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Test
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03.10.2018

Kai Ukulele 20 Serie Test

Sopran-, Konzert- und Tenor-Ukulele

Ukulelen-Newcomer

Die Kai Ukulele 20 Serie gehört zum Portfolio eines Herstellers aus China, der mit diversen Ukulelen in massiver und laminierter Bauweise und unterschiedlichen Preisbereichen aufwarten kann. Bereits auf der Musikmesse zogen die Modelle von Kai Ukulele große Aufmerksamkeit auf sich, nicht zuletzt wegen ihrer vielfältigen Auswahl an Deckenhölzern, die von Mango über Ahorn und Zeder bis hin zu Linde und Walnuss reicht. Für unseren ersten Kai Ukulele Test haben wir die günstige 20 Serie herangezogen.

Kai kommt übrigens aus dem Hawaiianischen und ist die Bezeichnung für Wasser und das Meer. Wie Wasser immer in Bewegung zu bleiben und sich durch nichts aufhalten zu lassen ist das Motto der selbstbewussten Firma, die für den deutschen Markt mit der Reinhardt GmbH einen starken Vertriebs- und Servicepartner gefunden hat. Aber letztlich entscheiden bekanntermaßen Qualität und Klang über den Erfolg eines Instrumentes.

Details

Das vorliegende Testmodell ist aus der 20 Serie und in den drei Hauptgrößen Sopran, Konzert und Tenor erhältlich. Alle diese Modelle gibt es derzeit für weniger als 100 Euro, was vor allem Einsteiger hellhörig werden lässt. Ich kann aber vorweg schon versprechen, dass auch alte Hasen mit den Kai Ukulelen ihre wahre Freude haben werden.

Die Kai 20 Serie kommt mit einem laminierten Walnuss-Korpus. Auch die Decke ist aus Walnuss und zeigt bei allen drei Größen eine individuelle und sehr schöne Optik. Der warme Farbton des Holzes und die regelmäßige, geradlinige Maserung der Decke laden dazu ein, das Instrument direkt in die Hand zu nehmen und loszuspielen. Ich bin generell ein Freund dunkler Farbtöne, und Kai Ukulele bietet mit Pacific Walnut eine schöne Alternative zum doch sehr häufig vertretenen Mahagoni.

Das Griffbrett besteht genauso wie die Brücke aus Morado. Dieses Tropenholz wird auch als Santos Palisander, also "heiliger Palisander" bezeichnet. Allerdings fällt es nicht wie das echte Palisander unter den CITES-Schutz, weshalb man sich für dieses Tropenholz entschieden hat. In seiner Beschaffenheit ist es dem Palisander sehr ähnlich, nicht nur optisch, sondern auch in seiner Faserstruktur, dem Härtegrad und der Haptik. Damit eignet es sich hervorragend als Material für das Griffbrett.

Der Hals selbst ist wie bei den meisten Modellen in dieser Preisklasse aus Nato. An der Seite finden wir ein schwarzes Binding und die Bundmarkierungen, die sich auf der Oberseite des Griffbretts für eine optimale Orientierung wiederholen. Die offenen Mechaniken kommen mit ausladenden Acrylflügeln und vermitteln zusammen mit der recht einfach gestalteten Kopfplatte einen massiven Eindruck. Das gelaserte Logo setzt einen schönen Akzent, wobei beim Korpus auf Zierstreifen verzichtet wurde und die 20 Serie von Kai so mit einer doch recht bodenständigen, aufgeräumten Optik aufwartet. Das offenporige Finish weist an manchen Stellen kleine Unregelmäßigkeiten auf. Dafür sind auf dem Griffbrett keinerlei Verarbeitungsrückstände ausfindig zu machen und alle drei Instrumente der 20 Serie stehen für einen sehr guten ersten Eindruck.

Verarbeitung

Besonders auffallend ist das zusätzliche Schallloch in der Zarge der Ukulele. Dieses verfügt über einen gelaserten Zierstreifen und ist ein echter Hingucker. Es sorgt aber auch für ein direkteres Klangerlebnis für den Spieler, dazu aber im nächsten Kapitel mehr. Der Korpus ist bei der 20 Serie laminiert. In diesem Fall werden mehrere Lagen des Walnussholzes aufeinander geleimt.

Für die Stegeinlage und den Sattel kommt das bewährte NuBone-Material von Graph Tech zum Einsatz, das sich zum einen sehr gut bearbeiten lässt und zum anderen auch für den Klang positive Eigenschaften mitbringt. Die Sattelkerben sind gut gearbeitet und auch die Stegeinlage ist sauber eingepasst.

Bei der Sopran-Größe finden wir 12 Bünde auf dem Griffbrett, bei dem Konzert- und Tenormodell sind es 18. Alle Modelle haben eine Sattelbreite von 35 mm und der matt lackierte Hals entspricht einem griffigen C-Profil. Momentan ist auf der Herstellerseite beim Tenormodell eine Sattelbreite von 37 mm angegeben, was darauf schließen lässt, dass zukünftige Modelle ebenfalls mit dieser Sattelbreite kommen werden.

