummingbird Pro FCB (Produktseite auf thomann.de)

Takamine GD10CE-N-2 (Produktseite auf thomann.de)

Preisklasse 600,- bis 1.000,- Euro

Takamine GD93CE-NAT (Produktseite auf thomann.de)

Taylor 114ce Walnut 2017 (Produktseite auf thomann.de)

Epiphone DR-500MCE VS (Produktseite auf thomann.de)

Taylor Academy Series 10e (Produktseite auf thomann.de)

Kaufempfehlung Westerngitarre O/OO/OOO Korpusgrößen

Preisklasse bis 200,- Euro

Harley Benton Custom Line CLA-15M (Produktseite auf thomann.de)

Ibanez PC12MH-OPN (Produktseite auf thomann.de)

Harley Benton Custom Line CLA-16SCE (Produktseite auf thomann.de)

Preisklasse 200,- bis 600,- Euro

Harley Benton Custom Line CLA-28V (Produktseite auf thomann.de)

The Loar LH-204-BR Brownstone (Produktseite auf thomann.de)

Fender PM-3 STD Triple 0 NAT (Produktseite auf thomann.de)

Kaufempfehlung Westerngitarre 12-saitig

Preisklasse bis 300,- Euro

Ibanez PF1512-NT (Produktseite auf thomann.de)

Cort Earth 70-12 OP (Produktseite auf thomann.de)

Harley Benton D-200CE-12NT (Produktseite auf thomann.de)

Preisklasse 300,- bis 800,- Euro

Gretsch G5022CWFE-12 Falcon Rancher (Produktseite auf thomann.de)

Takamine GD30CE-12N-2 (Produktseite auf thomann.de)

Takamine GJ72CE-12NT (Produktseite auf thomann.de)

Preisklasse 800,- bis 1.200,- Euro

Guild F-1512E Nat Westerly (Produktseite auf thomann.de)

Guild D-1212E Nat Westerly (Produktseite auf thomann.de

Ovation 2751AX-5 Standard Balladeer BK (Produktseite auf thomann.de)

Die genaue Spezifizierung des Klangs einer Gitarre erfolgt durch die unterschiedlichen Konstruktionsvarianten in Verbindung mit dem Einsatz unterschiedlicher Hölzer. Steelstrings in Dreadnought oder Mini Jumbo Bauform liefern transparente, durchsetzungsstarke Sounds mit satten, aber definierten Bässen und gelten als ausgewiesene Allround-Instrumente. Jumbos sind relativ laut und finden ihr Haupteinsatzgebiet in der Liedbegleitung mit geschlagen gespielten Akkorden. Für diese Spieltechnik hat sich ebenfalls ein englischer Begriff etabliert, das sogenannte "Strumming". Abhängig vom verarbeiteten Holz werden aber auch Fingerpicker bestens bedient, also die Spieler, die die Saiten mit Fingerkuppen, Fingernägel oder aufsetzbaren Fingerpicks zupfen.

Für die heute sehr beliebte Auditorium-Bauform stand übrigens ebenfalls eine Martin Pate: Die legendäre 000 (Triple 0). Die Gitarren sind bekannt für ihren präzisen Ton und die sehr gute Bespielbarkeit und werden deshalb gerne für halsbrecherische Fingerpickings und zum Solieren eingesetzt.

Konzertgitarren

Im Allgemeinen werden Gitarren mit Nylonsaiten hauptsächlich mit klassischer Musik in Verbindung gebracht, wegen ihres bau- und saitenbedingt warmen Sounds haben sie aber auch im Bossa Nova und Jazz viele Liebhaber. Tatsächlich ist die Konzertgitarre der im südamerikanischen und südeuropäischen Raum am weitesten verbreitete akustische Gitarrentyp! Und dann wäre da natürlich noch der Flamenco. Für den Bau der in dieser Sparte eingesetzten Instrumentenvarianten werden grundsätzlich andere Holzarten verwendet, sodass Flamenco-Gitarren perkussiver und härter klingen als ihre "konzertanten Verwandten".

