Gitarre Hersteller_Hoefner
Test
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04.06.2017

Höfner HA-0011-SB-0 Test

Westerngitarre

Mahagoni-Diva zum Sparpreis

Bei der Höfner HA-0011-SB-0 handelt es sich um eine Westerngitarre im Grand Auditorium Format, die der deutsche Hersteller nach seinen Vorgaben in Fernost produzieren lässt. Höfner schreibt bereits seit 1887 an seiner Firmengeschichte und tat sich zunächst mit der Produktion von Streichinstrumenten hervor, seit 1931 auch mit dem Bau hochwertiger Konzertgitarren. Der Rock'n Roll war auch hier der Geburtshelfer für die ersten Archtop-Gitarren, die in den 50er Jahren erschienen. Der Name Höfner stand in all den Jahren bis heute für solide Verarbeitung und Nachhaltigkeit mit dem Gütesiegel "Made in Germany" und für Instrumente mit einem gesunden Preis-Leistungsverhältnis.

Dass Höfner wesentlich mehr zu bieten hat als den legendären Beatles-Bass, zeigt ein Blick in das Line-Up der Firma, die sich zum größten Hersteller von Streichinstrumenten in Westeuropa gemausert hat und ihre Produkte über ein weltweites Händler- und Distributoren-Netz vertreibt. Zur Produktpalette gehören neben Westerngitarren und Streichinstrumenten auch Effektpedale, Konzertgitarren, Elektrogitarren und vieles mehr. Höfners Produktionsstandort in Deutschland ist in Hagenau bei Nürnberg. Ein zweiter befindet sich in Peking, wo auch unsere aktuelle Testkandidatin produziert wurde.

Details

Die hört auf den kryptischen Namen HA-0011-SB-0, sieht aber auf jeden Fall edel aus und ich stelle fest, dass sie wesentlich preiswerter ist, als ich vermutet habe. Ein Koffer, der im Lieferumfang enthalten ist, unterstreicht die Wertigkeit des Instrumentes. Es lohnt deshalb, den Testbericht weiter zu lesen.

Korpus

Der Korpus wurde nach den Maßgabe der berühmten Grand Auditorium geformt, auch als "M Size" bekannt. Mit einer Breite von 41,3 cm (28,5) am Unterbug (Oberbug) und einer Korpuslänge von 50,5 cm bietet die HA-0011-SB-0 eine relativ große Oberfläche und auch die Zarge ist je nach Messpunkt zwischen 9,7 cm am Halsfuß und satten12,0 cm am Endpin ziemlich tief ausgeschnitten. Eine ausgeprägte Profilverjüngung von 2,3 cm, die man bei seitlicher Betrachtung der Zarge deutlich erkennt, soll das Handling dieser großen Gitarre erleichtern. Der üppig dimensionierte Resonanzkörper bietet jedenfalls die besten Voraussetzungen für einen satten Ton.

Unsere Probandin besteht von "Kopf bis Knopf" aus Mahagoni. Lediglich das Griffbrett und der Saitenhalter sind aus ostindischem Palisander hergestellt.

Doch nehmen wir erst einmal die Decke aus leichtem, verwindungssteifem Mahagoni ins Visier. In der Regel werden nur Gitarren, deren Boden und Zargen aus Mahagoni gefertigt werden, auch mit einer Decke aus diesem Holz bestückt, das sämtliche Bedingungen erfüllt, die ein anspruchsvoller Gitarrenbauer an ein Deckenholz stellt: Es ist leicht, weich und gut zu bearbeiten. Die Decke ist aus zwei Teilen maserungsgetreu zusammengesetzt (bookmatched). Die Nahtstelle in der Mitte wurde gekonnt kaschiert und ist kaum mehr sichtbar.

Mit einem echten Vintage-Attribut erstrahlt hochglänzend die Oberfläche, die am Deckenrand schwarz eingefärbt wurde. Im Zentrum zeigt sich die Mahagonidecke dann relativ großflächig in ihrem ursprünglichen Zustand mit ebenmäßig rot-braunen Maserungen, die sich zu einem symmetrischen Faserbild zusammenfügen. Die ansehnliche Decke wird von einem aufgeklebten, einfachen Pickguard in Schwarz geschützt. Vermutlich sind die Buchstaben SB im Namen die Abkürzung für das klassische Two-Tone-Sunburst.