Ein Blick durch das seitliche Schallloch offenbart auch im Korpus eine sehr saubere Verarbeitung mit einem sinnigen Konzept bei der Deckenbeleistung. Eine aufwendige Fächerbeleistung finden wir hier natürlich nicht, dafür wurde zweckmäßig gearbeitet, um eine ausreichende Stabilität vor allem im Brückenbereich sicherzustellen.

Die offenen Mechaniken haben eine Übersetzung von 1:14 und laufen rund und weich. Da die Mechanikflügel recht groß ausfallen, lassen sich die Kai-eUkulelen problemlos stimmen. Das nicht zuletzt aber auch wegen des hochwertigen Sattelmaterials, das einen reibungsfreien Durchlauf der Saiten gewährleistet. Neben der guten Verarbeitung und der schlichten, aber geradlinigen Optik, kann die Kai Ukulele aber noch mit einem ganz anderen Detail punkten, das ich besonders lobend erwähnen will: Bei diesem Modell ist ab Werk ein Gurtpin am Boden der Ukulele befestigt. Ich empfehle gerade beim Einstieg, das Spiel auch einmal am Gurt auszuprobieren. Es gewährt der Greifhand viel mehr Freiheit, weil man zusätzlich zum Greifen nicht auch noch ständig den Hals hochalten muss. Während viele Modelle keinen Gurtpin ab Werk installiert haben, besitzt das komplette Kai-Sortiment dieses nützliche Feature.

Bespielbarkeit

Zuerst nehme ich mir die Soprangröße vor. Diese hat eine ordentliche Saitenlage in den tiefen Lagen, der Hals ist gerade und auch am 12. Bund liegen wir mit knapp über 2 mm Saitenlage im Normbereich. Die Bundkanten sind ordentlich gearbeitet, man spürt sie aber dennoch leicht, vor allem in den hohen Lagen. Hier hätte ein etwas dicker aufgetragenes Binding am Griffbrettrand wohl ein geschmeidigeres Spielgefühl gefördert. Von scharfkantig kann aber nicht die Rede sein. Wie bei vielen Sopranmodellen üblich ist der Hals-Korpus Ansatz am 12. Bund und die Mensur von etwas mehr als 34 cm sorgt für das typische Spielgefühl der Sopranukulele. Die Intonation ist in Ordnung, es gibt leichte Abweichungen am ersten Bund, die im Großen und Ganzen aber völlig vertretbar sind.

Die Konzertgröße bietet mit ihrer Mensur von etwas über 37 cm natürlich mehr Komfort für die Greifhand, vor allem, wenn man größere Finger hat. Auch hier ist der Hals wunderbar gerade und die Bundstäbchen ordentlich abgerichtet. Die Bundkanten sind auf der Griffbrettkante wieder etwas unangenehm, vor allem beim Solieren auf der A-Saite spürt man sie deutlich. Was mir zunehmend besser gefällt ist die Halsform und die Lackierung. Diese fühlt sich sehr natürlich an und die Greifhand gleitet ohne Widerstand. Auch hier ist die Saitenlage in den unteren Lagen vorbildlich. Am 12. Bund haben wir knappe 3 mm, was ich persönlich etwas zu hoch finde. Allerdings wird dadurch auch sichergestellt, dass keine Saite schnarrt. Die Intonation ist auch bei diesem Modell im Rahmen. Leichte Abweichungen an einzelnen Bünden von ein paar Cent sind bei einer Serienfertigung in diesem Preisbereich zwar nicht ungewöhnlich, aber vermeidbar, weshalb es hier einen kleinen Punktabzug geben muss.

Das Tenormodell kommt mit einer 43-cm-Mensur und hat entgegen der Herstellerangabe eine Sattelbreite von ebenfalls 35 mm, dazu wie das Konzertmodell 18 Bünde und ein Hals-Korpus-Ansatz am 14. Bund. Die Tenorgröße ist vor allem für komplexere Stücke sehr gut geeignet, da sie spieltechnisch aufgrund der Halsdimensionen am meisten Freiheiten bietet. Auch wer einfach mehr Platz auch in den unteren Lagen haben will, kann natürlich beim Erstkauf einer Ukulele zur Tenorgröße greifen. Der Hals ist gerade, die Bundkanten sehr gut abgerichtet. Da schnarrt nichts, auch bei einem heftigeren Anschlag. Die Saitenlage ist für meinen Geschmack etwas zu hoch, aber auch hier mit vergleichbaren Modellen anderer Hersteller auf Augenhöhe. Die Intonation ist gut, bis auf kleine Abweichungen an einzelnen Bünden.

Natürlich ist die Bespielbarkeit der verschiedenen Größen auch von der eigenen Fingerfertigkeit abhängig. Insgesamt bieten die Kai-Modelle eine solide Verarbeitung für ungetrübten Spielspaß. Der Hals liegt bei allen Größen sehr gut in der Hand und die Saitenlage ist im Normbereich. Die Bundkanten könnten etwas geschmeidiger ausfallen, aber die Griffbretter sind ansonsten sehr gut verarbeitet. Das offenporige Morado sollte ähnlich wie Palisander ab und zu mit Öl gepflegt werden, wofür der Fachhandel spezielle Produkte bereithält.

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