Konzertgitarren-Größen:

Ideal bei der Größenauswahl einer Gitarre ist es, einen erfahrenen Gitarristen oder Gitarrenlehrer zur Seite zu haben. Aber auch die Gitarrenverkäufer im Laden kennen sich in der Regel bestens aus, zumal sie in den meisten Fällen selbst Gitarristen sind.

Die untenstehenden Werte sind Empfehlungen und sollten neben der Körpergröße des Spielers auch die Anatomie der Hände mit einbeziehen. Grundsätzlich gilt, dass die Gitarre ergonomisch so angepasst sein soll, dass eine körpergerechte Haltung und ein ermüdungs- und natürlich schmerzfreies Spielen auch über längere Zeit möglich ist.

4/4 Gitarre - Die klassische Vollgitarre für Erwachsene.

7/8 Gitarre - Die Jugendgitarre ist auch für Frauen bestens geeignet, Altersgruppe 10-14 Jahre, Körpergröße 140cm-160cm

3/4 Gitarre - Schülergitarre. Altersgruppe 10-13Jahre, Körpergröße 130-150cm, und auch für Frauen ein Thema.

1/2 Gitarre - Konzertgitarre für Kinder im Alter von 7-9 Jahren

1/4 Gitarre - Einsteigergitarre für Kinder im Alter von 5-8 Jahre, Körpergröße 100-135cm

1/8 Gitarre - Einsteigergitarre für Kinder im Alter zwischen 4 - 7 Jahre

Kaufempfehlung Konzertgitarre 4/4

Preisklasse bis 200,- Euro

Yamaha C40 (Produktseite auf thomann.de)

Startone CG 851 4/4 (Produktseite auf thomann.de)

Thomann Classic 4/4 Guitar (Produktseite auf thomann.de)

Fender ESC105 Educational 4/4 NT (Produktseite auf thomann.de)

Thomann Classic Guitar S 4/4 (Produktseite auf thomann.de)

Thomann Classic 4/4 Guitar Black (Produktseite auf thomann.de)

Preisklasse 200,- bis 600,- Euro

Ibanez AEG10NII-BK (Produktseite auf thomann.de)

Yamaha CG122MC (Produktseite auf thomann.de)

Höfner HF12 (Produktseite auf thomann.de)

La Mancha Rubi CM-N (Produktseite auf thomann.de)

Cordoba C5 CE Thin (Produktseite auf thomann.de)

Preisklasse 600,- bis 1.000,- Euro

Cordoba GK Studio (Produktseite auf thomann.de)

Hanika 50MC (Produktseite auf thomann.de)

Hanika 54PC (Produktseite auf thomann.de)

Höfner HM65-Z (Produktseite auf thomann.de)

Taylor Academy Series 12e-N (Produktseite auf thomann.de)

Kaufempfehlung Konzertgitarre 3/4

Preisklasse bis 200,- Euro

Startone CG 851 3/4 (Produktseite auf thomann.de)

Thomann Classic Guitar 3/4 (Produktseite auf thomann.de)

Yamaha CS 40 II (Produktseite auf thomann.de)

Fender ESC80 Educational 3/4 NT (Produktseite auf thomann.de)

Thomann Classic Guitar 3/4 Black (Produktseite auf thomann.de)

Preisklasse 200,- bis 600,- Euro

La Mancha Rubi CM/59 (Produktseite auf thomann.de)

Ortega R221-3/4 BK (Produktseite auf thomann.de)

Kleines Holz-Einmaleins

Ahorn (Maple):

Ahorn liefert einen sehr klaren Ton mit transparenten Höhen und Bässen und wird gerne für die Fertigung der Decken akustischer Gitarren verwendet.

Ebenholz (Ebony):

Ebenholz ist sehr teuer und weist eine hohe Dichte und Festigkeit auf. Einsatzgebiete sind die Fertigung von Griffbrettern und Brücken/Stegen.

Fichte (Spruce):

Fichte ist bekannt für einen warmen, transparenten und durchsetzungsstarken Ton und eignet sich ideal zur Fertigung von Decken akustischer Gitarren.

Koa:

Das Holz der Koa-Akazie stammt aus Hawaii und liefert einen klaren Ton mit auffälligen Mitten/Hochmitten.

