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05.05.2020

Istanbul Mehmet Tony Williams Tribute Cymbals Test

Becken Serie

Back to the 60’s

Die ersten drei Tony Williams Signature-Becken kamen bereits 2015 als vorselektiertes Set auf den Markt, dieses Jahr wurden drei weitere Modelle nachgelegt. Alle Becken sind mittlerweile auch einzeln erhältlich, höchste Zeit also für einen bonedo Test. Tony Williams war zeitlebens als Zildjian-Endorser bekannt. Die legendären K-Zildjians wurden allerdings noch in Istanbul gefertigt, unter anderem von einem jungen Beckenschmied namens Mehmet Tamdeger, der nach dem Weggang von Zildjian in die USA mit seinem Partner Agop Tomurcuk die eigene Firma Istanbul Cymbals gründete. So schließt sich der Kreis.

Die Beckenmodelle, die für die Tribute-Serie Pate standen, waren jene, die Tony als junger Wundertrommler bei Miles Davis in den 60er Jahren auf seinen Stativen hängen hatte. Tony Williams Witwe stellte die Becken aus seinem Nachlass für die Protoypenforschung der Serie zur Verfügung. Auf Bildern lässt sich gut erkennen, dass Tony’s 22“ Ride einen großen ausgeschnittenen Riss am Rand hatte, auf solche Details wurde bei den Replika-Modellen allerdings verzichtet.

Details

Tony Williams gilt als Vater des modernen Drumsetspiels

Kaum ein Drummer, der sich mit der Geschichte des modernen Schlagzeugspiels auseinandersetzt, kommt um den Namen Anthony Williams herum. Lebende Legenden wie Steve Gadd oder Vinnie Colaiuta betonen in zahlreichen Interviews, welch großen Einfluss das virtuose und gleichzeitig progressive Spiel von Tony Williams auf die Weiterentwicklung des Jazz, aber auch auf die Entwicklung des Drumsetspiels als Ganzes hatte. 

Wenn auch nur sehr wenige Menschen auf diesen Planeten berufen sind, auf einem ähnlich hohen Level am Schlagzeug zu musizieren wie Tony Williams, – und dabei gleichzeitig noch Musikgeschichte zu schreiben – so bleibt einem als Normalsterblicher wenigstens der Versuch, dem Sound des angebeteten Protagonisten ein Stückchen näher zu kommen. Womit wir beim Stichwort „Old K“ wären, also den legendären, handgehämmerten Zildjian Becken, die seinerzeit in Istanbul geschmiedet wurden. 

Zahlreiche Hersteller haben sich an Replikas dieses rauchigen und komplexen Klangs versucht, angefangen bei der ersten Generation der  Zildjian Constantinople Becken, über die Paiste Signature Traditionals Linie, bis hin zu den 30th Anniversary Modellen von Istanbul Agop. Auch ein paar unabhängigen Beckenschmieden ist es in jahrelanger Hingabe und Forschung gelungen, der Legende vom Old K ein großes Stück näher zu kommen. Prominentes Beispiel ist sicherlich der 2011 verstorbene italienische Großmeister Roberto Spizzichino.

Die Patina sorgt für Retro-Look

Schauen wir uns die sechs Modelle doch mal im einzelnen an. Zum ursprünglichen Tribute Ride in 22“ gesellt sich seit diesem Jahr noch ein Jazz-Rock Ride in identischer Größe. Die Becken sind in der leichten bis mittleren Gewichtskategorie angesiedelt, das Tribute Ride wiegt 2283 Gramm, beim Jazz-Rock Ride zeigt die Waage 2594 Gramm an. Abgesehen vom Gewichtsunterschied wirken beide Becken, was die Form und Bearbeitung angeht, nahezu identisch. Auffällig ist die beidseitig aufgetragene, bräunlich schimmernde Patina, die den Becken einen edlen und „auf alt gemachten“ Look verpasst. Die Ridebecken haben ein schirmartiges Profil und eine runde, mittelgroße Glocke mit etwa 14 Zentimeter Durchmesser, die bis zur unteren Hälfte stark gehämmert ist. Dreht man die Becken auf die Unterseite, wird ein dicht gehämmerter Bereich rund um die Glocke herum sichtbar, der die Bell offensichtlich tonal separieren soll. Auch die Flächen sind gut sichtbar sehr aufwendig und facettenreich gehämmert. Das Abdrehmuster ist beginnend von ganz oben auf der Glocke bis unterhalb der Glocke dichter gehalten, zum Rand hin verläuft es in immer breiteren Abständen.

Die Crashes in 16“ und 18“

Die beiden Crashbecken in 16“ und 18“ haben sehr flache Profile. Bezüglich der Bearbeitung wirken sie im Vergleich zu den Rides wie aus einem Guss, sowohl was die Hämmerung als auch das Abdrehmuster betrifft – mit der Ausnahme, dass die Hämmerung des 18“ Crash auf der Unterseite und rund um die Bell herum mehr den Rides entspricht. Das neu hinzu gekommene 16“ Modell wirkt hier insgesamt glatter, wie man es von herkömmlichen Crashbecken her kennt. Während das 16“ Crash mit 902 Gramm sehr leicht ausfällt, ist das 18“ ist mit 1326 Gramm in der Medium-Thin-Kategorie angesiedelt. Die etwa 11 Zentimeter breiten Glocken sind ebenfalls rundlich geformt und wurden, wie bei den Crashes auch, im unteren Teil von Hand gehämmert.

Die Hi-Hats in 14“ und 15“

Zur ursprünglichen Tribute Hi-Hat in 14“ kam dieses Jahr ein Geschwistermodell in 15“ dazu. Wie bei den Crashes auch, sind in Details leichte Unterschiede in der Hämmerung zu erkennen. Die Oberflächen des 15“ Modells sind mit einer dunkleren Patina versehen und wirken insgesamt glatter, das 14“ Modell ist im Vergleich deutlich stärker gehämmert. Bei der Gewichtsverteilung setzen die Istanbul Mehmet Schmiede auf eine klassische Kombination aus mittelschwerem Top und geringfügig schwererem Bottom. Die 14“ Hi-Hat wiegt 1004 / 1115 Gramm, das 15“ Modell kommt auf 1148 / 1317 Gramm. Als einzige Ausreißer bei der ansonsten sehr guten Verarbeitung sind die Mittellöcher des 14“ Hi-Hat Modells zu beanstanden, die bei beiden Becken nicht richtig rund ausfallen.

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