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Test
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02.09.2019

IK Multimedia Modo Drum Test

Physical Modelling Drums

Die neue Drum-Samplern Konkurrenz?

IK Multimedia kennt man im Audio-Software-Bereich von ihrer Amp-Emulation Amplitube, ihrem Sampler SampleTank, ihrer Raumkorrektur ARC und neuerdings über die E-Bass-Emulation MODO Bass, deren Realismus für einigen Aufruhr sorgte. Jetzt wurde MODO Drums vorgestellt. Die Schlagzeugkessel werden nicht mehr als Sample abgespielt, sondern aus der Physical Modelling Engine. Wie echt klingt’s?

Details

Bisher sind Versuche, Drumsounds nicht als Sample abzuspielen, sondern von einem Synthesizer erzeugen lassen, immer gescheitert. Wird eine Trommel angeschlagen, schwingen (meist) zwei Membranen, der Kessel selbst und als Gesamtsound die umliegenden Kessel des Drumsets, mit. Dieser Komplexität waren Physical Modelling Engines bisher nicht gewachsen. IK Multimedia macht sich, ermutigt durch den Erfolg von MODO Bass, daran, das zu ändern.

Installation

Die Seriennummer registriert ihr nach dem Kauf über das separate Programm „Authorization Manager“. Hat die Registrierung geklappt, werdet ihr dann wieder auf die Webseite von IK Multimedia geleitet, wo MODO Drum in eurem Profil zum Download für Windows und Mac zur Verfügung steht. Der Download ist ca. 8 GB groß, für die Installation veranschlagt das Instrument noch einmal 12 GB. Die müsst ihr auf eurer Systemfestplatte freihaben. Zum Testzeitpunkt gab es auf dem Testrechner weder bei der Installation noch im Plugin selbst die Möglichkeit, den Speicherort der Samples zu verändern. Die Größe ergibt sich aus den Becken-Sounds, die anders als die Kessel als Samples dabei sind.

Physical Modelling verspricht, falls es gelingt, ein Problem zu lösen, um das selbst der größte Sampler nicht herumkommt. So sehr durch verschiedene Kniffe in den Sampling-Engines von BDF3, Superior Drummer, Addictive Drums 2, SSD 5 (links) und Co. versucht wird, die Samples möglichst realistisch klingen zu lassen, kann es nie wie echtes (also menschliches) Schlagzeugspiel klingen. Hier klingt wirklich jeder Schlag anders. Nicht nur die Lautstärke, auch die Spielart, das Material von Kesseln, Fellart und Sticks und eine Vielzahl anderer Faktoren sorgen dafür, dass das Schlagzeug eines der komplexesten Instrumente ist. Eine Sample-Bibliothek kann noch so groß sein, die Anzahl der Varianten ist immer begrenzt. MODO Drums, da es eine Physical Modelling Engine mitbringt, kann dadurch theoretisch eine unbegrenzte Zahl an Schlagvarianten erzeugen. 

Drums only – Das bringt MODO Drums mit

Zehn Drumkits sind es geworden, die von Rock, Metal über Jazz hin zu Funk ein breites Spektrum an Genres abdecken. Und bevor man in die Tiefe geht, an Einstellungen dreht, spielt man ein paar der über 1400 MIDI-Grooves ab und stellt fest: Das klingt richtig gut. MODO Drum muss sich, was die Sounds der Trommeln betrifft, nicht verstecken. Alles lebt und atmet. Die Beckenauswahl und das Ausklingverhalten der Rides und Crash-Becken ist im direkten Vergleich noch ausbaufähig, die „Cutting-edge cymbal sample engine“ klingt teils noch etwas künstlich und steril.

Neben den zehn fertigen Drumkits gibt es in den Presets noch einige Varianten jedes Kits, wo die Effektauswahl und die Stimmung der Kessel variieren. Gefällt einem der Sound eines Drumkits oder eines einzelnen Elements mal nicht, sind die Ladezeiten beim Wechsel vorbildlich. Das Umswitchen klappte auf dem Testrechner (Macbook Pro 2016, 16GB RAM, 512 GB SSD) atemberaubend schnell. Das kann ein rein samplebasiertes Plugin gar nicht leisten.

Drum Tuning on the fly – MODO Drum macht’s möglich

Eine der besonderen Features von MODO Drum ist die Möglichkeit, bei jedem der Kessel die Stimmung beider Felle, den Anschlagsbereich auf dem Schlagfell beider Hände, das Stickmaterial, die Gradung und die Kesselgröße zu verändern. So ist von der 12x3,5-Zoll Mini-Snare über die 12x11-Zoll-Custom-Tom bis zur 28x24-Riesen-Bassdrum alles möglich. Ohne Qualitätsverlust. Dazu kann man bei der Snare die Spannung des Teppichs, bei der Bassdrum das Material des Beaters und die Spieltechnik (Heel-Up oder Heel-Down) und bei allen Kesseln die Menge an zusätzlicher Dämpfung bestimmen.

Dazu lässt sich bei jedem Element die Menge an Raumsignal bestimmen. Das Raumsignal richtet sich nach dem ausgewählten Raum: Neben verschiedenen Studioräumen kann man das Set auch nach Lagerhalle, Keller, Garage oder Kathedrale klingen lassen – insgesamt acht „Räume“ stehen zur Verfügung. Dazu gibt es zur Klangbearbeitung einzelner Signale insgesamt 19 Effekte im mitgelieferten Mixer, von denen sich auf jeder der 24 Spuren (plus zwei Sends und eine Master-Spur) je vier Effekte und ein EQ insertieren lassen. Laut IK Multimedia basierenden diese alle auf den hoch-qualitativen T-Racks-Effekten. Das hört man. Gerade EQ und Kompressoren bringen einen sehr warmen und analogen Klangcharakter mit, auch die Verzerrungs- und Delay-Effekte klingen nie flach. Kleiner Wermutstropfen: Die beiden Delay-Effekte lassen sich nicht mit dem Host-Tempo synchronisieren.

Funky Drummer – Die Groove-Library von MODO Drums 

Die verschiedenen Grooves und Fills der über 1400 MIDI-Files umfassenden Bibliothek lassen sich einfach per Drag-n-Drop auf die MIDI-Spur der eigenen DAW ziehen. Um die Auswahl einzuschränken, gibt es im „Grooves“-Tab verschiedene Sortiermöglichkeiten, um nach Genre, Songpart, Länge und Taktart zu sortieren. Auch nach dem Schlagzeugelement, was die führende Hand hauptsächlich spielt, lässt sich filtern. Das ist sehr nützlich, um beispielsweise nur Grooves anzeigen zu lassen, bei denen die „Leading Hand“ auf der Crash spielt – je nach Genre ein sehr praktischer Suchparameter.

Langsam kommt bei Plugin-Herstellern an, dass hochauflösende Monitore im Studioalltag durchaus Einzug gefunden haben. So ist MODO Drums GUI stufenlos vergrößerbar. Ansonsten gibt es, was die Einstellungsmöglichkeiten betrifft, noch die Option, einzelne Parameter per MIDI-CC zu kontrollieren und nicht das Plugin selbst das lösen zu lassen. So kann man das Feature beispielsweise bei der Hihat aktivieren und dann per Tastendruck bestimmen, wie weit die Hihat geöffnet ist.

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