Mahagoni:

Immer dann, wenn man einen warmen und ausgewogen Ton mit einschmeichelnden Höhen sucht, ist Mahagoni die erste Wahl.

Nato:

Das Holz eines Johannisbrotgewächses verfügt über ähnliche Eigenschaften wie Mahagoni.

Palisander (Rosewood):

Palisander ist sehr haltbar und ideal zur Fertigung von Griffbrettern und Brücken geeignet. Böden und Zargen aus Palisander liefern massive Bässe und "klingelnde" Höhen.

Zeder:

Das elastische Holz ist bekannt für einen warmen, vollen Sound und eine schnelle, präzise Ansprache.

Zypresse:

Zypressenholz ist recht leicht und generiert einen perkussiven, trockenen und brillanten Ton, was es zur idealen Grundlage für Flamencogitarren macht.

Stahl- oder Nylonsaitengitarre - Was nun?

Gitarrenanfänger spielen Konzertgitarre und steigen erst mit wachsender Erfahrung auf Western- oder E-Gitarren um. Eine eiserne Regel, die sich bis heute in vielen Musikschulen der Nation hält, aufstrebende Jung-Rocker aber in schöner Regelmäßigkeit zur Verzweiflung treibt. Denn welcher coole Teenager mit Star-Ambitionen möchte schon gerne mit der abfällig auch als Wanderklampfe bezeichneten Gitarre um den Hals erwischt werden. Da macht die stylische Westernklampfe auf dem Weg zur noch cooleren E-Gitarre doch erheblich mehr Eindruck!

Eine Einstellung, die aus Sicht des Nachwuchsgitarrenhelden durchaus zu verstehen ist. Aber rein lerntechnisch betrachtet ist die Sache mit der Konzertgitarre gar nicht so dumm. Zudem bedeutet der Name ja noch lange nicht, dass man nun tatsächlich klassische Gitarre lernen muss. Der Vorteil für den Anfänger resultiert aus der, im Vergleich zur Westerngitarre, geringeren Saitenspannung, den grundsätzlich weicheren Nylonsaiten und dem breiteren Hals. Das erleichtert die ohnehin kritischen ersten Schritte auf dem motorisch sehr anspruchsvollen Instrument Gitarre enorm. Die Saiten lassen sich leichter herunterdrücken und wegen der größeren Saitenabstände ist auch das eigentliche Greifen einfacher. Und da es die Konzertgitarre in diversen Größen gibt, kann der Rentner genau so von den Vorteilen profitieren wie seine Frau, sein Enkel im Kindergartenalter oder der Teenager von nebenan. Doch trotz der weicheren Saiten sollte man beim Kauf einer Konzertgitarre auf eine vernünftige Saitenlage (Abstand der Saiten zum Griffbrett) achten. Denn was nützt die weichste Saite, wenn man sie drei Zentimeter herunterdrücken muss, um einen sauberen Ton zu erzielen. Auf Nummer sicher geht man auf jeden Fall, wenn man sich für ein Einsteigerinstrument aus der Produktion eines Markenherstellers entscheidet.

Natürlich kann man die ersten Schritte auch auf einer Westerngitarre wagen. Von supergünstigen Billigklampfen sollte man allerdings auch hier die Finger lassen. Die machen das Üben schnell zur Qual. Wegen des stärkeren Saitenzugs der Stahlsaiten ist hier die gute Saitenlage ein absolutes "Muss". Gerade bei den Saiten kann man aber einiges tun, um das Instrument anfängerfreundlicher zu machen. Die meisten Stahlsaitengitarren sind ab Werk mit einem Light-Saitensatz der Stärke 012-053 bezogen. In dieser Stärke liefern sie schon eine amtliche Spannung, und entsprechend schwer lassen sie sich auch herunterdrücken. Als blutiger Anfänger tauscht man sie am besten direkt gegen einen relativ dünnen Satz aus. Denn dünnere Saiten sind weicher und lassen sich deshalb auch leichter spielen. Aber Achtung: So viele Saitenhersteller es gibt, so viele Bezeichnungen findet man zu den einzelnen Stärken. Was bei dem einen Light ist, ist bei dem anderen Custom Light, was bei einem Hersteller Heavy heißt, firmiert beim nächsten noch unter Medium Heavy. Deshalb sollte man sich bei der Wahl der Saiten immer an den Stärken orientieren. Je niedriger, desto dünner. Zwar animieren dünne Saiten die Gitarre nicht in gleichem Maß zum Mitschwingen wie dicke und sind deshalb vor allem im Bassbereich schwächer, aber das spielt am Anfang eine untergeordnete Rolle. Zum bequemen Einstieg sind die Stärken 010-047 bzw. 011-052 zu empfehlen, einem späteren eventuellen Umstieg steht nichts im Wege.