Das Schallloch ist mit einem Durchmesser von 10,2 cm geringfügig überdimensioniert, was zur Aufhellung des Klangbildes beitragen sollte. Eine kunstvoll gestaltete Schalllochverzierung besteht aus einem breiten verzierten Zentralstreifen und zwei schmalen konzentrischen Ringen an der Innen- und Außenseite. Ein weiß-schwarz-weiß gestreiftes Purfling verziert rundum diskret den Deckenrand. Sämtliche Einlegearbeiten werten das Instrument optisch auf und sind ohne Fehl und Tadel ausgeführt. Und auch sonst erfüllt unsere Kandidatin alle Bedingungen, die man an eine Vollakustikgitarre stellt.

Der dunkelbraune aufgeleimte Saitenhalter ist aus einem Stück ostindischem Palisander geschnitzt und beherbergt am rund geschwungenen Unterbauch (Bottom-Belly) sechs Pins. Ganz konventionell werden dort die Saiten mit den Ball-Ends befestigt und anschließend über eine einteilige, längenkompensierte Stegeinlage geführt. Mit der Nase für die B-Saite wird die Intonation insgesamt optimiert. Die Stoßkanten am Decken- und am Bodenrand werden rundum durch eine Einfassung aus Mahagoni geschützt. Der Endpin ist gleichzeitig Ausgangsbuchse für das Tonabnehmersystem und dient als Gurthalterung, eine zweite Halterung wurde am Halsfuß verschraubt.

Die beiden Bodenhälften bestehen - wie schon erwähnt - aus Mahagoni. Einen Zierspan findet man hier nicht und auch die Lackierung im Two-Tone-Sunburst wird hier nicht benötigt. Der Korpus ist hochglänzend versiegelt und poliert, wobei die Lackschichten mit Akribie und ohne Fehl und Tadel von Meisterhand aufgetragen wurden. Eine gelungen Arbeit und ein schöner Anblick.

Das Interieur

Ein prüfender Blick durch das Schallloch ins Innere bestätigt den guten äußeren Eindruck. Dramatische Innovationen findet man hier nicht, Höfner hat sich an die Spielregeln der traditionellen Holzbauweise gehalten. Unter der Decke kann man zwei kreuzweise verstrebte Leisten (X-Verstrebung) ertasten, die sich hinter dem Schallloch überschneiden. Man erkennt einen massiven Halsblock aus Mahagoni, der mit der Decke, dem Boden, den Zargen und dem Halsfuß verleimt wurde. Der Boden wird durch vier kräftigen Querverstrebungen aus Fichtenholz in einem konventionellen Leiterbracing stabilisiert. Sämtliche Reifchen, die an den Rändern zur Vergrößerung der Verleimfläche von Decke und Boden eingesetzt werden, sind gleichmäßig nebeneinander aufgereiht und verleimt, soweit das Auge reicht.

Elektronik

Wir checken nun in der Elektronikabteilung ein. Mit einem in der oberen Zarge eingebauten Onboard-Vorverstärker (Presys) und einem Transducer von Fishman, der sich unter der Stegeinlage versteckt hält, kann sich unsere Probandin auch komfortabel verstärken. Der Klinkenanschluss dient, wie schon erwähnt, auch gleichzeitig als Gurtpin. Die Kontrolleinheit wurde benutzerfreundlich und bühnengerecht konzipiert und beherbergt vier Potis, zwei Taster sowie ein kleines Display für den Tuner. Mit dem 3-Band-EQ (Bass, Middle, Treble) kann die Klangfarbe eingestellt werden, mit Volume der Ausgangspegel und der Phasenumkehrtaster (Phase) kehrt die Polarität des Signals um und räumt bei höherer Lautstärke mit Rückkopplungen auf.

