Gitarre Hersteller_Ibanez
Test
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24.07.2020

Ibanez AZ2202A-TFB Prestige Test

E-Gitarre

Klassiker neu interpretiert

Die Ibanez AZ2202A-TFB Prestige stellt sich im weitesten Sinn als moderne Interpretation einer Stratocaster vor - eine gelungene Mischung aus Tradition und Moderne mit hohem Spielkomfort. Ibanez ist eine Marke des japanischen Unternehmens Hoshino Gakki. Für die Herstellung der Gitarren ist die Firma Fujigen zuständig, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann und nicht nur für die eigene Marke hervorragende Instrumente baut.
Aus den heiligen Werkshallen in Matsumoto kamen nicht nur viele der heiß begehrten Fender und Squier Japan-Modelle, sondern auch Instrumente von Yamaha, Greco oder FGN. Der hohe Fertigungsstandard, der in der Vergangenheit den einiger amerikanischer Hersteller durchaus in den Schatten stellte, ist dank hervorragender Mitarbeiter und japanischer Akribie obligatorisch und Teil der Firmenphilosophie.

Details

Der Body

Der Eschekorpus kommt mit einer engen Anlehnung an die klassische Stratocaster-Form und ist mit einem Vintage-Style-Tremolo ausgestattet. Allerdings bietet die Ibanez AZ2202A-TFB Prestige einige Detailverbesserungen. So ist das Shaping noch einen Tacken ausgeprägter als beim Fenderklassiker. Besonders gut gefällt mir der Hals/Korpus-Übergang. Er fördert mit den tief ausgeschnittenen Cutaways und einem in diesem Bereich abgeflachten Body eine sehr gute Erreichbarkeit der hohen Lagen. Äußerlich wirkt die Ibanez AZ2202A-TFB Prestige eher schlicht.

Die beiden verchromten Humbucker sind ohne Pickguard oder Pickuprähmchen direkt in den Body geschraubt. Sie passen optisch perfekt zum Gotoh T1802 Tremolo, das auf dem klassischen Fenderkonzept beruht und freischwebend eingebaut ist. Da die Gitarre kein Schlagbrett hat, wurden die die beiden Volume- und Tonepotis, der Miniswitch und der Fünfwegschalter von hinten durch die Decke geführt. Die beiden Seymour Duncan Hyperion Pickups bieten in Verbindung mit Coil-Tap- und Fünfwegschalter insgesamt zehn Soundvarianten. Die Klinkenbuchse ist relativ nah unterhalb des Gurtpin in der Zarge montiert - optimal, wenn man den Gurt als Kabelsicherung nutzen möchte. Weil sie anders nicht erreichbar wäre, hat sie ein eigenes kleines Fach auf der Rückseite. Dreht man die Gitarre um, sieht man drei Kunststoffabdeckungen für die Federkammer, die Schaltung und die Klinkenbuchse.

Die Schaltung

Zehn Sounds mit nur zwei Pickups zu realisieren ist ein gewagtes Unternehmen, denn man verliert nicht nur schnell den Überblick, sondern schaltet sich teilweise einen Wolf, wenn die favorisierten Sounds auf verschiedenen Ebenen liegen. Mit dem Tap-Mode-Switch kann man zwischen diesen Ebenen hin- und herschalten, wobei die Verkabelung des Fünfwegschalters intern komplett umstrukturiert wird, um die vielen Soundvarianten überhaupt hinzubekommen. Im sogenannten Power-Bridge-Modus fungiert eine Spule als Master. Um den Lautstärkeunterschied zum Humbuckermodus auszugleichen und die typische Glasigkeit gesplitteter Humbucker abzumildern, bekommt sie von der anderen Spule etwas Unterstützung.

Die Schaltmöglichkeiten sehen folgendermaßen aus:

Der Tap-Mode-Switch in Position 1, beginnend mit dem Steg-Humbucker:

1. Steg-Humbucker im Humbucker-Modus
2. Beide Pickups gesplittet - nur die äußeren Spulen
3. Beide Pickups im Humbucker-Modus
4. Beide Pickups gesplittet - nur die inneren Spulen
5. Hals-Humbucker im Humbucker-Modus

Der Tap-Mode-Switch in Position 2, beginnend mit dem Steg-Humbucker:

1. Steg-Humbucker im Power-Tap-Modus (rechte Spule als Master)
2. Steg-Humbucker gesplittet - nur die rechte Spule
3. Beide Pickups im Power Tap Modus - (die beiden rechten Spulen als Master)
4. Hals-Humbucker gesplittet - (nur die rechte Spule)
5. Hals-Humbucker im Power-Tap-Modus - (rechte Spule als Master)

Der Hals

Der wirklich bemerkenswerte Spielkomfort der Ibanez AZ2202A-TFB Prestige ist zu einem großen Teil der erstklassigen Halskonstruktion zuzuschreiben, die im Gegensatz zu vielen Ibanez-Serien etwas fleischiger in der Hand liegt und gleichzeitig eine gute Klangübertragung bietet. Optisch fällt der dunklen Hals sofort ins Auge. Der geröstete Ahornhals unterliegt einem speziellen Verfahren. Hierbei wird das Holz einer Stickstoff-Wärmebehandlung unterzogen, die die Holzstabilität und Wasserbeständigkeit erhöht. Das behandelte Holz bietet neben einer erhöhten Toleranz gegenüber Temperaturänderungen einen resonanteren und obertonreicheren Sound.

Die 22 perfekt eingesetzten und abgerichteten Jumbo-Edelstahlbünde tragen zur guten Tonübertragung bei. Dank des flachen 305 mm (12-Zoll) Griffbrettradius gestaltet sich das Saitenziehen und die gesamte Bespielbarkeit flüssig und angenehm. Dazu kommt eine insgesamt gute Werkseinstellung, bei der ich nur eine Feineinstellung der Bundreinheit vornehmen musste. Die Saiten werden über den Knochensattel zu den Gotoh Magnum Locking-Tunern geführt, die einen ausgezeichneten Job machen und der Gitarre eine hohe Stimmstabilität verleihen.

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