Test
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30.04.2020

Praxis

Aufbau und Einrichtung

Für den Hörtest baue ich den Kali WS-12 in meiner Studio-Umgebung auf, und nicht etwa auf einer großen Bühne. Der aktive Basswürfel ist für die Haus-eigenen Abhöre LP-6, LP-8 und IN-8 ausgelegt, kann aber auch mit Boxen anderer Hersteller verwendet werden. Zum Test steht mir zusätzlich ein Pärchen LP-8 des kalifornischen Unternehmens zur Verfügung. Es dürfte aber ebenfalls interessant sein, wie sich der WS-12 als Subwoofer in Verbindung mit Abhören anderer Marken macht. Selbstverständlich beginne ich den Praxistest mit der Kombination aus WS-12 und LP-8. Die LP-8 ist ein aktiver Zweiwege-Monitor den mein Kollege Nick Mavridis bereits im bonedo-Test unter die Lupe genommen hat.

Im Manual gibt es nicht nur eine Aufbauanleitung, die Schritt für Schritt erklärt, wie und wo man den Basswürfel grundsätzlich in die Abhöre integriert. Kali Audio gibt in der Bedienungsanleitung nützliche Zusatztipps um eine möglichst optimale Position finden zu können und somit einen optimalen Sound zu erhalten.

Das Zusammenspiel mit den LP-8-Abhören geht – was das Anschließen und Einstellen der drei Boxen anbelangt – relativ schnell vonstatten. DIP-Schalter 1 wird am WS-12 aktiviert und die Volume-Regler aller Boxen auf 0 dB. Die beiden Hauptausgangs-Kanäle meines Audio-Interfaces werden per XLR-Kabel an den Subwoofer angeschlossen. Und mit zwei weiteren XLR-Kabeln schließe ich die Kali LP-8 an die entsprechenden Ausgänge des Basswürfels an. Um die praktische Bypass-Funktion verwenden zu können, schließe ich vorfreudig einen einfachen Fußtaster an den Footswitch-Anschluss an.

Klangeindruck und Sinnfrage

Mit mittlerweile liebgewonnenen Perlen der Musikgeschichte befeuere ich das Kali-Audio-Abhör-Trio, welches vor mir im Kreisbogen Spalier steht. Die LP-8 liefern ihr zu erwartendes, schönes Klangbild. Wo die Bässe nun genau herkommen, lässt sich nicht sofort sagen. Ein Druck auf den Fußtaster bringt Klarheit ins Klangspiel. Der Bass-Anteil von Chaka Khans 'Back In The Days' klingt plötzlich nicht nur tiefer und lauter, sondern ich kann die Bassfrequenzen nun auch spüren. Ein weiterer Fußtaster-Druck später ist der Spaß wieder weg. Das ganze fühlt sich ein wenig an wie ein Nitro-Schub im Auto eines „Need for Speed“-Spiels. Die Songs die ich abspiele, klingen bereits ohne zusätzlichen Bass-Schub sehr ordentlich, aber mit Aktivieren des Kali Audio WS-12 steigert sich der Spaß-Faktor deutlich. Schnell wechsle ich weg von meiner angestaubten Playlist und gehe über zu Dubstep. Spätestens bei Tracks wie 'Destination Calabria' und 'Lost My Mind' wird klar was ein Subwoofer zu leisten vermag und wobei ein 12-Zoll-Treiber gebaut wird: Bassfrequenzen in Luftdruck umwandeln. Dreht man mit Hilfe des Volume-Reglers die Bass-Lautstärke des WS-12 höher als mit dem 0dB-Punkt vorgesehen, so lässt sich die Studio-Umgebung in einen Club verwandeln. Das hat allerdings nichts mehr mit ausgeglichenem Hören zu tun und hilft sicherlich nicht bei der Beurteilung von Mischungen – und bestimmt auch nicht, die guten Beziehungen zu den Nachbarn zu erhalten, wenn man sich nicht gerade im bauakustisch behandelten Studioraum befindet. Spaß macht es aber allemal, und was der Kali Audio WS-12 an Lautstärke – und somit Bassdruck – liefern kann, sprengt schnell meine Abhörgewohnheiten und erzeugt einen mächtigen Adrenalin-Schub.

Zurück vom Spaßtrip, schließe ich den Subwoofer der Kalifornier an meine eigenen Abhöre einer anderen Marke an. Hier fällt es mir zunächst nicht so leicht, einen vernünftigen Pegel herzustellen. Die genau aufeinander abgestimmte Kalibrierung der Kali-Audio-Produkte untereinander ist hier von Vorteil. Das Mischungsverhältnis zwischen Kali-Subwoofer und -Satelliten mit korrekt eingestellten DIP-Schaltern und mit Volume-Reglern auf „Unity Gain“ klingt für mich dort optimal. Mit meinen eigenen Abhören erreiche ich aber irgendwann einen vergleichbaren Zustand und kann auch meine gewohnte Abhörsituation mit einem satten Bass-Fundament anreichern. Auf welchen 3-dB-Punkt man die Frequenzweiche am besten einstellt, hängt beim Einsatz von Fremdhersteller-Boxen selbstverständlich von deren Fähigkeiten, Grenzfrequenzen und der Steilheit des Verlaaufs ab. Bei Abhören mit 8-Zoll-Woofer kann man gut mit der LP-8-Einstellung starten. Bei kleineren Treibern muss die Grenzfrequenz zwangsläufig erhöht werden. Hier ist ein wenig mehr Sorgfalt vonnöten, um möglichst keine sich überschneidenden Frequenzbereiche zu erzeugen. Aber dies ist kein Kali-Audio-spezifisches Problem, sondern dürfte für die allermeisten Kombinationen von nicht aufeinander abgestimmten Subwoofer und Satelliten zutreffen.

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