Der chromatische Tuner mit drei LEDs ist leicht zu bedienen und schaltet bei Benutzung die Gitarre stumm. So kann der Taster ganz praktisch auch als Paniktaste bei plötzlich einsetzendem Feedback genutzt werden. Der Spieler kommuniziert mit einem kleinen runden Display, das bei der Grobstimmung per Buchstabenanzeige Rückmeldung gibt, bei der Feinstimmung kommuniziert man mit zwei roten LEDs. Leuchtet die grüne LED, ist auch die Saite im Wortsinn im grünen Bereich. Allerdings kann der Kammerton (a = 440 Hz) nicht kalibriert werden. Ein 9V-Block hält die Stromversorgung aufrecht, der laut Manual nach 88 Stunden reiner Spielzeit gewechselt werden sollte. Eine rote LED meldet sich rechtzeitig, bevor der Batterie der Saft ausgeht. Der Energiespender kann dann im Handumdrehen ausgewechselt werden, indem man den Verschluss öffnet und das Panel um die eigene Achse dreht.

Hals, Griffbrett und Halsfuß

Hals, Kopflatte und Halsfuß (natürlich aus Mahagoni) bestehen aus drei separaten miteinander verleimten Komponenten. Der Hals ist mit einem Umfang von nur 11,3 cm am Sattel recht dünn ausgeführt. Mit einem eingelegten 2-Wege-Stahlstab, der dem schmalen Hals zusätzliche Festigkeit verleiht, kann auch die Halskrümmung graduell eingestellt werden. Die Stellschraube befindet sich unter der Abdeckung am Kopf. Der benötigte Inbusschlüssel ist im Lieferumfang enthalten. Trotzdem sollte man größere Korrekturen, falls sie denn irgendwann vonnöten sein sollten, von einem Fachmann vornehmen lassen.

Passgenau wurde ein Griffbrett aus Palisander auf dem Hals verleimt. Palisander wird seit diesem Jahr vom Washingtoner Artenschutzabkommen komplett als gefährdete Art gelistet und unterliegt strengen Im- und Exportbeschränkungen. Die hier verbauten Hölzer stammen aus Lagerbeständen, die beim Landratsamt Erlangen registriert sind. Das unbehandelte Griffbrett wurde mit Punkteinlagen aus echtem Perlmutt strukturiert. Das glänzend-weiße Perlmutt ist beständig und nutzt kaum ab. Die Griffbretteinbindung aus Mahagoni unterscheidet sich farblich und strukturell nicht vom Griffbrettmaterial und wird deshalb zunächst gar nicht wahrgenommen. Auf der Sichtkante befinden sich entsprechende Punkteinlagen. Die Wölbung der Oberfläche entspricht der Wölbung der Stegeinlage. 20 schmale Bünde mit sauber abgerichteten und polierten Bundkronen bieten beste Voraussetzungen für eine perfekte Intonation auf ganzer Länge.

Die Saiten werden über einen sorgfältig gearbeiteten Knochensattel geführt, der mit einer Breite von 4,3 cm der Norm entspricht. Auch bei stärkeren Auf- und Abschlägen mit dem Plektrum ruhen sie dort sicher in den Kerben. Im 12. Bund ist das Griffbrett breiter und misst 5,5 cm, was bei Stahlsaitengitarren der Norm entspricht. Der Hals-Korpusübergang befindet sich standardgerecht am 14. Bund. Ab dort gehen Halsfuß und Griffbrett, das auf der Decke verleimt wurde, getrennte Wege.

Kopfplatte

Die Oberseite der geschlossenen Kopfplatte präsentiert das Perlmutt-Logo der Firma Höfner. Die Oberfläche wurde mit einem schwarz-glänzend lackierten Oberflächenfurnier verblendet und an beiden Seiten zeichnen drei geschlossene vernickelte Mechaniken mit griffigen Wirbeln für eine stabile Stimmung verantwortlich. Da Zahnrad und Gewindeachse durch das mit Schmierfett gefüllte Gehäuse geschützt werden, kann sich dort kein Schmutz ansammeln und auch die Mechaniken unserer Testkandidatin geben keinen Anlass zur Kritik.

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