Test
8
22.02.2021

Praxis

Bevor ich mir die MOVE 8 genauer anhöre, werfe ich einen Blick unter die Haube. Das Lautsprechergitter ist nur eingeklemmt und mit etwas Erfahrung einfach zu entfernen. Hinter dem Gitter befindet sich eine herausnehmbare Schallwand, die dank Gewindeschrauben solide mit dem Gehäuse verheiratet ist. Der 8 Zoll Treiber mit Ferritmagnet hat einen 1 Zoll Hochtöner an seiner Seite, der mit einer Softdome-Membran ausgestattet ist. Ich bin gespannt, wie sich das auf den Sound auswirkt. Softdome-Tweeter findet man eher in HiFi-Konstrukten und klingen in der Regel gutmütiger als ein klassischer Kompressionstreiber 

Etwas überraschend ist der große Bassreflex-Port, der einen ordentlichen Bassanteil verspricht. Ich entferne einige Gewindeschrauben und werfe einen Blick ins Innere. Ein wenig Dämmstoff soll Gehäuseresonanzen unterdrücken. Die Lautsprecherkabel docken über einen Multipin-Stecker direkt an einer Platine an. Die Verarbeitung wirkt solide und ist nicht zu beanstanden.

Soundcheck

Zunächst mit Konservenmusik über mein iPhone. Dank des dualen Bluetooth-Moduls kann ich Musik von meinem Smartphone streamen und gleichzeitig die Box mit Hilfe der MOVE 8 Remote-App fernsteuern. Wem das zu umständlich ist, der kann diese Aufgaben auch auf zwei Geräte verteilen 

Die Box gefällt mir klanglich sehr gut. Man darf aufgrund der verbauten Treiber natürlich kein Tiefbass-Gewitter und exorbitante Silberhöhen erwarten. Bass und Höhen wurde ein sanfter Roll-off zugewiesen, wohl auch, um die Treiber unter Volllast zu schützen. Das klingt rund und wie aus einem Guss.

Der Hochtöner ist gutmütig und keineswegs verhaltensauffällig, wie viele Kompressionstreiber-Kollegen. Das gefällt, die Box portiert einen angenehmen Grund-Sound. Das gilt auch für die Stimmenwiedergabe unter Verwendung eines Shure SM58. Das Shure Beta 87A konnte ich gleich wieder wegpacken, da die Mikrofonkanäle leider keine Phantompower bereitstellen. Einen Low-Cut habe ich nicht vermisst. Mit dem EQ in neutraler Einstellung klingt das Ganze direkt stimmig. Bei basslastigen Stimmen oder dumpfen Mikrofonen kann man immer noch mit dem Kanal-EQ korrigierend eingreifen.

Für den Test der Celestion Speaker-Emulationen habe ich tatsächlich meine alte Tokai-Strat ausgepackt und mir das einmal angehört. Zwei Dinge sind mir dabei aufgefallen. Zum einen, wie schnell man durch fehlende Spielpraxis die Gitarre wie ein Holzfäller bearbeitet und zum anderen, wie gut doch solch vermeidliche Gimmicks wie die Celestion Emulationen heutzutage klingen können. Ich muss sagen, dieses Feature ist tatsächlich mehr als brauchbar.

Sowohl die Speaker-Emulationen als auch die Effekte sind in der Tat überzeugend. Für die Klangbeispiele habe ich eine cleane Gitarre in meine Studio One DAW eingespielt, dort als Preamp das Studio One Empire Plug-in ausgewählt und dessen Speaker-Emulation deaktiviert. Über den Soundkarten-Ausgang ging es via Klinkenkabel in den Kanal 3 mit aktivierter Celestion Speaker-Emulation. Den Output der MOVE 8 habe ich dann mit einem Shure SM57 aufgenommen, um die Klangbeispiele anzufertigen.

Mir gefällt das Ergebnis. Im Gegensatz zu dem Duo „Voice Cancellation & Transpose Algorithmus“. Während die Voice Cancellation je nach Song noch halbwegs ordentliche Ergebnisse erzeugt, ist der Transpose-Algorithmus sofort überfordert, wenn der Song deutlich nach oben oder unten transponiert werden soll. Das klingt nicht mehr gut und kann höchstens unter Alkoholeinfluss bei einer Hausparty überzeugen. Karaoke in einer größeren Öffentlichkeit dürfte in Zeiten einer globalen Pandemie zudem ein wenig gefragtes Features sein. Daher widme ich mich lieber der Feedback Cancellation Funktion der Kanäle 1 & 2. Diese besteht lediglich aus einem On-off-Button. Einfach, aber funktionell. Je höher die Koppelfrequenz, desto schneller findet der Algorithmus die Störfrequenz. Beim Test zeigt sich, dass fast immer der Hochtöner als erster pfeift. Nach ein, zwei Sekunden ist die Frequenz gefunden und zielsicher entsorgt. Nützliche Funktion, keine Frage. Vor allem, wenn die Box hinten den Musikanten aufgestellt ist, um sich den Einsatz zusätzlicher Monitore zu ersparen.

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