Auch was die Materialbezeichnung der Saiten anbelangt, sollte man sich als Anfänger keine allzu große Gedanken machen. 80/20 Bronze und Phosphorbronze-Saiten unterscheiden sich in ihrem Klang, aber der Unterschied ist gering auch auch hier gilt, dass ein späterer Umstieg keine Probleme bereitet. Von der Bespielbarkeit her gibt es bei beiden Varianten bei gleichen Saitenstärken keine Unterschiede.

Fazit

Die Konzertgitarre bietet den Vorteil, dass sie sich, bedingt durch die verwendeten Saiten, die Breite des Griffbretts und der Tatsache, dass sie in unterschiedlichen Größen erhältlich ist, von einem Anfänger im Allgemeinen leichter spielen lässt als eine Westerngitarre mit Stahlsaiten. Obwohl die Konzertgitarre eigentlich ein klassisches Instrument ist und daher ursprünglich eher für das Zupfen gedacht war, kann man auch das Schlagen ("strummen") von Akkorden zur Liedbegleitung durchaus auf ihr lernen. Das stilistische Spektrum beschränkt sich also nicht nur auf die klassische Musik. Auch das Spielen moderner Musik lässt sich durchaus mit einer Konzertgitarre trainieren und praktizieren. Bedingt durch den weichen Sound und die Eigenschaften der Saiten sind blues- und rockorientierte Riffs und Soli mit Bendings (Saitenziehen) allerdings nur eingeschränkt möglich. Jazz- und Pop-Gitarristen zeigen aber immer wieder, dass sich Konzertgitarren durchaus auch als Solo-Instrument eignen. Und man muss dabei nicht zwingend mit den Fingern spielen. Auch mit dem Plektrum lassen sich sehr gute Ergebnisse erzielen.

Die strammeren, härteren Stahlsaiten der Westerngitarre können Anfängern das Leben mitunter etwas schwerer machen. Hat man ein Instrument mit einer guten Saitenlage erwischt (und wählt dünnere Saiten), sollte das aber kein Hindernis sein.

Wegen des schmaleren Halses kommen auch Gitarristen mit kleineren Händen gut klar. Die, im Vergleich zur Konzertgitarre, geringeren Saitenabstände erfordern allerdings etwas mehr Geschick beim Greifen. Denn schnell sind die benachbarten Saiten berührt und klingen nicht sauber oder überhaupt nicht mehr, was für einen Spieler mit etwas mehr Erfahrung selbstverständlich kein Problem darstellt. Stilistisch ist die Westerngitarre ein echtes Allround-Instrument. Wenn man keinen Wert auf einen authentischen Sound legt, kann man (Puristen hören jetzt am besten weg) natürlich auch klassische Gitarrenkompositionen auf ihr üben. In der Folk-, Rock-, Pop- und Instrumentalmusik ist der Klang geschlagen und gezupft gespielter Westerngitarren ein absolutes Muss. Aber auch Blueser und Jazzer nutzen den durchsetzungsstarken und knackigen Sound von Steelstrings sehr gerne für ihre Zwecke.

Durch die Stahlsaiten bieten Westerngitarren ein ähnliches Spielgefühl wie auf einer E-Gitarre, sodass sich auf ihnen (bei der Verwendung eines weicheren Saitensatzes) auch alle erdenklichen Solospieltechniken üben und spielen lassen. So sind Bendings (Saitenziehen) genau so möglich wie nahezu alle anderen Spieltechniken, die man auch auf der E-Gitarre einsetzt.

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